Sie breiten sich lautlos aus und wurden bis vor sieben Jahren kaum beachtet. Erst als Allergiker um Luft rangen, Spaziergänger und Hunde im Wald Verbrennungen erlitten, rückten Ambrosia, Riesenbärenklau und Co. in den Fokus des öffentlichen Interesses.

Dabei bedrohen die meisten dieser sogenannten Neophyten nicht in erster Linie uns Menschen, sondern einheimische Pflanzen. Inzwischen verschlingt der Kampf gegen die fremden Gewächse im Kanton Solothurn jedes Jahr rund 600 000 Franken. 6000 Standorte von Neophyten sind hier bisher bekannt und kartiert, tatsächlich dürften es mehr sein. 

Mit der Freisetzungsverordnung gegen den Import und Verkauf gebietsfremder Arten, die einheimische Tiere und Pflanzen gefährden, stellte sich der Bund 2008 dem Kampf gegen Neophyten. Im Kanton Solothurn koordiniert die Arbeitsgruppe Neobiota seit dem Frühling 2013 das Vorgehen gegen die unerwünschten Pflanzen.

Unterschiedliche Standorte und Massnahmen

Der CVP gehen die bisherigen Bemühungen nicht weit genug. In einer Interpellation zur Neophytenbekämpfung forderte Thomas Studer (Selzach) Rechenschaft. Das Ergebnis sieht wenig ermutigend aus: Einerseits gilt es so unterschiedliche Standorte wie Flussufer, Strassenränder, Böschungen, ökologische Ausgleichsflächen und Wälder zu beachten, andererseits braucht es unterschiedliche Techniken, um der grünen Pest Herr zu werden.

Daniel Schrag koordiniert als wissenschaftlicher Mitarbeiter die Massnahmen beim Amt für Umwelt. Er erklärt: «Kirschlorbeer sowie der bei Hautkontakt gefährliche Riesenbärenklau müssen zum Beispiel ausgegraben und verbrannt werden. Bei Ambrosia gilt wegen der Gefahr für Allergiker zusätzlich die Meldepflicht.» Robinien könnten durch das Abschälen von Rinde rund um den Stamm langsam abgetötet werden. Bestände von Goldruten liessen sich mit rechtzeitigem Mähen zwar nicht austilgen, aber zumindest in Schach halten.

Angesichts der Herkules-Aufgabe ist klar: «Auf eine flächendeckende Bekämpfung aller potenziell gefährlichen Schadorganismen muss verzichtet werden. Es sollen gezielt nur diejenigen Schadorganismen an bestimmten Orten bekämpft werden, die grösseren Schaden anrichten können.» Das schreibt der Regierungsrat in seiner Antwort auf die Interpellation. Prioritäten setzt die Arbeitsgruppe Neobiota etwa entlang der Flussufer und Kantonsstrassen.

Wirksamkeit lässt sich erst in zehn Jahren beurteilen

Der Behauptung des Interpellanten, dass «die heutigen Präventionsmassnahmen definitiv nicht ausreichen», widerspricht der Regierungsrat. Sein Hauptargument: Der Kampf gegen die Neophyten habe gerade erst begonnen. Für eine Bilanz sei es noch zu früh. Die Wirksamkeit der jetzt getroffenen, relativ teuren Massnahmen lasse sich erst in zehn bis 15 Jahren beurteilen. Dafür dürfte dereinst besonders das Geoinformationssystem zur Erfassung der Standorte nützlich sein, an dem sich bisher über 100 Gemeinden beteiligt haben. Dennoch: An eine Ausrottung der Schädlinge glaubt niemand.

Mehr Information: www.neobiota.so.ch