Was kann man Berufsschülern zumuten? Das war am Mittwochmorgen die umstrittenste Frage im Kantonsrat. Es geht um 1,4 Kilometer Wegstrecke, die Gewerbeschüler zurücklegen müssen, wenn sie vom Schulhaus in der Solothurner Vorstadt zum Lehrlingsturnen im Sportzentrum CIS müssen. Denn beim Schulhaus selbst gibt es keine Turnhalle. Jahrelang verzichtete der Kanton deshalb – bundesrechtswidrig – auf das Turnen in einem Teil der Klassen.

"Es ist pervers"

Genauer gesagt geht es jedoch nicht nur um 1,4 Kilometer Weg, sondern um 600 000 Franken Kosten – im Budget von 99 Mio. Franken für die Berufsbildung für die Jahre 2019 bis 2021. 200 000 Franken jährlich soll der Bus kosten, der die Schüler zum Turnen fährt.

Das Geld kann man sparen, fand die SVP. «Ist es zu viel verlangt, wenn man als 16- oder 18-Jährige den Weg zu Fuss marschieren lässt?», fragte Sprecher Beat Künzli (Laupersdorf). Der Weg sei absolut zumutbar und mit dem Auto im Stadtverkehr auch nicht schneller zurückzulegen. «Ich bin kein Grüner. Aber man muss sich nicht für jeden Meter ins Auto setzen.» Schliesslich könne man auch Doppelstunden machen.

Nicole Hirt (GLP, Grenchen) fand es schlicht «pervers», 16- bis 20-Jährige «mit dem Bus in die Turnhalle zu transportieren, damit sie sich dort bewegen». Christian Werner (SVP, Olten) wiederum warnte, «der Verweichlichung Vorschub» zu leisten. Man habe dann Schüler, die in der RS «beim ersten Fussmarsch zusammenbrechen».

«Sie werden nass»

Gute Gründe, die Schüler zu transportieren, fand man bei SP, FDP und CVP. Auf 15 bis 20 Minuten pro Weg schätzte man den Zeitbedarf. Damit würden sowohl die Turnstunde als auch die nachfolgende Stunde eingeschränkt. Zudem sei ein Teil der Schüler noch minderjährig und damit stünde der Kanton in der Verantwortung. «Nicht mehr als anständig» transportiert haben wollte SP-Kantonsrätin Franziska Roth die Schüler. Bei Wind und Wetter kämen sie sonst nass an.

Der Spartantrag der SVP wurde mit 50 : 37 Stimmen bei 9 Enthaltungen abgelehnt. Das Geschäft war damit symbolisch für die ganze Debatte um die Globalbudgets: Die SVP stellte Kürzungsanträge, aber sie hatte damit keinen Erfolg. Auch wenn es, wie beim Schulbus, um gerade mal 600 000 Franken in einem 99-Mio.-Budget ging. «Dass wir hauptsächlich über den Schülertransport reden, zeigt, dass wir sehr zufrieden sind», sagte Jonas Hufschmid (CVP, Olten).

P.S.: Die Grünen wollen bald mittels Auftrag abklären lassen, ob man nicht Velos bereitstellen könnte.