Verkehr
Kanton macht Jagd auf gefährliche Zebrastreifen

Jetzt will auch der Kanton Solothurn die Fussgängerstreifen häufiger und intensiver auf ihre Sicherheit untersuchen. Nachdem sich Ende 2011 in der Schweiz mehrere schwere Unfälle ereignet hatten, beschlossen Kantone wie Bern und St. Gallen oder Gemeinden wie Grenchen, alle ihre Zebrastreifen unter die Lupe zu nehmen.

Stefan Frech
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Die Fussgängerstreifen sollen nun auch im Kanton Solothurn sicherer werden.themenbild/Walter Christen

Die Fussgängerstreifen sollen nun auch im Kanton Solothurn sicherer werden.themenbild/Walter Christen

«Vorgehen, Art und Umfang der Überprüfung sind noch nicht klar», erklärt Rolf Ziegler, Leiter Verkehrsmassnahmen beim Solothurner Amt für Verkehr und Tiefbau (AVT). Der Kanton hat Kenntnis von rund 500 Fussgängerstreifen auf Kantonsstrassen und 440 auf Gemeindestrassen. «Wir verfügen aber nicht über genaue Zahlen, es gibt noch Fussgängerstreifen im Kanton, die in unseren Akten nicht vermerkt sind.»

Bisher wurden die Zebrastreifen im Kanton Solothurn erst auf ihre Sicherheit geprüft, wenn Lehrer, Privatpersonen, Polizisten oder Behördenmitglieder eine Meldung machten oder wenn ohnehin die Strasse saniert werden musste. Dann ist etwa der Bau einer Mittelinsel ein bewährtes Mittel zur Verbesserung der Sicherheit. «Das kann aber bis 100000 Franken kosten», erklärt Ziegler. Weitere mögliche Massnahmen sind das Zurückschneiden von Sträuchern am Strassenrand, damit die Sicht verbessert werden kann, oder eine bessere Beleuchtung der Zebrastreifen in der Nacht. «Die Beleuchtung ist allerdings Sache der Gemeinden», betont Ziegler. «Auch auf Kantonsstrassen.»

Erst jetzt reagiert der Kanton

Dass nun auch der Kanton Solothurn aktiver werden will, ist nicht zuletzt das Resultat von politischem Druck. SP-Kantonsrat Simon Bürki (Biberist) hat Ende Januar eine Interpellation zum Thema eingereicht. «Ich fordere den Kanton auf, die Fussgängerstreifen systematisch zu prüfen und dann nach einer Prioritätenliste zu sanieren», sagt Bürki. «Was andere Kantone tun, sollte auch bei uns möglich sein.»

Nachdem das Thema Anfang Dezember breit diskutiert und medial aufgenommen wurde, erstaunte es Bürki, dass es beim Kanton Solothurn bis zu seiner Anfrage noch zu keinen Abklärungen über Sicherheitsdefizite gekommen ist. «Die Sensibilisierungskampagne von Bund und VCS sowie die mangelhaften Resultate des TCS-Fussgänger-Tests zeigten, dass die Erhöhung der Sicherheit bei Fussgängersicherheit aktiv angegangen werden muss.»

Oft andere Gründe für Unfälle

Aus Sicht der Polizei sind die Fussgängerstreifen im Kanton Solothurn grundsätzlich «sichere Elemente, um eine Fahrbahn als Fussgänger queren zu können», so Yves Staub, Dienstchef Verkehrstechnik bei der Kantonspolizei. Stellt die Polizei Mängel bei der Erkennbarkeit, Signalisation oder Ausgestaltung fest, dann meldet sie diese den zuständigen Behörden.

«Die Beleuchtung bei einem Fussgängerstreifen spielt unseres Erachtens eine wesentliche Rolle und hat teilweise Verbesserungspotenzial», sagt Staub. Es gebe aber nicht nur bauliche Massnahmen, um die Sicherheit zu verbessern. Wichtig seien auch präventive und repressive Aktionen wie Schulwegkontrollen, der Verkehrsunterricht für Kinder oder Kampagnen für Autofahrer und Fussgänger. So stellt die Polizei fest, dass viele Unfälle wegen Unachtsamkeit passieren. Autofahrer hantieren an ihrem Radio, Handy oder Navigationsgerät, Fussgänger tragen Kopfhörer oder schreiben auf ihrem Handy SMS.