Kanton Solothurn
Historisch tiefe Suva-Prämien 2022 – dank weniger Unfällen im Coronajahr

Aufgrund der Pandemiemassnahmen ist die Anzahl der Berufsunfälle merklich gesunken. Die Suva erstattet den Versicherten daher 253 Millionen Franken zurück. Einige Branchen profitieren dabei mehr als andere. Zwei Vertreter aus dem Kanton berichten, wie sich dies auf ihre Betriebe auswirkt.

Anja Neuenschwander
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Auch das Bauhauptgewerbe profitiert vom Covid-19-Überschuss.

Auch das Bauhauptgewerbe profitiert vom Covid-19-Überschuss.

Bruno Kissling

Im Coronajahr 2020 sind markant weniger Unfälle passiert. Daher kann die Suva-Unfallversicherung 253 Millionen Franken in Form von einem Covid-19-Überschuss zurückerstatten, heisst es im Geschäftsbericht. Dazu kommt auch noch eine ausserordentliche Erstattung von überschüssigen Anlageerträgen auf die Nettoprämien, die in allen Klassen der Berufs- und Nichtberufsunfallversicherung 15 Prozent der Nettoprämie beträgt.

Beide Rückerstattungen zusammen resultieren so in «historisch tiefen Prämien», laut Geschäftsbericht. Total werden 779 Millionen Franken erstattet.

Wie verteilt die Suva ihre Prämien?

Aufteilung in Tarifklassen

Die Suva teilt ihre Kunden aus den verschiedenen Branchen grundsätzlich in Tarifklassen auf. Je höher das Unfallrisiko in einer Klasse oder Branche, desto höher auch die Prämiensätze. Dabei wird ausschliesslich zwischen den Tarifklassen unterschieden. Kantone, Regionen oder individuelle Betriebe werden von Gesetztes wegen nicht berücksichtigt. 

Einige Branchen profitieren mehr

Für 2022 wurde in jeder Risikoklasse geprüft, wie stark die Versicherungskosten aufgrund der Pandemie zurückgegangen waren. Basierend darauf, wie sehr sich die Unfallrate in der jeweiligen Branche verändert hat, wird die Erstattung als Prozentsatz der Nettoprämie angerechnet. So kommt es, dass einige Branchen mehr vom Covid-19-Überschuss profitieren als andere. Die Luftfahrt beispielsweise bekommt mit 48 Prozent mit Abstand am meisten rückerstattet.

Vom Covid-19-Überschuss profitiert unter anderem das Bauhauptgewerbe. Im Bereich der Berufsunfallversicherung (BUV) werden in der Branche 8 Prozent rückerstattet. «In unserem Gewerbe hatten wir schon immer recht hohe Prämien», gibt Philipp Sterki, Baumeister bei der Sterki Bau AG, bekannt. In der Branche herrsche ein relativ hohes Unfallrisiko am Arbeitsplatz.

Letztes Jahr habe man aber tatsächlich weniger Berufsunfälle verzeichnet. Sterki schreibt dies jedoch der Organisation und den Schulungen des Betriebs zu:

«Corona hatte eher keinen Einfluss auf unsere Unfallrate.»

Im Baugewerbe gebe es öfters kleine Unfälle, doch wenn einmal ein grösserer passiere, falle dies bei der Versicherung enorm ins Gewicht. Im letzten und in diesem Jahr habe man aber glücklicherweise noch keine schweren Berufsunfälle gehabt. Bei Galli Hoch- und Tiefbau in Zuchwil mache die Covid-19-Rückerstattung einen grossen Unterschied, gibt Ursula Linder, Leiterin Personal, bekannt. Letztes Jahr seien weniger Aufträge eingegangen, die Bautätigkeit war also ruhiger und gelassener. Folglich seien auch weniger Berufsunfälle passiert.

Mehr Unfälle in der Freizeit

Etwas anders sieht es bei der Nichtberufsunfallversicherung (NBUV) aus: Dort steigen die Nettoprämien teilweise sogar. Die Risikoentwicklung sei weniger günstig gewesen als bei den Berufsunfällen, erklärt Arabelle Frey, Zuständige für Unternehmenskommunikation.

Diese Tendenz kann auch Philipp Sterki bestätigen: Die Nichtberufsunfallquote sei in ihrem Betrieb gestiegen. In der Branche hätten viele Angestellte relativ risikoreiche Hobbys. Während der Pandemie hätten sie wahrscheinlich mehr Zeit gehabt, diesen nachzugehen. Bei Galli Hoch- und Tiefbau hingegen bewirkte Corona gerade das Gegenteil. Die Nichtberufsunfälle seien zurückgegangen:

«Die Angestellten konnten in ihrer Freizeit weniger unternehmen, daher sind auch weniger von ihnen verunfallt.»

Das Bauhauptgewerbe bekommt bei der NBUV den gleichen Prozentsatz rückerstattet wie bei der Berufsunfallversicherung – nämlich 8 Prozent. Zur Entwicklung der Prämien 2023 könne man aktuell noch nichts voraussagen, sagt Arabelle Frey. Die Suva wolle aber auch zukünftig allfällige Überschüsse in Form von Prämiensenkungen erstatten.

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