Schulbeginn

Kantischüler müssen (zu) früh raus – ändern will der Kanton daran nichts

Nichts für Morgenmuffel: Die Schule beginnt weiterhin um 7.35 Uhr.

Nichts für Morgenmuffel: Die Schule beginnt weiterhin um 7.35 Uhr.

Laut Studien sind viele Schüler aufgrund der biologischen Uhr um 7.30 kaum aufnahmefähig. Für den Kanton Solothurn ist dies nach wie vor kein Grund, den morgendlichen Schulbeginn zeitlich zu verschieben.

Eulen und Lerchen: Mit diesen Federtieren vergleichen Forscher die unterschiedlichen Biorhythmen der Menschen. Die einen sind – vergleichbar mit Lerchen – am Morgen aktiv und am Vormittag bereits in Hochform. Die anderen erleben ihre aktive Phase – wie die Eulen – erst am Nachmittag oder Abend. Interessanterweise verändere sich dieser sogenannte Chronotyp im Laufe des Lebens. Kinder sind in der Regel früh wach, in der Pubertät jedoch ändere sich dies tendenziell – junge Menschen verschieben Studien zufolge ihre Aktivitäten in den späten Abend und in die Nacht. Ab dem 25. Altersjahr bewegen sich die Eulen laut Forschern wieder in Richtung Lerchen.

Während die Kantonsschulen in St. Gallen und Basel-Stadt den Schulbeginn auf acht Uhr angepasst haben, müssen Schülerinnen und Schüler der Kantonsschule Solothurn nach wie vor um 7.35 auf der Matte stehen.

Ein «riesiger Aufwand»

Ist eine solche Anpassung des Stundenplans an den Biorhythmus der Schüler im Kanton Solothurn überhaupt ein Thema? «Immer, wenn eine neue Studie veröffentlicht wird und kurz vor dem Schulanfang, kommt das Thema wieder auf den Tisch», sagt Liliane Buchmeier vom Amt für Berufsbildung, Mittel- und Hochschulen. Den Stundenplan für Kantischüler anzupassen, sieht sie aber als «einen riesigen organisatorischen Aufwand». Buchmeier argumentiert, dass die Turnhalle sehr ausgelastet sei, was eine Umstellung des Stundenplans praktisch verunmögliche. «Wir müssten weiterhin die gleiche Anzahl Lektionen in fünf Tage packen.»

Bei einem Schulbeginn um 9 Uhr müsste die Kantonsschule laut Buchmeier entweder den freien Nachmittag streichen oder die Unterrichtszeit am Abend verlängern. «Und die letzte Lektion ist bei Schülern etwa ähnlich beliebt wie die erste.» Auf die Frage, ob dies auch gelte, wenn man den Schulbeginn um eine halbe Stunde, also auf acht Uhr verschieben würde, antwortet Buchmeier: «Ich glaube nicht, dass eine halbe Stunde so viel ausmacht, dass sich ein derart grosser Aufwand lohnt.» Laut einer Studie der Universität Basel aus dem Jahr 2013 wirkt sich aber bereits eine Verschiebung des Unterrichts um 20 Minuten auf die Tagesform der Jugendlichen aus.

Nicht wie in Basel und St. Gallen

Eine Verschiebung des Unterrichtsbeginns, wie sie in Basel und St. Gallen vorgenommen wurde, ist also in Solothurn nicht in Sicht. «Ich glaube, dass auch andere Kantone längst einen späteren Schulbeginn eingeführt hätten, wenn dies die optimale Lösung wäre», so Buchmeier. Und wenn nun alle so argumentieren? «Die Frage ist doch, ob die Änderung überhaupt gewünscht wird. Wir haben bereits Umfragen dazu durchgeführt, und die Meinungen waren absolut durchzogen.»

Sie verweist zudem darauf, dass auch Gegenstudien existieren. Unter einer Verschiebung würden ihr zufolge die Lerchen – also die Frühaufsteher – leiden. Man könne davon ausgehen, dass sich im Kanton Solothurn bezüglich Schulbeginn am Morgen in den nächsten Jahren nichts ändern wird. Liliane Buchmeier zufolge haben zurzeit wichtigere Themen Priorität. Mit der Umsetzung des «Lehrplans 21» und des neu obligatorischen Informatikunterrichts habe man alle Hände voll zu tun.

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