Gesundheit
Kampf gegen die Grippe-Viren stockt im Kanton Solothurn

Risikogruppen liessen sich im Kanton Solothurn gegen die Grippe impfen, Pflegende blieben aber skeptisch. Das führte beim Bund zum Strategiewechsel. Er setzt neu auf Wissensvermittlung, um die Grippe zu bekämpfen.

Urs Byland
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Wer von den Viren erwischt wird, mag nicht mehr lachen. Symbolbild

Wer von den Viren erwischt wird, mag nicht mehr lachen. Symbolbild

Oliver Menge

Die Grippe startet ihren alljährlichen Höhenflug. Da ist dann plötzlich das Arbeitspult der Kollegin verwaist oder das Kind bleibt daheim – wegen Grippe. Beim Bundesamt für Gesundheit, wo die Fäden zusammenlaufen, häufen sich die Krankheitsmeldungen aus den Arztpraxen. Die Epidemieschwelle (70 von 100 000 Personen) ist gesamtschweizerisch überschritten, die Zahl der mutmasslichen Erkrankungen liegt mit 161 Grippeverdachtsfällen aber noch im niedrigen Bereich. Am stärksten betroffen sind laut Bundesamt für Gesundheit die 5- bis 14-Jährigen.

In der Region 3 (AG/BS/BL/SO) liegt die Anzahl Neuerkrankungen aktuell bei 66,1, also unter der Epidemieschwelle. Letzte Woche lag der Wert noch bei 123,6. Der relative Wert wird hochgerechnet aufgrund von Meldungen von Arztpraxen der Region. Wie sich die Rate verändern wird, ist nicht voraussehbar. Letztes Jahr lag der Höchstwert bei rund 120. In der Grippesaison 2012/13 stieg der Wert auf über 450 an.

Geringe Impfbereitschaft

Zu den Risikogruppen gehört die ältere Generation. Ist in Altersheimen und Alterszentren die Grippe aktuell ein Thema? «Noch wurden wir glücklicherweise verschont von der Grippe», sagt Verena Hert, Leiterin des Alters- und Pflegeheims Weingarten in Olten. Hygiene, etwa die Desinfektion der Hände, sei ein wichtiger Faktor, um eine Übertragung von Viren zu verhindern, und werde vom Personal tagtäglich thematisiert und praktiziert.

Bund setzt neu auf Wissensvermittlung, um Grippe zu bekämpfen

In den letzten Wochen war die Impfrate des medizinischen Personals ein Thema. Laut einer Studie von Andreas Widmer, Präsident der Infektiologievereinigung Swissnoso, sterben schweizweit pro Jahr 100 bis 300 Menschen an der Spitalgrippe. Diese Anzahl könnte um 30 bis 40 Prozent reduziert werden, bei einer Durchimpfung des Personals. Dabei hatte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) einst eine Impfquote beim medizinischen Personal von 70 Prozent angepeilt. Doch der Plan für die Jahre 2008 bis 2012 scheiterte. Dazu der Schlussbericht einer Evaluation: «Die Durchimpfung der Risikogruppen, die sich zum Selbstschutz impfen lassen sollen, hat im Zehnjahresvergleich deutlich abgenommen und das Medizinal- und Pflegepersonal sowie die nahen Kontaktpersonen lassen sich ebenfalls nicht im angestrebten Ausmass zum Fremdschutz impfen.»

Eine neue Kampagne führt das Bundesamt für Gesundheit nun unter dem Motto «Mit Grips gegen die Grippe». Zwei Prioritäten verfolgt die Übergangsstrategie GRIPS (Prävention der saisonalen Grippe): Einerseits soll der Wissensstand zur Grippeprävention und zur Krankheitslast in der Schweiz deutlich verbessert werden. Andererseits will man die Errungenschaften der letzten Jahre wahren und die Massnahmen optimieren. (uby)

«Wir haben zudem die Grippeimpfung dem Personal gratis angeboten», berichtet Leiterin Verena Hert. Wie stark die Durchimpfung des Personals ist, weiss Pflegedienstleiterin Verena Abegglen: «Sehr gering, etwa 20 bis 30 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter lassen sich impfen. Nimmt man das Hauswirtschaftspersonal dazu, bessert sich die Rate, weil sie sich eher impfen lassen.» Gründe für die Nichtimpfung bei ihrem Personal kann Abegglen, die sich selber wegen ihrer Vorbildfunktion impfen liess, einige aufzählen: «Viele behaupten, wenn sie sich impfen lassen, würden sie erst recht an der Grippe erkranken. Manche sagen, dass es ihnen nach der letzten Impfung schlecht ergangen sei, oder dass sie den Arm tagelang nicht mehr bewegen konnten.»

Klar ist Verena Abegglen in ihrer Meinung zur Grippeimpfung: «Es wird zu viel geimpft. Man soll den Menschen Gelegenheit geben, Antikörper zu bilden.»

Während das Pflegepersonal kaum Grippe geimpft ist, lassen sich die Bewohnerinnen und Bewohner des Alterszentrums, laut Leiterin Verena Hert, mehrheitlich impfen. Und auch die Impfrate in der Ärzteschaft ist generell besser als beim Pflegepersonal. Unter Ärzten ist deshalb die Rede von einem irrationalen Verhalten des Pflegepersonals in Sachen Grippeimpfung.

Gesundheitstage

Die saisonale Grippe ist im Alterszentrum Wengistein in Solothurn seit November ein Thema. «Wir informierten Bewohner und deren Angehörige, dass eine Impfung angeboten wird. Natürlich ist diese freiwillig», erklärt Leiter Hansruedi Moor-Minikus. Das Personal wurde frühzeitig sensibilisiert und erhielt eine Gratisimpfung. Falls gewünscht, denn: «Wir können niemanden dazu zwingen.» Angeboten werde gar eine homöopathische Grippeimpfung, die Moor-Minikus aber als wirkungslos bezeichnet. Die Impfrate der Mitarbeiter sei aber klein und liege wie in ähnlichen Institutionen bei 15 bis
20 Prozent. «Das müssen wir respektieren.»

Zusätzlich werden im Altersheim Wengistein Gesundheitstage durchgeführt, an denen das Angebot besonders Vitamin-C-reich ist. «Wird das Thema im saisonalen Verlauf akut, platzieren wir beim Eingang eine Händedesinfektionsstation. Falls nötig, erhält jede Abteilung eine Station.» Diese ist für die Besucherinnen und Besucher gedacht, denn für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen die Hygienemassnahmen an erster Stelle. «Wir kontrollieren die Massnahmen immer wieder», ergänzt der Leiter.