Kanton Solothurn
Frauenstreik: Einen grossen Umzug wie 2019 wird es nicht geben ‒ was die Verantwortlichen stattdessen geplant haben

In zehn Tagen wird schweizweit zum Streiken aufgerufen. Auch im Kanton Solothurn. Zu einer eigentlichen Frauenstreik-Demo wird es, wegen Corona, nicht kommen ‒ in der Kantonshauptstadt sind dafür an verschiedenen Orten Aktionen geplant.

Noëlle Karpf
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Frauenstreik 2019: Aus dem ganzen Kanton reisten Teilnehmende nach Solothurn und zogen dann durch die ganze Stadt.

Frauenstreik 2019: Aus dem ganzen Kanton reisten Teilnehmende nach Solothurn und zogen dann durch die ganze Stadt.

Hanspeter Bärtschi

Anerkennung von Care-Arbeit. Lohngleichheit. Keine Diskriminierung. Zehn Forderungen haben Teilnehmende des Solothurner Frauenstreiks 2019 damals der Solothurner Regierung übergeben. Diese hat sich in ihrer Antwort auf die Petition etwas später zwar für Gleichberechtigung ausgesprochen ‒ konkret ausgelöst wurde aber nichts.

«Bis jetzt ist wenig passiert», sagt auch Sarah Probst vom feministischen Streikkollektiv der Stadt Solothurn. Dabei seien noch ganz viele Forderungen, oder eben Probleme, vorhanden ‒ Probst spricht davon, dass in der Schweiz jede zweite Woche ein Femizid begangen wird; dass Lohnarbeit nach wie vor mehr Wert sei als nicht vergütete, oft von Frauen geleistete, Care-Arbeit; dass schlecht bezahlte Jobs nach wie vor ins Ausland verlagert oder an Personen mit Migrationshintergrund abgegeben werden, oftmals Frauen. Und dann könnte sie noch ewig weitererzählen, fügt sie an.

Es sind die gleichen Punkte, die auch schon 2019 im Raum standen, und eben auch schon davor. Es sind die Gründe, aus welchen das Kollektiv auch 2021 dazu aufruft, zu streiken.

Kein Umzug ‒ verschiedene Posten

Klar ist: Einen grossen Umzug, bei welchem Streikende aus Solothurn, Grenchen, Olten und dem ganzen Kanton zusammenkommen, so wie 2019, wird es nicht geben. Coronabedingt achten die 16 Organisatorinnen des Streikkollektivs darauf, dass es nicht zu grossen Menschenansammlungen kommt.

Am 14. Juni wird es in der Kantonshauptstadt deshalb, verteilt auf die verschiedenen Plätze, Posten geben. Es finden Workshops und Diskussionen statt, bei denen es etwa um Schutzräume geht, darum, wie sich Frauen gegenseitig unterstützen können; um Lohn(un)gleichheiten, um sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ‒ und es soll eine Sammlung von Liederzeilen entstehen, am Schluss vielleicht sogar ein Lied, das aus dem Tag hervorgeht. Auch Transparente werden gebastelt ‒ Protestieren wollen die Teilnehmenden durch organisierten Stillstand in kleinen Grüppchen, verteilt über die ganze Stadt.

Das Programm am 14. Juni

Die Aktionen in der Solothurner Innenstadt beginnen um 15 Uhr. Um 15.19 und um 18 Uhr wird durch Stillstand protestiert ‒ verteilt in kleineren Grüppchen für 20 Sekunden stillgestanden. 

Weitere Infos: www.fem-so.ch

Aufmerksam machen will das Kollektiv auch auf das «Utopier», ein Papier, dass die «Utopie» aufzeigt, die die Organisatorinnen erreichen wollen. Das Papier soll die «diskriminierende Realität» aufzeigen ‒ und die Streikgründe ‒ quasi Forderungen ‒, die daraus abgeleitet würden.

Im Kern geht es aber darum, ein Gegenstück zur patriarchalen Gesellschaft darzulegen. Im Gegensatz zu vor zwei Jahren gibts also keine konkreten Forderungen an die Politik; «wir versuchen es weniger mit realpolitischen Ansätzen ‒ sondern stellen einen Entwurf für eine gerechtere Gesellschaft zur Diskussion», so Probst.

Lia Kummer und Sarah Probst stellen für das Solothurner Streikkollektiv die geplanten Aktionen am 14. Juni vor.

Lia Kummer und Sarah Probst stellen für das Solothurner Streikkollektiv die geplanten Aktionen am 14. Juni vor.

Zvg

«Unser Ziel ist es, Strukturen, die zu Ungerechtigkeit führen, zu überwinden», so Lia Kummer, ebenfalls vom Streikkollektiv. «Und dazu in einem ersten Schritt auf diese Strukturen aufmerksam zu machen. Sodass auch Verantwortliche sich dessen bewusst werden, und sich zurücknehmen, Unterdrückten mehr Raum geben. Und Unterdrückten klar wird, dass sie nicht alleine sind - und den Fehler nicht bei sich suchen.»

Und wie dann aus dem Entwurf, der Utopie, Wirklichkeit wird? Eine abschliessende Antwort auf diese Frage gibt es auch heute nicht. Klar ist: Am 14. Juni soll, wenn auch im etwas kleineren Rahmen als 2019, wieder gestreikt werden.

Der Frauenstreik 2019 in Solothurn.
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Der Frauenstreik 2019 in Solothurn.
Der Frauenstreik 2019 in Solothurn.
Der Frauenstreik 2019 in Solothurn.
Der Frauenstreik 2019 in Solothurn.
Der Frauenstreik 2019 in Solothurn.
Der Frauenstreik 2019 in Solothurn.
Der Frauenstreik 2019 in Solothurn.
Der Frauenstreik 2019 in Solothurn.

Der Frauenstreik 2019 in Solothurn.

Hanspeter Bärtschi