Grosseinsatz
Kampf gegen Glutnester: Der Waldbrand oberhalb von Günsberg ist gelöscht

Der Brand, der am Sonntag oberhalb von Günsberg ausbrach, entzündete sich in der Nacht auf Montag erneut. Bis Mitte Nachmittag konnte die Feuerwehr die Glutnester löschen. Am Jurasüdfuss herrscht derzeit mässige Waldbrandgefahr.

Lea Durrer
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Ein Feuerwehrauto steht am Montag, 9.April 2018 unterhalb des «Niederwiler Stierenbergs».
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Für die Feuerwehrleute war es ein anstrengender Tag – dies nachdem sie bereits am Sonntag in den Einsatz gerufen wurden.
Hier gibts kein Durchgang: Der Wanderweg ist wegen Steinschlaggefahr gesperrt
Das Gebiet ist steil und schwer zugänglich
Das erschwerte die Arbeit der Feuerwehr
Feuerwehrleute im Einsatz beim Waldbrand am Balmberg
Die Feuerwehrleute brauchten die Schaufeln, um die an die Brandherde zu kommen

Ein Feuerwehrauto steht am Montag, 9.April 2018 unterhalb des «Niederwiler Stierenbergs».

Christof Gerber/TeleM1

Nach 16 Uhr konnte die Gemeinsame Feuerwehr Günsberg-Balm-Kammersrohr das Material zusammenpacken und sich auf den Weg den Berg hinunter nach Günsberg ins Magazin machen. «Wir sind bereit, falls noch etwas sein sollte», so Kommandantin Georgette Flury. Ihr Telefon hat an diesem Tag oft geläutet.

Bereits am Sonntagabend wurde der Brand, der durch fliegende Glut aus einer Feuerstelle ausgelöst wurde, als gelöscht angesehen. Doch dann kam es anders. Nachdem am Morgen bei einem Erkundigungsgang im Gebiet zwischen dem «Hofbergli» und dem «Niederwiler Stierenberg» mehrere Glutnester und auch züngelnde Flammen entdeckt wurden, wurde der Alarm ausgelöst.

Die Feuerwehr nahm sofort die Leitungen, die am Sonntag extra liegengelassen wurden, wieder in Betrieb. Insgesamt standen rund 30 Feuerwehrleute im Einsatz. Die Feuerwehr Stadt Solothurn war für den Wassertransport verantwortlich.

Brennende Wurzeln

Am Sonntag wurde dem Feuer noch mit einem Helikopter zu Leibe gerückt. Bei den Glutnestern hätte die Hilfe aus der Luft nichts geholfen. Hier mussten gewisse Stellen über einen längeren Zeitraum bewässert werden. Die grösste Herausforderung am Montag war denn auch das Feuer im Erdreich, wie Kommandantin Georgette Flury ausführt. «Von oben sieht man nicht, wenn ein Wurzelstock brennt.» Und die Wurzeln seien teilweise sehr lang. «Vielleicht hört man etwas knistern oder spürt die Wärme etwas.»

Erst die Wärmebildkamera brachte dann zutage, was dem Auge verborgen blieb. Zum einen wurde das Erdreich mit den insgesamt zwei Kilometer langen Druckleitungen bewässert. Die Feuerwehrleute machten sich zudem mit Schaufeln und Pickeln an den Wurzelstöcken zu schaffen. Weil das Gebiet steil und schwer zugänglich ist, mussten sie teilweise mit Klettergeschirr gesichert werden. Zum Glück brannten vor allem Gras und Laub und fast keine Bäume.

Georgette Flury hofft nun, dass ihre Mannschaft jedes Glutnest in diesem riesigen Gebiet oben auf dem Berg erwischt hat. Bis auf eine Transportleitung vom «Niederwiler Stierenberg» zum Brandgebiet hat die Feuerwehr alles Material zusammengeräumt. Diese wichtige Leitung bleibt sicherheitshalber liegen, damit die Feuerwehr rasch wieder Wasser zur Verfügung hat, falls das Feuer nochmals ausbrechen sollte. Die Feuerwehr will das Gebiet «so gut wie möglich» kontrollieren.

Die Grösse der Schadenfläche sowie die Schadensumme stehen derzeit noch nicht fest.

Der Brand war um die Mittagszeit ausgebrochen, nachdem Glut aus einer Feuerstelle durch den Wind fortgeweht wurde und das trockene Gras entzündete. Der Verursacher des Brandes, ein Mann war mit seiner Familie am Bräteln, wurde am Montag von der Polizei befragt. Er wird zu Anzeige gebracht.

Mässige Waldbrandgefahr

Ein brennendes Waldstück im April? Das könne gut vorkommen, meint Diego Ochsner, Chef im Amt für Militär und Bevölkerungsschutz. Letztmals wurde in der Region im Dezember 2016 Waldbrandgefahr ausgerufen – es hatte über 30 Tage nicht geregnet und war sonnig.

Weit weniger lange ist es her, seit es in dieser Region Niederschlag gab. Über das Osterwochenende regnete es und Schnee fiel bis auf 700 m.ü.M. Ab Mittag des Ostersonntags wurde das Wetter dann aber zunehmend sonnig und wärmer mit Temperaturen bis 20°C. «Die Temperaturen lagen zeitweise über der jahreszeitlichen Norm, damit ist in den schneefreien Lagen die Streuschicht trocken», heisst es in der Beurteilung der Waldbrandgefahr im Kanton Solothurn des Amts für Wald des Kantons Bern, die Mitte letzter Woche an die kantonalen Behörden ging. Besonders entzündbar seien die noch vegetationsruhenden Gebiete.

Am Jura entlang und im Bezirk Dorneck wurde deshalb eine mässige Wald- und Flurbrandgefahr festgestellt.

Waldbrandgefahr Kanton Solothurn im April 2018: Gelb bedeutet mässige Gefahr.

Waldbrandgefahr Kanton Solothurn im April 2018: Gelb bedeutet mässige Gefahr.

zvg

Dass es am Sonntag oberhalb von Günsberg durch ein bisschen Asche angefangen hatte zu brennen, sei «dumm gelaufen», meint er. Die Bevölkerung wird erst ab «erheblicher Waldbrandgefahr» gewarnt. Müsste diese Meldung schon bei mässiger Gefahr erfolgen? Nein, findet Ochsner. «Da gilt eine gewisse Eigenverantwortung.» Man könne an den gesunden Menschenverstand appellieren. Wenn es windet, sollte man aufs Feuer machen verzichten.

Waldbrand ob Günsberg
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Die Feuerwehrleute hatten mit dem unzugänglichen Gelände zu kämpfen.
Ohne Löschhelikopter konnten die Flammen nicht unter Kontrolle gebracht werden.
Ein Feuerwehrmann im betroffenen Gebiet
Der Rauch war am Sonntag von weither zu sehen.

Waldbrand ob Günsberg

Ulrich Flück