Noch wissen wir es nicht ganz genau. Die Frist für die Abgabe aller Kandidaten-Listen für die kantonalen Wahlen vom 3. März 2013 läuft erst am Montag ab. So viel lässt sich aber jetzt schon sagen: Gemäss einer Umfrage bei den Parteien werden sich rund 450 Männer und Frauen um einen Sitz im 100 Köpfe zählenden Kantonsparlament bewerben, was eine neue Höchstzahl bedeuten dürfte. Vor vier Jahren waren es immerhin bereits 447 Kandidierende. Damals wie heute geht der Kandidatensegen insbesondere aufs Konto der neuen kleinen Parteien, der GLP und jetzt auch noch der BDP. Das Kandidatenfeld der übrigen Parteien bleibt stabil. Einen – empfindlichen – Rückgang hingegen muss die FDP verzeichnen: Stand gestern, Freitagabend, werden 68 Männer und Frauen bei den Kantonsratswahlen 2013 mitmischen. Vor vier Jahren stellte die FDP noch 87 Kandidierende, vor acht Jahren waren es gar 97.

SP mit total 93 Kandidierenden

Dieser Kandidatenrückgang ist bitter, zumal die FDP bei den Wahlen 2005 und 2009 – trotz eines breit aufgestellten Kandidatenfeldes – markante Verluste hinnehmen musste. Der Wähleranteil der FDP sank 2005 von stolzen 35,2 Prozent auf 29 Prozent. Bei den letzten Wahlen im Jahr 2009 ging der Anteil um weitere 2,2 Prozent auf 26,8 Prozent zurück. Für die bevorstehenden Wahlen hat sich die Partei – zurzeit immer noch die stärkste Partei bei kantonalen Wahlen – das Ziel von 28 Prozent gesetzt.

Diese Vorgabe tatsächlich zu erreichen, dürfte unter den gegebenen Umständen aber alles andere als einfach sein. Dem Kandidatenrückgang beim Freisinn steht wie erwähnt eine neue Höchstzahl an Kandidierenden insgesamt gegenüber. Konnte die FDP zudem – ganz im Sinne einer breit verankerten Volkspartei –immer mit den meisten Kandidierenden aufwarten, wird sie jetzt erstmals überflügelt, und zwar von der SP und der CVP.

Auf sämtlichen Wahllisten der Sozialdemokraten, Juso und die junge SP Region Olten eingeschlossen, figurieren – Stand gestern – 93 Kandidierende (2009: 86). Und die CVP schickt insgesamt 71 Männer und Frauen in den Wahlkampf. Vor vier Jahren waren es mit 79 Kandidaten etwas mehr. Die SVP verfügt mit 57 Männern und Frauen über exakt gleich viele Kandidaten wie vor vier Jahren. Auf den Listen der Grünen, die Jungen Grünen eingeschlossen, stellen sich total 65 Personen zur Wahl (2009: 66) – kaum weniger als bei der FDP. Die Grünliberalen, die erst zum zweiten Mal überhaupt bei Kantonsratwahlen antreten, kommen auf stolze 47 Wahlkämpfer (2009: 37). Die EVP versucht ihr Glück mit 26 Kandidaten (2009: 29), die neu kandidierende BDP mit 16 und die EDU schliesslich tritt mit 6 Personen an (2009: 5).

«Qualität kommt vor Quantität»

Der markante Kandidatenrückgang beim Freisinn erstaunt und erfordert Erklärungen. Immerhin zählt die Partei im Kanton 12500 Sympathisanten, gut 30 Prozent der Gemeinderatssitze im Kanton sind von FDP-Mitgliedern besetzt und knapp die Hälfte der Gemeinden werden von Freisinnigen präsidiert. «Auf dem Papier haben wir zu wenige Kandidaten», meinte gestern auf Anfrage FDP-Präsident Christian Scheuermeyer – um dann hinzuzufügen: «Ich bin aber sehr zuversichtlich, dass wir einen Wähleranteil von 28 Prozent erreichen und unsere beiden Regierungsratssitze halten können.» Um bei den Wahlen zu reüssieren, sei die Qualität der Kandidaten wichtiger als die Quantität. «Wir sind uns aber bewusst, dass wir jetzt noch stärkere Anstrengungen unternehmen müssen, um unsere Basis zu mobilisieren».

Mit einer vertieften Analyse kann der Präsident, zumindest derzeit, nicht aufwarten. «Ich kann einfach nur die Erklärungen wiedergeben, die wir immer wieder von potenziellen Kandidaten gehört haben», sagt Christian Scheuermeyer. Dabei handelt es sich freilich um Erklärungen, mit denen sich auch andere Parteien konfrontiert sehen. So werde immer wieder das berufliche Engagement als Hinderungsgrund für eine Kandidatur genannt, meint Scheuermeyer. Viele Arbeitgeber hätten zudem wenig Verständnis für politisch engagierte Mitarbeiter. Andere wiederum wollen sich nicht der Kritik aussetzen, die mit einem politischen Amt oft verbunden sei. Weiter sei bei der FDP derzeit auch ein Generationenwechsel zu beobachten. «Viele junge Freisinnige sind mit Beruf und Familie voll ausgelastet.»