Hilfe für Täter
Kanton Solothurn eröffnet eine Beratungsstelle Gewalt

Im Kanton Solothurn besteht ab Anfang Oktober eine Beratungsstelle Gewalt, an die sich Täterinnen und Täter wenden können. Das kostenlose Angebot ist Teil des Präventionsprogramms des Kantons.

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Die Beratungsstelle steht allen Bewohnerinnen und Bewohnern des Kantons Solothurn offen, die lernen wollen, mit belastenden Situationen gewaltfrei umzugehen. (Symbolbild)

Die Beratungsstelle steht allen Bewohnerinnen und Bewohnern des Kantons Solothurn offen, die lernen wollen, mit belastenden Situationen gewaltfrei umzugehen. (Symbolbild)

zvg

Rund 1500 Gewaltstraftaten werden im Kanton Solothurn jährlich registriert. Darin noch nicht eingerechnet sind die 750 Straftaten im Bereich der häuslichen Gewalt und die 125 Interventionen wegen häuslicher Gewalt, ohne dass ein Straftatbestand vorliegt. Und vor allem: Bei der häuslichen Gewalt ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen.

Auch wenn die Kriminalitätsstatistiken eher sinkende Tendenzen ausweisen, lässt sich also sicher nicht sagen, Gewalttätigkeit sei kein gesellschaftliches Problem. Darum hat der Regierungsrat auch ein Gewaltpräventionsprogramm lanciert. Was darin noch fehlt: Eine Anlaufstelle für Täter. Für Leute aus der Dunkelziffer der häuslichen Gewalt etwa oder für solche, die zumindest fürchten, eine angestaute Frustration, Wut, Verzweiflung nicht mehr länger kontrollieren zu können und sich handgreiflich Luft machen zu müssen.

Diese Lücke soll nun geschlossen werden. Nächste Woche nimmt eine Beratungsstelle den Betrieb auf, an die sich Personen wenden können, die lernen wollen, belastende Situationen gewaltfrei zu meistern. Eine wichtige Überlegung dahinter: Die Arbeit mit Tätern ist auch Opferschutz und kann helfen, weitere Gewalttaten zu verhindern.

Anlaufstelle für alle und alle Formen der Gewalt

Regierungsrätin Susanne Schaffner und der Leiter der Bewährungshilfe, Martin Schmid, stellten das Projekt am Freitag der Öffentlichkeit vor. Es wird keinen offenen Schalter geben, wo man sich spontan melden kann. Die von Martin Schmid geleitete Beratungsstelle ist telefonisch oder per Mail zu kontaktieren, um einen Termin zu vereinbaren.

Für die Beratungen stehen Räumlichkeiten im «Zürich-Haus» in Solothurn und im Amthaus in Olten zur Verfügung. Neben Schmid gehören drei weitere Fachpersonen der Bewährungshilfe zum Beratungsteam.

Es lässt sich natürlich schwer abschätzen, auf welche Resonanz das neue Angebot stossen wird. Für eine Pilotphase rechne man damit, dass das Team zusammen etwa 50 bis 60 Stellenprozente dafür aufwendet, so Martin Schmid. Die Pilotphase des gemeinsamen Projektes des Amts für soziale Sicherheit und des Amts für Justizvollzug dauert bis 2022, ab 2023 soll die Beratungsstelle Gewalt dann als reguläres Angebot weitergeführt werden.

Die Beratung ist kostenlos, falls nötig werden auch Dolmetscher beigezogen, für die ebenfalls die Beratungsstelle aufkommt. Denkbar ist beides: Dass Ratsuchende an eine andere Fachstelle, zum Beispiel für eine Suchttherapie oder psychiatrische Behandlung weiter geleitet werden oder dass die Beratungsstelle selber eine nachhaltige Gewaltberatung durchführt. Im zweiten Fall rechnet man mit etwa 25 Beratungsgesprächen, bei einer Weitervermittlung mit ein bis zwei Besprechungen.

Regierungsrätin Susanne Schaffner stellt das Angebot vor.

Regierungsrätin Susanne Schaffner stellt das Angebot vor.

Solothurner Zeitung

Zielpublikum ist grundsätzlich die ganze Bevölkerung, unabhängig von Alter, Geschlecht oder Religion. Man will eine niederschwellige, diskrete und kostenlose Anlaufstelle für alle Formen der Gewalt schaffen. Ob nun Hooliganismus, Gewalt gegen Beamte oder häusliche Gewalt, die Problematik ist letztlich immer die gleiche, erklärt Martin Schmid: Gewalt wird nicht aus einem Gefühl der Überlegenheit und Stärke angewendet, vielmehr ist es die Ohnmacht, eine Situation nicht meistern zu können, eine Über-Spannung, die sich in der Gewalt entlädt. Anders verhält es sich eigentlich nur bei Kindsmissbrauch.

Zwar spricht die Beratungsstelle alle Formen an, im Zentrum steht aber schon die häusliche Gewalt. Gerade weil hier von einer hohen Dunkelziffer auszugehen ist und häusliche Gewalt in allen gesellschaftlichen Schichten vorkommt, sei hier ein niederschwelliges Angebot wichtig, so Regierungsrätin Susanne Schaffner.

Hinweis

So ist die Beratungsstelle Gewalt zu erreichen:
032 627 29 92
beratunggewalt@ddi.so.ch

http://www.beratunggewalt.so.ch/

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