Kanton Solothurn

Kaminfeger-Monopol fiel vor einem Jahr – erste Erfahrungen sind positiv

Ein Beruf im Umbruch: Das veränderte und erweiterte Aufgabenprofil macht den Job auch für Frauen durchaus attraktiv.

Ein Beruf im Umbruch: Das veränderte und erweiterte Aufgabenprofil macht den Job auch für Frauen durchaus attraktiv.

Fast 200 Jahre lang konnte es sich halten, das Kaminfegermonopol – seit einem Jahr ist es im Kanton Solothurn abgeschafft. Die ersten Erfahrungen sind positiv.

«Früher wie heute ist der Kaminfeger ein Glücksbringer», heisst es auf der Homepage des kantonalen Kaminfegerverbandes. Bis vor einem Jahr konnten sich die Solothurner ihren Glücksbringer nicht selber aussuchen: Sie waren von Amtes wegen dem für ihr Gebiet zuständigen Kreiskaminfeger zugeteilt. Doch seit 1. Januar 2018 ist das Kaminfeger-Monopol aufgehoben. Seither herrschen die freie Wahl und der freie Markt. Gleiches gilt seit dem 1. Juli letzten Jahres auch für die Feuerungskontrollen, mit denen die Einhaltung der Luftreinhaltevorschriften geprüft wird.

«Wie erwartet ist die Neuerung begleitet von einem grossen Informationsbedürfnis der Kundinnen und Kunden», berichtet Heinz Glauser. Der Präsident des Kaminfegermeisterverbandes Kanton Solothurn und seine Kollegen haben in der Bevölkerung eine gewisse Verunsicherung festgestellt. Dies umso mehr, als «die zwei Arbeitsgattungen Kaminfegerarbeiten und Feuerungskontrolle oft verwechselt» würden (siehe auch Box «Für Sicherheit und Sauberkeit»).

Es gibt schwarze Schafe

Vermehrte Anfragen verunsicherter Kundinnen und Kunden gab es auch bei der Solothurnischen Gebäudeversicherung (SGV). Aber, so deren Direktor Markus Schüpbach: «Unsere Erfahrungen mit der Abschaffung des Kaminfegermonopols sind grundsätzlich positiv.» Ebenso tönt es vonseiten der Kaminfeger: «Die Umstellung des Kaminfeger-Systems verläuft grundsätzlich ohne grössere Probleme», bilanziert Verbandspräsident Glauser: «Es gibt Kunden, die die Umstellung und die Selbstverantwortung begrüssen, es gibt aber auch einen grossen Anteil von Kunden, die den Systemwechsel als überflüssig ansehen.»

Diese würden sich fragen, «warum man etwas ändern muss, das gut, effizient und preisgünstig funktioniert hat». Obwohl es nun keine generellen Kontrollen mehr gebe, sei sich ein Grossteil der Kunden ihrer Verantwortung bewusst und lasse Heizungen und Öfen von sich aus kontrollieren.

«Allerdings,» so Glauser weiter, «gibt es auch hier die ‹schwarzen Schafe›, die das fehlende Controlling zum Geldsparen ausnutzen» wollen. Diesen seien «auch die Umwelt, der Energieverbrauch und die Sicherheit egal» – was sie dann aber, etwa im Schadenfall, teuer zu stehen kommen könne.

Ausserkantonale Konkurrenz

Und die Konsequenzen an der Preisfront? In Kantonen mit Kaminfegermonopol kann bei Bedarf der Preisüberwacher Empfehlungen zu den festgelegten Tarifen abgeben. Anders in Kantonen, wo das Monopol gefallen ist: Hier bilden sich die Preise im freien Wettbewerb, und der Preisüberwacher hat nichts mehr zu sagen. Dafür kann der Kunde frei nach dem für ihn günstigsten Angebot suchen. Der Wettbewerb spiele, stellt Heinz Glauser dazu fest: «Die Konkurrenz unter den Mitbewerbern hat zugenommen. Auch ausserkantonale Betriebe bieten ihre Dienste im Kanton Solothurn an.»

Nicht nur das Monopol ist gefallen – der Kaminfegerberuf ist wegen der rasanten technologischen Entwicklung im Heizungs- und Feuerungsbereich generell im Umbruch: Die Zeiten des klassischen Kaminrussens gehören zunehmend der Vergangenheit an. «Die Kaminfegerbetriebe haben nun die Möglichkeit, neue oder verwandte Tätigkeitsfelder zu erschliessen», schildert Präsident Glauser die Herausforderung. Die Betriebe könnten heute «praktisch das Vollprogramm anbieten». Neben den angestammten Beratungen und Arbeiten etwa den Service für Brenner, Wärmepumpen, Wohnraumbelüftungen bis hin zur Wartung von Solar- und Fotovoltaikanlagen.

Im Bereich der Feuerungskontrollen – erst seit sieben Monaten neu geregelt – sei es noch zu früh für eine aussagekräftige Bilanz, sagt Markus Chastonay. Der Leiter der Fachstelle Luftreinhaltung im Amt für Umwelt zeigt sich «sehr gespannt, wie die Neuregelung in der Praxis funktioniert und wie viele Mahnungen nötig sein werden». Dies, wenn Anlagenbetreiber die Frist von einem Jahr zur Durchführung der periodischen Feuerungskontrolle nicht eingehalten haben.

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