Solothurn
Kantischüler begeben sich für eine Woche in die Rolle des CEOs

Vier Tage lang konnten die 89 Maturanden mit Schwerpunktfach Wirtschaft und Recht während der Wirtschaftswoche mit der computerbasierten Wirtschaftssimulation WIWAG der Ernst-Schmidheiny-Stiftung ein fiktives Unternehmen führen.

Deborah Onnis
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Die «Geschäftsleitung» steht den «Aktionären» an der «GV» Red und Antwort.

Die «Geschäftsleitung» steht den «Aktionären» an der «GV» Red und Antwort.

Hanspeter Bärtschi

«Die falsche Einschätzung des Auslandmarktes hatte im 13. Geschäftsjahr leider eine Massenentlassung zur Folge», heisst es an der «Generalversammlung» der «LAFDA Sound Systems AG» in der Kantonsschule Solothurn. So ernst wie an einer echten Generalversammlung, ging die Präsentation der «Unternehmen» aus einer fiktiven Wirtschaftswelt vonstatten.
Vier Tage lang konnten die 89 Maturanden mit Schwerpunktfach Wirtschaft und Recht während der Wirtschaftswoche mit der computerbasierten Wirtschaftssimulation WIWAG der Ernst-Schmidheiny-Stiftung ein fiktives Unternehmen führen. Auf vier Spiele verteilt, konkurrenzierten sich jeweils vier «Unternehmen» während 15 simulierten Jahren mit einem ausgefallenen Produkt im selben Marktsektor.
Nahe an der Realität
Wie im echten Betriebsalltag mussten die Schüler täglich in jedem Unternehmensbereich Konzepte erarbeiten und Entscheidungen treffen. Nicht selten stand auch eine fiktive Gewerkschaft oder Presse vor der Tür und verlangte von den jungen Unternehmern Erklärungen. «Im Projekt wollen wir alle Aspekte realitätsnah einbauen», erklärt Christoph Mathys, Präsident Fachschaft Wirtschaft und Recht. Während des ganzen Projekts wurden die Schüler von Kantonsschullehrern und zwei externen Fachleuten betreut. «Jedes Jahr laden wir Wirtschaftsvertreter ein, die den Schülern ihr Praxiswissen gleich weitergeben können», meint Christoph Mathys. «Ziel ist, dass einmal alle acht Betreuerplätze von externen Praxisvertretern besetzt werden», sagt Mathys weiter.
Dieses Jahr standen Johny Lippuner (Postfinance) und Armin Brülisauer (St. Galler Kantonalbank) während der Wirtschaftswoche den Junior-«Geschäftsleitungen» zur Seite. «Ich arbeite gerne mit jungen Leuten», sagt Armin Brülisauer, der die Schüler unterstützte, ihr Theoriewissen anzuwenden.
Nicht nur er scheint vom Wirtschaftsprojekt überzeugt zu sein. «Diese Woche war wirklich sehr lehrreich. Es war sehr spannend, die Theorie anzuwenden und Diskussionen wie im echten Geschäftsalltag zu führen», sagt der 18-jährige Oliver Kilchenmann aus Lohn-Ammannsegg. Auch die 17-jährige Lorena Bur aus Solothurn konnte von der Woche profitieren: «Mit der realitätsnahen Simulation habe ich gelernt, auf was man wirklich schauen muss, damit ein Betrieb gut funktioniert.»
Gespannt auf die Resultate des Unternehmensspiels nahmen auch Roland Heim, Finanzdirektor und ehemaliger Kantonsschullehrer und seine Departementssekretärin Heidi Pauli die Einladung zu den «Generalversammlungen» wahr. «Da ich bei der Einführung des WIWAG an der Kanti dabei war, interessiert es mich zu sehen, wie es dieses Jahr ohne mich gelaufen ist», sagt Heim. Jedes Jahr würde ein Regierungsvertreter eingeladen, der bis jetzt in einem freundschaftlichen Akt stets der Einladung gefolgt sei. «Mir ist es natürlich auch wichtig, den Kontakt zwischen Schule und Verwaltung zu pflegen», ergänzt der Finanzdirektor.
Erbarmungslose Aktionäre

«Es wird uns auch in Zukunft ein grosses Anliegen sein, unser Aktienkurs hoch zu halten», versichert Linda Lüthy, «CEO» der «LAFDA Sound Systems AG», den anwesenden «Aktionären» am Ende der «Generalversammlung». So schnell lassen sich die «Aktionäre», verkörpert von Lehrern und Betreuern, aber nicht zufriedenstellen und bohren mit provokativen Fragen erbarmenslos nach. Zögernd bis bravourös rechtfertigen sich dabei die Mitglieder der «Geschäftsleitung».
Schliesslich ist Christoph Mathys mit seinen Schülern zufrieden: «Dieser Jahrgang war sehr engagiert und interessiert.» Der grosse Aufwand für die Durchführung der achten Wirtschaftswoche habe sich wirklich gelohnt. «Alle haben sehr gut mitgemacht», ist Mathys zufrieden. Auch Departementssekretärin Heidi Pauli, die die «Generalversammlungen» das erste Mal erlebte, ist über deren professionelles Durchführen beeindruckt: «Die Schüler haben sehr gut und spannend präsentiert.» Eine Aussage, zu der Regierungsrat Heim nur kopfnickend zustimmen kann.