Asyl
Kanton öffnet Biberister Zivilschutzanlage für Asylsuchende

Der Kanton Solothurn greift auf eine Reserveunterkunft zurück und eröffnet am Donnerstag die Zivilschutzanlage Grüngen in Biberist für die Unterbringung von Asylsuchenden. Es fehlen aber weiterhin 80 bis 120 Plätze in oberirdischen Unterkünften.

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Der Eingang zur Zivilschutzanlage liegt neben dem Restaurant Biber.
8 Bilder
Hier gehts hinunter in die Zivilschutzanlage
Es hat eine schnale Duschkabine mit zwei Duschen, aber ohne Abtrennung
Daneben sind vier Toiletten
Waschraum mit Brünneli
Zivilschutzanlage Grüngen in Biberist

Der Eingang zur Zivilschutzanlage liegt neben dem Restaurant Biber.

Hansjörg Sahli

Dass es in den bestehenden Asylunterkünften im Kanton Solothurn keinen Platz mehr hat, darüber hat diese Zeitung erst letzte Woche berichtet.

Auch bekannt war, dass die Behörden die Zivilschutzanlage Grüngen in Biberist im Fokus für eine neue Unterkunft haben. Im Juni habe man eine Anfrage bei der Gemeinde gestartet, sagte damals Claudia Hänzi, Chefin des Amtes für soziale Sicherheit (ASO). Mit Biberist besteht eine vertragliche Abmachung aus dem Jahr 2012.

Die Gespräche mit der Gemeinde haben offenbar gefruchtet: Die Anlage wird für Asylsuchende geöffnet. Und dies schon am morgigen Donnerstag.

Der Verteilschlüssel

Dem Kanton werden gemäss interkantonalem Verteilschlüssel 3.5 Prozent der asylsuchenden Personen zugewiesen. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres wurden 380 Personen zugeteilt, davon 100 Personen alleine im Monat Juni. Bis Ende Jahr rechnet das Amt für soziale Sicherheit mit 900 bis 1'000 Personen. Die verstärkte Zuwanderung an asylsuchenden Personen wird auch Auswirkungen auf die Einwohnergemeinden haben, die wieder mehr asylsuchende Personen aufnehmen müssen. In der Pflicht stehen dabei insbesondere Einwohnergemeinden bzw. Sozialregionen, die ihrer Aufnahmeverpflichtung nicht oder nicht ausreichend nachkommen. (mgt)

«In der Unterbringungsstrategie des Kantons ist diese Anlage als Überlaufsresreve vorgesehen», teilt die Staatskanzlei am Mittwoch mit. Vorerst sollen dort 30 Personen, primär einzelreisende männliche Asylsuchende, untergebracht werden.

Mit der zusätzlichen Unterkunft in Biberist könne der akute Unterbringungsengpass beseitigt werden. Dem Kanton würden aber weiterhin 80 bis 120 Plätze fehlen in oberirdischen Unterbringungsstrukturen sowie unterirdische Platzreserven.

Klinik Fridau für Flüchtlingsfamilien geeignet

Er will weiterhin auf den Betrieb der ehemaligen Klinik Fridau in Egerkingen setzen, welche sich «für die Betreuung von Flüchtlingsfamilien sehr gut eignen würde». Ob die Liegenschaft genutzt werden kann, hängt aber vom Entscheid des Verwaltungsgerichts ab. Dieses muss sich mit einer Beschwerde über das von der Baukommission Egerkingen abgewiesene Baugesuch des ASO befassen.

Überbrückungsweise müssen aktuell aber unterirdische oder provisorische Anlagen den Platzbedarf abdecken. Das ASO suche derzeit «intensiv» nach weiteren Standorten für Durchgangszentren und Notunterkünfte, wie es in der Mitteilung weiter heisst.

In den letzten drei Monaten ist die Zahl der Asylgesuche stetig gestiegen. Es sind vor allem Familien aus Syrien und Eritrea, die derzeit verstärkt um Asyl in der Schweiz nachsuchen. Deshalb hat das Bundesamt für Migration (BFM) die Zuweisungen an die Kantone stark erhöht. (ldu)