Bedenken
Kanton soll Tunnel unter Grenchner Piste prüfen

Der Kantonsrat hat Sicherheitsbedenken: Er fordert Massnahmen, damit landende Flugzeuge nicht mehr über stehende Autokolonnen auf dem Grenchner Autobahnzubringer fliegen. Jetzt soll ein Tunnel geprüft werden.

Lucien Fluri
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Rund 22'000 Autos verkehren täglich auf der Archstrasse in Grenchen. Die Flugzeuge fliegen knapp über sie hinweg.

Rund 22'000 Autos verkehren täglich auf der Archstrasse in Grenchen. Die Flugzeuge fliegen knapp über sie hinweg.

Hanspeter Baertschi

Immer wieder staut sich der Verkehr auf dem Grenchner Autobahnzubringer. Und immer wieder fliegen Flugzeuge nur wenige Meter über die Dächer der stehenden Autos hinweg, um auf dem Grenchner Flugplatz zu landen. In solchen Situationen werde es einem schon etwas mulmig, sagte gestern Kantonsrätin Marianne Meister (FDP, Messen). Und eine Mehrheit des Kantonsrates sah dies ebenso.

So konnte der Grenchner CVP-Kantonsrat Peter Brotschi gestern einen Erfolg verbuchen. Die Ratsmehrheit verhalf seinem Vorstoss zum Durchbruch. Der Regierungsrat muss jetzt abklären, wie er die Verkehrssituation auf dem Autobahnzubringer verbessern und die fast täglichen Staus dort verhindern kann. Gleichzeitig muss die Regierung auch – gegen ihren Willen – eine Untertunnelung prüfen, die wohl 60 bis 70 Millionen Franken kosten würde. Aus Sicherheitsgründen, wie eine Mehrheit des Kantonsrats fand.

Zwei Paar Schuhe

Baudirektor Roland Fürst hatte vergeblich versucht zu erklären, dass es eigentlich um zwei Paar Schuhe geht. Einerseits habe man ein Verkehrsproblem, sagte Fürst, für das man durchaus gewillt sei, Lösungen zu suchen.

Eine andere Sache aber, so Fürst, sei die Sicherheit am Flughafen. Der Baudirektor betonte, dass sämtliche Sicherheitsbestimmungen eingehalten würden. Die Nähe einer öffentlichen Strasse zu einem Flughafen sei ebenso wenig ungewöhnlich. Doch das Votum überzeugte die Mehrheit des Kantonsrates nicht. Sie folgte Peter Brotschi, der fand: «Mit dem Prüfungsauftrag alleine vergibt man sich ja noch nichts.»

Nur SP und Grüne folgten dem Baudirektor. «Der Kanton muss abklären, wie der Rückstau verhindert werden kann», sagte Brigit Wyss (Grüne, Solothurn). «Der Kanton ist aber weder zu einer Tieferlegung der Strasse verpflichtet, noch muss er sich finanziell daran beteiligen.»

«Einen Tunnel kann sich der Kanton nicht leisten. Heute nicht und morgen nicht», sagte auch SP-Fraktionssprecher Hardi Jäggi (Recherswil). Ein Tunnel scheine ihm eher auf eine Pistenverlängerung Ost hinzuarbeiten, so Jäggi. Doch Brotschi wies solche Vorwürfe als obsolet zurück. «Ich habe persönlich schon mehrmals erklärt, dass sich auch gegen eine Verlängerung nach Westen bin», so der Grenchner Aviatikspezialist. Zudem liege im Westen der Piste eine nationale Schutzzone, die noch stärker zu gewichten sei als die kantonale Schutzzone, die im Osten die Pistenverlängerung verhindert hatte.

Einziger Vorteil für den Flughafen: «Bei einer Untertunnelung könnte die heute gesetzmässig künstliche Verkürzung der Piste um 130 Meter aufgehoben werden – ohne einen Meter Beton verbauen zu müssen.»

«Mindestens Prüfung wert»

Relativ knapp, mit 46 zu 41 Stimmen – bei vier Enthaltungen – sprach sich der Kantonsrat in einer ersten Abstimmung für eine Variante mit dem Prüfen der Untertunnelung an. «Sie ist mindestens die Prüfung wert», sagte SVP-Fraktionssprecher Leonz Walker (Bettlach). Und auch FDP-Fraktionssprecherin Marianne Meister betonte: «In der Phase der Prüfung sollte nichts ausgeschlossen werden» – auch wenn Meister gleichzeitig betonte, dass die Kosten von 60 bis 70 Mio. Franken für einen Tunnel Teilen der FDP-Fraktion als utopisch erscheinen.

Noch einen anderen Aspekt brachte Mathias Stricker (SP, Bettlach) ein. Die Stauproblematik habe auch zugenommen, weil es mehr Arbeitsplätze in der Industriezone gebe, betonte Stricker. Bereits erfolgte oder noch geplante Streichungen von Zugverbindungen täten ihr Übriges, um Stau zu generieren. In der Schlussabstimmung sprachen sich 62 Kantonsräte für den Auftrag aus, 25 dagegen. Und vier enthielten sich.

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