Am Montag geht die Schule los. Für Primar- und Oberstüfler – aber auch für Lernende. Am Montag startet auch das Berufsvorbereitungsjahr des Kantons Solothurn. Für diejenigen dazwischen sozusagen – junge Menschen, die mit der Schule fertig sind, aber noch keine Lehrstelle antreten. Weil sie keine Stelle fanden, noch etwas Zeit benötigen oder, weil sie nach einer abgebrochenen Lehre einen Neustart brauchen. Während eines Jahres absolvieren sie Praktika und werden auf die Berufsbildung vorbereitet.

Derjenige, der dieses Angebot im Kanton auf die Beine gestellt hat, wird nächsten Montag aber nicht mehr dabei sein: Heinz Flück, 65, geht in Pension. Er, der während der letzten 27 Jahre Brückenangebote mitgestaltet hat, Sparrunden überstanden und gleichzeitig stets selbst noch unterrichtet hat.

Viel Arbeit: über 85 Prozent finden dafür eine Stelle

Das Büro hatte der Stadtsolothurner in Olten. Hier, am Berufsbildungszentrum, gehen Teilnehmende des Berufsvorbereitungsjahres zwei Tagen die Woche in die Schule. Sie werden für den Bewerbungsprozess gecoacht und frischen Stoff auf. Flücks Büro ist ein grosser Raum, verschiedene Cartoons hängen an der Wand. «Wir haben ein Recht darauf zu erfahren, warum die Banane krumm ist», steht dort etwa.

«Zum grössten Teil durfte ich mit hoch motivierten Jugendlichen zusammenarbeiten», sagt Flück, der seine Worte gerne mit den Händen auf der Tischplatte untermalt und am Ende seiner Erzählungen jeweils schmunzelt. «Das Berufsvorbereitungsjahr ist kein Zusatzjahr, in dem man sich zurück lehnen kann», so Flück. «Die müssen sofort ‹a d'Säck›». Die beliebtesten Lehrstellen sind nämlich nach dem ersten Quartal des Schuljahres jeweils schon weg. Im Pflegebereich, so Flück, müssten Bewerbungen für Lehrstellen des Folgejahres teilweise bereits bis 31. Juli eingereicht werden – also noch bevor das neue Schuljahr angefangen hat. «Die Berufswahl treffen die Jugendlichen sehr früh; bei einigen steht der Bewerbungsprozess zu dieser Zeit auch nicht an erster Stelle – etwa, weil sie eine Krise haben», erklärt der Lehrer. «Manche fallen zwischen Stuhl und Bank – und wir können sie unterstützen.»

Über 85 Prozent der rund 100 Jugendlichen, die das Berufsvorbereitungsjahr machen, finden eine Lehrstelle. Damit wurde die Zielvorgabe des Kantons in den vergangenen Jahren jeweils erreicht. Nur eine Handvoll hat nach dem Berufsvorbereitungsjahr gar keine Lösung. «Etwa, weil sie Goldschmied oder Fotograf werden wollen – in diesen Bereichen gibt es halt nur ganz wenige Lehrstellen im Kanton.» Oder aber die Jugendlichen hätten sich das KV als fixes Ziel gesetzt, auch wenn die Noten schlicht nicht dafür reichten. Manchmal sind die Eltern auch der Überzeugung, dass eigentlich nur das Gymnasium das Richtige für das Kind sei.

«Das Gschtürm mit einzelnen Eltern» werde er nicht vermissen, erklärt Flück, wieder schmunzelnd. Die meisten seien aber dankbar gewesen für das Brückenangebot. Ebenso wenig wird ihm fehlen: «Ich bin fast 30 Jahre lang mit dem Zug nach Olten gependelt», dieser Weg bleibt Flück künftig erspart. Dafür sitzt er seit Mitte Jahr für die Grünen im Kantonsrat in Solothurn.

Massiv ausgebaut: Angebot im Integrationsbereich

Warum setzt man sich während 30 Jahren für das gleiche Anliegen ein? Weil es eben nie gleich, sondern sehr abwechslungsreich gewesen sei, so Flück. Das Berufsvorbereitungsjahr entstand aus verschiedenen anderen Brückenangeboten und musste sich aktuellen gesellschaftlichen Anforderungen anpassen.

1992 begann Flück an der Berufsschule Olten. Damals war der Auftrag, zu dritt ein Angebot für Migranten zu schaffen; damals vorwiegend der Nachwuchs von italienischen Einwanderern. Das war der Vorläufer des heutigen Integrationsjahres, welches seit 2012 deutlich ausgebaut wurde und heute 135 Plätze bietet. Auch hat der Kanton die praxisorientierte Integrationsvorlehre des Bundes übernommen.

Mit der Einführung des Berufsvorbereitungsjahr im Jahr 2014 wurden dafür Angebote wie das zehnte Schuljahr, das Hauswirtschaftsjahr und die Vorlehre abgeschafft. Heute braucht es zum Einstieg in die Berufswelt einen schulischen und praxisbezogenen Mix in einem Brückenangebot. Ebenso Praktikumsplätze in der Wirtschaft, damit die Jugendlichen schon Kontakt zur Arbeitswelt haben. Stets mussten diese Angebote von Flück auch an aktuelle Lehrpläne angepasst werden.

Seit den 90-er Jahren habe er mehrere Sparrunden miterlebt – weniger Lektionen, grössere Klassen. «Dann wird es schwierig, intensiv mit den Jugendlichen zu arbeiten», so der Solothurner. Er hoffe deshalb, dass seine Nachfolgerin von Sparmassnahmen verschont bleibe.
Die Nachfolgerin ist Sylvia Sollberger, 52, bisherige Berufsfachschulleiterin am Berufsvorbereitungsjahr Olten. Ihr übergibt Flück an diesem Tage den Schlüssel zum Büro. Gemeinsam gehen sie noch die letzte Übergabe durch, beugen sich über ihre Laptops. Letzte Anmeldungen für den nächsten Montag trudeln immer noch ein.