Zwangsheiraten

Kanton Solothurn kämpft gegen Zwangsehen

Zwangsheiraten: Fachleute sollen für das Thema sensibilisiert werden. (Symbolbild)

Zwangsheiraten: Fachleute sollen für das Thema sensibilisiert werden. (Symbolbild)

Fachleute im Kanton Solothurn sollen für das Thema Zwangsehen sensibilisiert werden – und Anzeichen besser erkennen. Zwangsheiraten sind vor allem in den ärmeren Gegenden der Welt verbreitet – oft, wenn Eltern nicht mehr ihre ganze Familie durchbringen können.

Es ist nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint: Zwangsheiraten und Zwangsehen kommen nicht ausschliesslich bei Asylsuchenden vor, sondern auch bei in der Schweiz lebenden Familien. Meist spielen dabei ethnische oder religiöse Hintergründe mit.

Angst, Gewalt, Druck der Familie: Jeder Fall von Zwangsheirat hat seine eigene Geschichte, Ausprägung und Hintergründe. Die Zahl der Zwangsheiraten in der Schweiz lässt sich nicht beziffern. Viele Betroffene wagen es nicht, Hilfe zu suchen. Auch im Kanton Solothurn sind keine genauen Angaben bekannt.

2013 verabschiedeten der Bundesrat und das Parlament das Bundesgesetz über die Massnahmen gegen Zwangsheirat. In der Folge wurde ein fünfjähriges Bundesprogramm zur Bekämpfung von Zwangsheiraten lanciert.

Im Zuge der zweiten Phase des Bundesprogrammes engagiert sich die Beratungsstelle Opferhilfe Aargau Solothurn für die Umsetzung der Massnahmen gegen Zwangsheirat auf kantonaler Ebene. «Wir möchten Fachpersonen für das Thema sensibilisieren und sie untereinander besser vernetzen», sagt Juliane Gürr, Mitarbeiterin der Opferhilfe Aargau Solothurn.

Keine konkreten Anlaufstellen

Am 20. September organisiert die Opferhilfe deshalb eine Fachveranstaltung im Alten Spital in Solothurn. Eingeladen sind Fachleute aus den verschiedensten Sparten: vom Migrationsamt, der Sozialarbeit, der Beistandschaft, der Berufsschule, vom Zivilstandsamt bis hin zur Polizei. Ein Referent wird sie in das Thema einführen und anhand einiger Fallbeispiele die Vielfalt der Ausprägungen von Zwangsheirat und Zwangsehen veranschaulichen.

Den Fachleuten solle aufgezeigt werden, welche Möglichkeiten sie haben, an welchen Adressen sie Hilfe holen können und wie sie sich verhalten sollen, wenn sie mit einem Fall von Zwangsheirat konfrontiert sind, so Gürr. «Wir wollen die Fachleute dazu bringen, besser hinzuhören und Anzeichen von Zwangsheirat früher zu erkennen.» Die Opferhilfe hat in Zusammenarbeit mit «Zwangsheirat.ch» dazu eine Broschüre mit den wichtigsten Informationen entwickelt.

Momentan gibt es keine spezifischen Anlaufstellen für Fälle von Zwangsheirat im Kanton Solothurn. Den Fachleuten wird deshalb geraten, sich mit Betroffenen an die Opferhilfe Aargau Solothurn oder an die schweizweit tätige Fachstelle «Zwangsheirat.ch» zu wenden.

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