Kanton Solothurn
Kampagne für den Lehrberuf: Kanton will keine Massen anziehen, sondern Fachpersonen, «die für den Job brennen»

Schon seit Jahren ist der Lehrpersonenmangel im Kanton immer mal wieder Thema. Mit einer Kampagne wollen die Verantwortlichen nun dafür sorgen, dass auch in 10 Jahren noch genügend Fachpersonen vor den Klassen stehen. Dabei spricht der Kanton nicht die grossen Massen an, sondern zwei konkrete Zielgruppen.

Noëlle Karpf
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Stellen die Kampagne «Einsame Klasse. Schule sucht Sie!» in Bellach vor (von links): Stephan Hug (Verband Schulleiterinnen und Schulleiter), Thomas Blum (Geschäftsführer Verband der Ewinwohnergemeinden), Remo Ankli (Regierungsrat), Andreas Walter (Vorsteher Volksschulamt), Mathias Stricker (Präsident kantonaler Lehrpersonenverband).

Stellen die Kampagne «Einsame Klasse. Schule sucht Sie!» in Bellach vor (von links): Stephan Hug (Verband Schulleiterinnen und Schulleiter), Thomas Blum (Geschäftsführer Verband der Ewinwohnergemeinden), Remo Ankli (Regierungsrat), Andreas Walter (Vorsteher Volksschulamt), Mathias Stricker (Präsident kantonaler Lehrpersonenverband).

Hanspeter Bärtschi

Am Montag geht die Schule los. Die meisten Stellen an den Schulen im Kanton sind besetzt, offen sind eher kleinere Pensen. Zum Beispiel für Fächer wie Gestaltung oder in der Logopädie und speziellen Förderung – eben gerade, weil dafür oftmals um wenige Stellenprozent ausgeschrieben sind. Das bestätigt Andreas Walter, Vorsteher Volksschulamt, und das zeigt ein Blick auf die Stellenbörse des kantonalen Verbands der Lehrpersonen.

Nein, einen krassen Mangel an Lehrpersonen hat Solothurn derzeit nicht – im Gegensatz etwa zum Aargau. Vor kurzem wurde vermeldet, dass dort auf Schulstart hin rund 130 Lehrerinnen und Lehrer fehlen. So schlimm ist die Situation im Kanton Solothurn nicht. Dennoch: Auch hier ist der Lehrpersonenmangel immer mal wieder Thema. Und jetzt startet der Kanton eine Kampagne.

TeleM1

Gesucht: Wieder- und Quereinsteigende

«Einsame Klasse. Schule sucht Sie!» Unter diesem Slogan sucht der Kanton nach «Knacknusskreateurinnen und Horizonterweiterer». Es handle sich dabei nicht um eine reine «Imagekampagne», erklärt Walter am Dienstag bei der Medienkonferenz zum Start der Kampagne. Und es sei nicht die Absicht der Verantwortlichen, die grossen Massen anzuziehen. Die Werbekampagne richtet sich an zwei Zielgruppen: An ehemalige Lehrpersonen, die wieder in den Beruf einsteigen wollen. Und an Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger.

Hinter der Kampagne stehen nebst dem Kanton mit dem Volksschulamt auch der kantonale Verband der Lehrpersonen LSO, der Verband der Schulleiterinnen und Schulleiter sowie der Verband der Einwohnergemeinden. Die Kampagne beinhaltet nebst Werbematerial mit dem erwähnten Slogan auch eine Serie von redaktionellen Schulporträts, die die einzelnen Medien im Kanton umsetzen. Diese sollen einen Einblick in den Schulalltag verschaffen.

Einen Einblick geben will man potenziellen Lehrkräften auch durch Schnupperangebote. Auf der Website des Kantons sind derzeit 12 Schulen aufgeschaltet, die dies anbieten. Verwiesen wird auf dieser Website auch auf die Ausbildung für Quereinsteigende an der Fachhochschule Nordwestschweiz.

Wie erwähnt soll die Kampagne nicht massenhaft angehende Lehrpersonen in die Pädagogische Hochschule ziehen. Laut Vorsteher des Volksschulamts geht's darum, Fachleute zu finden, «die für den Beruf brennen», die motiviert sind (wieder) als Lehrperson zu arbeiten. «Wir wollen aufzeigen, dass die Hürden dafür gar nicht so gross sind», so Walter. Damit wollen sich Kanton und Gemeinden langfristig absichern, auch in Zukunft soll es genug Lehrpersonen geben. Und: Nicht nur genug, auch genügend qualifizierte – immer öfter ist nämlich nicht nur die Frage, ob eine Schule eine Stelle besetzen kann, sondern auch, ob man dafür eine ausgebildete Person findet oder jemanden ohne Diplom oder Erfahrung in dem Bereich einstellen muss.

Gleichzeitig sollen Wieder- und Quereinsteigende auch Lebenserfahrung und den Blick von aussen in eine Schule bringen. Und am Schluss soll die Kampagne – wenn auch nicht als Imagekampagne angepriesen – eben auch was am Bild des Jobs ändern. Klar, räumt Walter ein, der Lehrberuf sei eine «Chnochenbüez», oft mit Stress und Belastung verbunden. Aber: Es gebe heute Weiterbildungsmöglichkeiten, teils wird auch im Team unterrichtet; kurz: Der Lehrberuf ist kein starrer Job mehr, bei welchem eine Person vor einer Klasse steht und Monologe hält. Auch das soll die Kampagne aufzeigen.

Youtube/Kanton Solothurn

Lösungen in der Krise – und darüber hinaus

Aufgekommen ist das Thema ein Stück weit auch durch die Coronapandemie, erklärt Stephan Hug, Vorstandsmitglied des Verbands der Schulleiterinnen und Schulleiter. Für Lehrpersonen in Quarantäne mussten Stellvertretungen gefunden werden, und zwar schnell. Optimale Lösungen dafür sind natürlich ehemalige Berufspersonen oder ausgebildete Quereinsteigende.

«Die Pandemie hat aufgezeigt, wie wichtig der Beruf der Lehrpersonen ist», so erklärte es LSO-Präsident Mathias Stricker. Weil geburtenreiche Jahrgänge in die Schule kommen und Pensionierungen von langjährigen Lehrpersonen anstehen, sollen die beiden erwähnten Zielgruppen nicht nur bei kurzfristigen Ausfällen einspringen können, sondern auch dazu beitragen, dass auch mittel- und langfristig genug - und genügend gut ausgebildete - Lehrpersonen vor den Klassen stehen.

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