Es hatte für Protest gesorgt, als der Kanton Solothurn im Mai ankündigte, dass die Deutsch-Intensivkurse für Asylsuchende im laufenden Verfahren (Ausweis N) nach nur wenigen Monaten wieder gestrichen werden sollen. Dieser Entscheid schien vielen Kritikern nicht nachvollziehbar.

Sie hielten es für kontraproduktiv, wenn ausgerechnet bei der Integration von Asylsuchenden gespart wird, die wahrscheinlich lange in der Schweiz bleiben. Schliesslich komme es teurer, wenn die Flüchtlinge aufgrund fehlender Sprachkenntnisse keinen Job finden. Hinzu kam: Der Kanton hatte diese Intensivkurse mit 20 Lektionen pro Woche erst Anfang Jahr kurzfristig aufbauen lassen. Bildungsanbieter stellten dafür extra Lehrer an.

Einsparungen wären marginal

Jetzt reagiert der Kanton und krebst – zumindest teilweise – zurück: Asylsuchende mit Ausweis N, «die lerngewohnt und damit für den Besuch eines Intensivkurses geeignet sind», können auch ab September 2017 weiterhin einen Kurs besuchen, wie das zuständige Amt für soziale Sicherheit Ende Juni den Sozialregionen und Gemeinden in einem Schreiben mitteilte. Man nehme die Kritik ernst, heisst es darin. «Wir haben Rückmeldungen zum Anlass genommen, Möglichkeiten zu prüfen, wie die unterschiedlichen Anliegen berücksichtigt werden können.»

Grund für die ursprüngliche Streichungsabsicht war nicht zuletzt der Erfolg der Kurse: Es gab viele Anmeldungen, was Kosten verursachte, mit denen der Kanton nicht gerechnet hatte. 355 Personen mit Ausweis N besuchten im ersten Halbjahr die Kurse. Nun hält Reto Steffen, Abteilungsleiter Sozialintegration im Amt für soziale Sicherheit, auf Anfrage fest, dass es aufgrund der rückläufigen Zahl an Asylgesuchen auch weniger Anmeldungen geben wird. «Die zusätzliche Massnahme, Asylsuchende für Intensivkurse nicht zuzulassen, würde nur zu geringen zusätzlichen Einsparungen bei der Asylsozialhilfe führen», so Steffen.

Kantonsrätin Susan von Sury (CVP, Feldbrunnen) hatte sich für das Beibehalten der Intensivkurse eingesetzt. Die Präsidentin der kantonsrätlichen Sozial- und Gesundheitskommission spricht von einem «guten Kompromiss». Zwar bedeute er einen Mehraufwand für die Kursleiter. Wichtig sei aber, dass die Kurse weitergeführt und motivierte Asylsuchende möglichst rasch Deutsch lernen können.

Wer dagegen Mühe habe mit dem Lernen, sei in den Semi-Intensivkursen mit nur 10 statt 20 Lektionen pro Woche wohl besser aufgehoben. Das sieht auch Reto Steffen vom Amt für soziale Sicherheit so. «Mit den neuen Semi-Intensivkursen haben wir ein Angebot für Personen, welche weniger lerngewohnt sind und deshalb bei einer Teilnahme an einem Intensivkurs an ihre Grenzen stossen», sagt er.