Der Traum zerplatzte schon nach kurzer Zeit. Vorläufig jedenfalls.

Vier Monate lang haben fünf junge Solothurner hart gearbeitet und am Ende die Prüfung bestanden, bei der drei Viertel durchrasseln: Sie haben die Aufnahme in den einjährigen Vorkurs (Propädeutikum) an der Schule für Gestaltung Bern Biel geschafft.

Doch kurz nach dem Freudensprung folgte am 19. März bereits der Tiefschlag: In einem Brief teilte ihnen die Schule mit, dass der Kanton Solothurn die Kosten für ihre Ausbildung ab diesem Sommer nicht mehr übernimmt. Zahlen die fünf Solothurner nicht je 17500 Franken Schulgeld , dürfen sie nicht am Unterricht teilnehmen. Weder die Schule noch der Kanton hatte im Vorfeld über die Schulgeldstreichung informiert. Jahrelang war zuvor die bekannte Ausbildung im nahen Bernbiet bezahlt worden.

Paradox: Hätten sich die fünf Schüler in Basel, Luzern oder Aarau beworben, würde der Kanton Solothurn die gleiche Ausbildung diskussionslos bezahlen. Nur im Kanton Bern zahlt Solothurn nicht mehr - weil nur dort der bestehende Vertrag vorzeitig aufgelöst werden konnte.

Ihrem Ärger haben die fünf Schüler, die anonym bleiben möchten, in einem offenen Brief an die Solothurner Kantonsräte Luft gemacht. «Wir haben anderen Studienorten abgesagt», zeigen sie sich enttäuscht. Wären sie rechtzeitig informiert worden, hätten sie sich an anderen Schulen beworben.

«Es liegt nicht am Kanton»

Tatsächlich haben weder der Kanton noch die Schule im Voraus informiert. Beim Kanton ist man der Überzeugung, nichts falsch gemacht zu haben. Für Adriano Vella, Departementssekretär im Bildungsdepartement, ist klar, dass es Aufgabe der Schule für Gestaltung gewesen wäre, Solothurner Prüfungsanwärter über die fehlende Kostengutsprache aufzuklären. «Es kann nicht am Kanton sein.» Denn dieser habe die Berner Behörden rechtzeitig über die Kündigung informiert. Mit Brief vom 5. April 2013 sei auch die Schule von der zuständigen Berner Amtsstelle informiert worden, hält Vella fest.

Nicht eindeutig ist die Informationslage bei der Schule für Gestaltung. Tatsächlich hält diese für Prüflinge ein Merkblatt zum Schulgeld bereit. Ausser St. Gallen und Zürich sei die Schulgeldfrage mit allen Kantonen über die Berufsfachschulvereinbarung geregelt, liest man dort. Dass Solothurn nicht mehr zahlt, heisst es nirgends, allerdings steht im Merkblatt fett gedruckt, dass der Wohnsitzkanton den Besuch in jedem Fall vor Schuleintritt bewilligen müsse. Grundsätzlich werde jedes Jahr nach bestandenen Aufnahmeprüfungen mit den Kantonen über die Kostengutsprache verhandelt, begründet Stefan Gelzer, Direktor der Schule für Gestaltung in Bern und Biel, warum Solothurn im Merkblatt nicht aufgelistet ist.

Kommission wusste nichts

Kritik kommt nun von politischer Seite. SP-Kantonsrätin Franziska Roth versteht nicht, warum neben der Schule auch das Solothurner Bildungsdepartement vor gut einem Jahr nicht öffentlich über die Streichung informiert hat. Nicht einmal die Mitglieder der kantonsrätlichen Bildungskommission hätten gewusst, dass der Kanton das Vorbereitungsjahr nicht mehr bezahle. Grundsätzlich hält es Roth für wenig sinnvoll, dass ausgerechnet an der «regional am sinnvollsten gelegenen Schule» das Angebot nicht mehr finanziert wird. «Würden die fünf Schüler etwa nach Basel gehen, müsste der Kanton ja ebenfalls bezahlen.» Egal, wer den Fehler gemacht habe, dürften die fünf Schüler nicht darunter leiden, findet Roth.

Nun hat der Kanton Solothurn einen ersten Schritt gemacht: Er hat einen Brief an die Schule für Gestaltung geschickt und wartet auf eine Antwort betreffs des weiteren Schicksals der fünf Schüler.

Nach 80 Jahren erfolgreich geschlossen

Der Kanton Bern hat im letzten November den einjährigen Vorkurs an den Schulen für Gestaltung in Bern und Biel auf Beginn des Schuljahres 2014/15 gestrichen. Über 80 Jahre lang hat das Orientierungsjahr Bestand gehabt. Zahlreiche Schulabgänger erhielten dort die Grundlage für den nachfolgenden Besuch einer gestalterischen Grundbildung. Maturanden können im Gegensatz zu Sek-I-Absolventen das Vorbereitungsjahr aber weiter machen, für sie gibt es das sogenannte Propädeutikum, das alltagssprachlich ebenfalls als Vorkurs bezeichnet worden ist. Für Letzteres haben sich die fünf Solothurner beworben, deren Ausbildung finanziell nicht gesichert ist. (lfh)