Jagd

Kampf gegen ein «blutiges Hobby»: Eine Interessensgemeinschaft will die Fuchs- und Dachsjagd abschaffen

Neben Räude ist in den letzten Jahren auch die Staupe wieder im Kanton aufgetaucht. Die Viruserkrankung befällt Füchse und Dachse und kann bei einem milden Verlauf überlebt werden.

Neben Räude ist in den letzten Jahren auch die Staupe wieder im Kanton aufgetaucht. Die Viruserkrankung befällt Füchse und Dachse und kann bei einem milden Verlauf überlebt werden.

Eine IG will die Fuchs- und Dachsjagd abschaffen – Seuchen und Autos dürften den Tieren derzeit aber stärker zusetzen.

Die Jagd auf Füchse und Dachse gehört verboten. Das finden Tierschützer der Interessensgemeinschaft Wild beim Wild, die in verschiedenen Kantonen – darunter im Kanton Solothurn – eine entsprechende Online-Petition gestartet haben (siehe Kasten). Solothurner Füchse und Dachse dürfen heute in den Jagdmonaten ohne Einschränkungen bejagt werden; das sei nicht nur brutal, sondern auch unnötig, so die Jagd-Gegner, weil die Wildtierbestände damit gar nicht reduziert werden könnten.

Beim zuständigen Amt wird bestätigt: «Die Fuchspopulation durch die Jagd zu steuern ist nicht möglich, das ist mittlerweile bekannt», sagt der kantonale Jagdverwalter Marcel Tschan. Er nennt jedoch einen anderen wichtigen Grund für die Jagd: Krankheiten. Ein Ausbruch der Fuchsräude verringerte den Fuchsbestand gemäss Tschan in den letzten sechs Jahren um schätzungsweise 50 bis 70 Prozent. Für Tschan ist es zudem wichtig, den Fuchsbestand dort zu reduzieren, wo es um den Schutz anderer Populationen geht. «Zum Beispiel dort, wo es noch Hasen gibt, wie im Gäu oder auf der Grenchner Witi.»

Füchse, die von der parasitären Hauterkrankung Räude befallen sind, suchen gerne Schutz im Siedlungsgebiet, legen ihre natürliche Scheu ab und sind am helllichten Tag aktiv. Neben Räude ist in den letzten Jahren auch die Staupe wieder im Kanton aufgetaucht. Die Viruserkrankung befällt Füchse und Dachse und kann bei einem milden Verlauf überlebt werden. Befällt sie das Gehirn oder das Nervensystem, endet sie tödlich. Wie viele Tiere aufgrund von Krankheiten erlegt werden, ist in der Jagdstatistik allerdings nicht genau erfasst. «Die Meldungen, die wir erhalten, deuten aber darauf hin, dass kranke Tiere zurzeit den grössten Anteil der erlegten Tiere ausmachen», sagt Tschan. «Wenn die Räude grassiert, betreibt man nicht noch zusätzliche Fuchsjagd. Die Jäger sind hier vernünftig», sagt auch Kurt Altermatt, Präsident der Solothurner Revierjäger. Zudem: «Füchse und Dachse sind als Ernährungsgeneralisten und Beutegreifer von grosser Bedeutung für ein funktionierendes Ökosystem.» Sie seien aber auch Kulturfolger und kämen problemlos mit dem Menschen zurecht, was zu unangenehmen Begegnungen führen könne.

Dachs verursacht Schäden – und wird eher gejagt

Generell hat die Fuchsjagd ohne Krankheitsgrund in den letzten Jahrzehnten an Sinn verloren. Die früher beliebten Felle erzielen heute noch zwischen drei und sieben Franken. Dies, weil gemäss Altermatt das Pelztragen zunehmend verpönt sei. Das Fleisch werde nur noch höchst selten gegessen. Ein Grossteil der erlegten Füchse lande auf der Kadaversammelstelle.

Anders sieht die Situation beim Dachs aus. Dessen Population hat sich seit der Tollwut-Zeit in den 80er-Jahren – als Dachse fast ausgerottet wurden – erholt und wächst weiter. «Die Landwirtschaft hat sich zu seinen Gunsten entwickelt», sagt Tschan. So fänden Dachse auf grossen Feldern mehr Mais als früher. Oder aber sie wühlen sich durch Gärten und fressen Larven und Insekten. Weil der Dachs jährlich zwischen 10000 und 20000 Franken Schaden verursacht, werde er auch vermehrt gejagt.

Einer der grössten Feinde von Füchsen und Dachsen ist heute aber der Strassenverkehr. Die durch Autounfälle getöteten Tiere werden in der Jagdstatistik unter «Fallwild» erfasst. 2018 finden sich es beim Fuchs 157 Einträge, beim Dachs 126. Die Zahlen bei den Dachsen steigen, bei den Füchsen nehmen sie ab. Auch diese Statistik sei jedoch nur mit Vorsicht zu betrachten, sagt Tschan. «Man geht davon aus, dass bis zur Hälfte der Fuchsunfälle nicht gemeldet werden.» Dazu komme, dass überfahrene Füchse auf der Autobahn durch den Unterhaltsdienst weggeräumt werden, ohne dass sie irgendwo erfasst würden.

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Autor

Alice Guldimann

Alice Guldimann

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