Kanton Solothurn
Falsch gekennzeichnet oder zu viel THC drin: Lebensmittelkontrolle untersucht 26 Hanfprodukte – 26 fallen durch

Schon eine ganze Weile sind sie im Trend: Konsumentinnen können in diversen Shops Hanftee, Hanfkekse, oder Hanföle kaufen – und das ganz legal. Etwas komplizierter ist es dafür für die Anbieter: Eine Analyse der kantonalen Lebensmittelkontrolle zeigt, wie schnell sich diese im Graubereich bewegen.

Noëlle Karpf
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Hanf- und CBD-Produkte können in verschiedenen Shops gekauft werden. Die Ware kann theoretisch legal erworben werden – immer wieder kommt es aber vor, dass Anbieter gewisse Regeln verletzen.

Hanf- und CBD-Produkte können in verschiedenen Shops gekauft werden. Die Ware kann theoretisch legal erworben werden – immer wieder kommt es aber vor, dass Anbieter gewisse Regeln verletzen.

Benjamin Manser

Sie heissen Hanftheke, -shop, oder -mühle. Im ganzen Mittelland schossen in den vergangenen Jahren Läden aus dem Boden, die Hanfprodukte anbieten. Auch vom Megatrend der CBD-Produkte berichteten diverse Medien. Über 500 Inhaltsstoffe hat eine Hanfpflanze – CBD ist einer davon, der nicht high macht und etwa in Form von CBD-Zigaretten geraucht werden darf. Im Gegensatz zum THC. Dieses kommt dafür in Lebensmitteln oder Produkten wie Sprays vor. Wobei dann ein gesetzlicher Höchstwert vorgeschrieben ist, der nicht überschritten werden darf.

Nicht nur, aber auch deshalb kommt es zu Verstössen, zeigt eine Analyse der Lebensmittelkontrolle, die dieses Jahr eine Untersuchungskampagne bei Hanfprodukten durchgeführt hat.

100 Prozent zu beanstanden

26 Proben hat das Team untersucht – 26 waren zu beanstanden. Als Gründe dafür werden «Kennzeichnung» und «Zusammensetzung» genannt. Nebst dem gesetzlich vorgeschriebenen Höchstwert an THC, der nicht überschritten werden darf, ist es beispielsweise auch verboten, Hanfprodukten wie Tees oder Sprays eine heilende Wirkung zuzuschreiben.

Die gesetzliche Grundlage sei anspruchsvoll, bestätigt Ramona Schindler, die seit 2017 Geschäftsführerin der Hanftheke in Solothurn ist. Und gleichzeitig:

«Um genau definierte Richtlinien bin ich dankbar.»

Die gelernte Köchin und Pharma-Assistentin erzählt etwa davon, eine Weiterbildung besucht zu haben, um «gesetzlich a jour» zu sein. Von der Kundschaft werde sie immer mal wieder auf Werbung angesprochen, die etwa Hanf-Gummibärchen gegen Schmerzen anpreise und so weiter. Ein grosser Teil ihrer Arbeit bestehe deshalb auch aus Aufklärung – Hanf als Heilmittel gehöre in eine Arztpraxis oder in die Apotheke.

Produkte, die Melatonin enthalten – das Hormon, das unseren Tag-Nacht-Rhythmus steuert –, dürfen in der Schweiz auch nur als Arzneimittel verkauft werden. In zwei Fällen hat die Lebensmittelkontrolle im Rahmen ihrer Kampagne jedoch festgestellt, dass die kontrollierten Hanfprodukte auch Melatonin enthielten. Hier hat die Behörde den Betrieben nicht nur ein Abgabeverbot verhängt, sondern die Verkaufsstellen auch verpflichtet, die Produkte zurückzunehmen.

In sechs anderen Fällen war das nötig, weil THC-Höchstwerte, in Bezug auf die tägliche Einnahme bei einem erwachsenen Menschen, überschritten und als «gesundheitsgefährdend» eingestuft worden waren. Weiter bilanziert die Behörde elf Abgabeverbote und vier Etikettenkorrekturen. Zudem:

«Wir haben keine Öle angetroffen, die tatsächlich THC-frei sind, obwohl dies auf vielen Ölen so ausgelobt ist.»

CBD als Lebensmittel verboten

Produkte wie Aromapflegeöle verkauft auch der Mrs. Green Shop in Olten, der sich ansonsten aber vor allem auf Produkte zum Rauchen konzentriert. «Grundsätzlich kommen wir bis jetzt klar mit den Vorschriften», berichtet Urs Schlatter, der zudem erzählt, dass das Geschäft indoor eigene Pflanzen anbaut und die Produkte daraus verkauft. Man arbeite mit Stecklingen – jede Pflanze sei identisch mit der Mutterpflanze, «und die Schwankungen im THC-Gehalt sind somit gering». Man lasse zudem regelmässig Analysen durchführen, um sicherzugehen, dass man sich im grünen Bereich bewegt.

Bezüglich der Vorschriften meint Schlatter aber auch, das man sich da teils streiten könne über Sinn und Unsinn:

«Wie kann es zum Beispiel sein, dass ich ein Produkt zum Rauchen legal kaufen darf, aber wenn ich daraus einen Tee bereite, soll es illegal sein?»

Das führt tatsächlich zu einem weiteren, eher komplizierten Aspekt in der Geschichte. So dürfen eingangs erwähnte CBD-Produkte zwar geraucht werden – nicht aber als Zutat in Lebensmitteln verwendet werden. Für sogenannte neuartige Lebensmittel, «die vor dem 15. Mai 1997 weder in der Schweiz noch in einem Mitgliedstaat der EU in nennenswertem Umfang für den menschlichen Verzehr verwendet wurden», braucht es nämlich eine Bewilligung. Bis heute, so bestätigt es auch das zuständige Bundesamt, ist CBD als Zutat im Lebensmittel nicht zugelassen.

Nun hat aber auch die Analyse der kantonalen Lebensmittelkontrolle ergeben, dass dies nicht immer eingehalten wird: Bei 17 Proben wurde festgestellt, dass es sich um ein neuartiges Lebensmittel ohne Bewilligung handle – also Lebensmittel mit der verbotenen Zutat CBD. Das betraf etwa Tees, Kekse oder Mehl, die so nicht verkauft werden dürfen.

Noch einmal anders ist es bei denselben Produkten, wenn dazu Hanfsamen – und nicht CBD – verwendet wurde. Dann wiederum sind auch Hanftee, -kekse und -mehl ganz legal.

Sobald die Vorfälle strafrechtlich relevant werden – es also um Drogenhanf geht – sind Polizei und Staatsanwaltschaft zuständig. 2020 etwa hat die Polizei in einem Oltner CBD-Shop eine Razzia durchgeführt und nebst Marihuana auch andere Drogen gefunden. In diesem Jahr ist dem Anschein nach nichts Vergleichbares passiert – auf Anfrage heisst es bei den Behörden, man führe keine Statistik zu diesen Fällen, es komme aber nicht regelmässig vor.

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