Kanton Solothurn
Christkatholischer Gottesdienst: «Die Meinung anderer respektieren und gemeinsam nach Lösungen suchen»

Der Kantonale Christkatholische Gottesdienst vermochte die Stadtkirche in Olten zu füllen. Auch Regierungsrat Peter Hodel war am Gottesdienst dabei.

Beat Wyttenbach
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«Schutzengel und Boten»: Pfarrer Michael Lauber und Pfarrerin Denise Wyss bereiten mit Hilfe von Ministrant Noah Martin die Kommunion vor. Im Hintergrund wartet die Jugendmusik Olten unter Dirigent Beat Kohler auf ihren Auftritt.

«Schutzengel und Boten»: Pfarrer Michael Lauber und Pfarrerin Denise Wyss bereiten mit Hilfe von Ministrant Noah Martin die Kommunion vor. Im Hintergrund wartet die Jugendmusik Olten unter Dirigent Beat Kohler auf ihren Auftritt.

Beat Wyttenbach / Solothurner Zeitung

Weit über 100 Besucherinnen und Besucher versammelten sich am Sonntag vor dem Michaelistag in der Oltner Stadtkirche St. Martin zum dritten Kantonalen Christkatholischen Gottesdienst, der von Pfarrer Michael Lauber geleitet und von Pfarrerin Denise Wyss konzelebriert wurde.

Die Durchführung dieses kantonalen Gottesdienstes ist, laut der Kantonalen ­Synodalratspräsidentin Erika Schranz, anlässlich des Zukunfts-Workshops des Kantonalen Christkatholischen Synodalverbandes als eine von zahlreichen Massnahmen ins Leben gerufen worden.

Zusammenstehen ist angesagt

«Ziel ist dabei die Kontaktpflege unter den Christkatholikinnen und Christkatholiken im Kanton; selbstverständlich sind jeweils auch alle weiteren inte­ressierten Personen willkommen. Es ist ein Gottesdienst mit anschliessender Gelegenheit zum Beten und Feiern, zum freudigen Zusammensein und des Austausches innerhalb der verschiedenen Kirchgemeinden des Kantons.»

Als geeignetes Datum habe man den Sonntag von «Michael und alle Engel», also den Michaelistag, auserwählt. Die erste Austragung fand 2019 in Solothurn statt, die zweite 2020 in Grenchen. 2022 wird Schönenwerd folgen, «und für 2023 ist ein Ausflug in die Diaspora nach Laufen geplant», hielt Schranz fest.

Oltens Kirchgemeindepräsidentin Monique Rudolf von Rohr hielt gegenüber den Versammelten fest: «Die Christkatholische Kirche als dritte Landeskirche muss als Minderheit zusammenrücken, um auch für die Zukunft gerüstet zu sein.» Die Christkatholische Kirche sei es sich gewohnt, gegen Schwierigkeiten zu kämpfen, und sie rief dazu auf: «Sprechen wir uns gegenseitig Mut und Kraft zu, um in diesen nicht einfachen Zeiten zusammenzustehen sowie Verantwortung für unsere Kirche zu übernehmen.»

Der gegenseitige Zusammenhalt bereite Freude, und der gegenseitige Austausch werde Früchte tragen, zeigte sie sich überzeugt.

Eine Kirche mit liberaler Tradition

Regierungsrat Peter Hodel, selbst Mitglied der Christkatholischen Kirchgemeinde Schönenwerd-Niedergösgen, überbrachte die Grussworte der Solothurner Regierung. Gerade die dritte Landeskirche, so Hodel, bilde «eine kleine, aber vielseitige Minderheit, die schon vor über 150 Jahren damit begann, einen Geist und Willen zu entwickeln, der bis in die heutige Zeit anhält». 1871 sei die Christkatholische Kirche gegründet worden, die sich von Anbeginn mit ihrer liberalen Einstellung zum Verhältnis von Kirche und Staat auseinandergesetzt habe.

Mit ihrem Anliegen sei die dritte Landeskirche sehr aktuell. Er verwies dabei auf die Wanderausstellung, die bis 2026 quer durch die Schweiz unterwegs ist und mit den Themenkreisen «Tradition und Erneuerung», «Verbindlichkeit und Freiheit», «Individuum und Gemeinschaft» sowie «Auseinandersetzung und Konsens» genau jene Bereiche anspreche, «die uns in der heutigen Gesellschaft fordern».

«Ganz zentral braucht es den Respekt für andere Meinungen, um im Gespräch gemeinsam Lösungen für die Zukunft der Gesellschaft zu finden», zeigte sich der Regierungsrat überzeugt. Es brauche «viel Verantwortung und Engagement für eine liberale Gesellschaft», hielt er an jenem Tag fest, an dem die Schweizer Bevölkerung Ja zur «Ehe für alle» an der Urne sagte.

Am Michaelistag standen denn auch die Engel im Zen­trum des Gottesdienstes; «Engel als Schutzengel oder auch als Boten der Überbringung der frohen Botschaft im gemeinsamen Kampf gegen Habgier, Hilflosigkeit oder Unverständnis», wie es Pfarrer Roland Lauber formulierte.

Der zweistündige Anlass wurde sehr gekonnt und mit viel Talent von der Jugendmusik Olten unter der Leitung von Beat Kohler umrahmt und verlieh nicht nur den Gottesdienstbesuchern, sondern auch ihnen selbst Freude, endlich wieder einmal in der Öffentlichkeit das unter erschwerten Coronabedingungen Erarbeitete zeigen zu dürfen.

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