Wo am Dienstag das richtige Kantonsparlament debattiert, sassen am Sonntag ihre möglichen Nachfolger und wärmten schon einmal vor. Das Jugendparlament hielt seine erste Session im Kantonsratssaal ab.

50 Jugendliche von 14 bis 26 Jahren hätten kommen dürfen. Erschienen waren bloss 12, dafür kamen die mehr zu Wort. Sie politisierten anders: ursachenklärend, team- und lösungsorientiert.

Im Plenum mit Landammann Roland Heim brachten sie Themen aufs Tapet, die in die Politik einfliessen sollen. Diese wurden wie in der Schule in Grüppchen gefunden, und zwar extrem rasch.

Einstimmig wurde nur folgendes Thema gewählt: Im Lehrplan sollen auch andere sexuellen Neigungen verankert werden. Am zweitmeisten Stimmen erhielt, dass man die Lehre stärken soll.

Anklang fand auch, dass man die J+S-Gelder nicht kürzen sowie dass man Sparmassnahmen im Bildungswesen verhindern soll. Weitere angenommene Themen: Armee-Reform, Spezialpreise für ÖV, Politik für Jugend fördern. Keine Stimme erhielt hingegen, das Energieproblem anzugehen.

Tags zuvor gab es eine Art Aufwärmphase mit zwei parallelen Diskussionsrunden. Die Jugendlichen übten im kleinen Rahmen grosse Worte. Die Stimmung im Gemäuer des Alten Spitals war ruhig und friedlich. Aber die Teilnehmenden waren gleichwohl aktiv.

Einfühlsam gingen sie aufeinander ein. Alltagserfahrungen wurden in einen grösseren Rahmen gestellt. Ursachen für Probleme analysiert und nach Lösungen gefragt. Zwei Themen standen zur Auswahl. Zum Thema Bildung diskutierten sechs Jugendliche mit den Politikern Nicole Hirt (GLP) und Roberto Conti (SVP) unter der Leitung von Nadine Burtscher vom Dachverband Schweizer Jugendparlamente DSJ.

Beim Thema Rassismus begleiteten Karen Grossmann (CVP) und Felix Glatz-Böni (Grüne) die ebenso kleine Runde. Kai Leisi wirkte hier als Diskussionsleiter.

Politische Knacknüsse

Obwohl zumeist die gestandenen Politiker redeten, bereicherten die Jugendlichen mit ihren Erfahrungen, gezieltem Nachfragen und kritischen Einwänden die Diskussion. Bei der Kritik am neuen Schulsystem der von vier auf drei Stufen reduzierten Sek wurden viele Aspekte angesprochen.

Die Breite einer Stufe führe dazu, dass nicht individualisiert und eigentlich niemand gefördert würde. Zwar arbeiteten Politiker schon an Lösungen, diese kosteten allerdings Geld.

«Obwohl für das Bildungssystem immer mehr Geld ausgegeben wird, reicht es nicht.» Zum Beispiel wegen der Reformflut im Bildungswesen oder weil die Zahl der Kinder zunehme. Allerdings sei gerade Bildung der einzige Rohstoff, den die Schweiz habe.

Beim Thema Rassismus wurde gefragt, ob nicht Unsicherheit und fehlendes Selbstbewusstsein zu Rassismus führe. Manche würden Toleranz mit Ignoranz verwechseln, dabei brauche es so etwas wie Mitgefühl. Auch mangelnde Bildung wurde als Ursache genannt.

Ein dunkelhäutiger Jugendlicher meinte: «Das ist schon so, dass manchen bereits von der Familie Rassismus mitgegeben wird, aber man kann sich dennoch anders entwickeln und braucht kein Rassist zu werden.»

Was man dagegen tun könne? «Wir müssten die ganze Welt umkehren», sagte eine junge Frau. Kampagnen, die Rassismus als uncool darstellen, seien eine Möglichkeit. Integrationsbemühungen, auch von Seiten der Ausländer, eine andere.

«Wenn wir den starken fremden Kulturen keine eigenen inneren Werte mehr entgegenzusetzen haben, können sie als bedrohlich empfunden werden. Deshalb soll man Rassismus als Chance betrachten, um aus der eigenen Komfortzone herauszutreten.»

Die Diskussionsleitung erfolgte gekonnt, lenkte nur dort wo nötig. «Ich finde, es war eine super Erfahrung», sagt Leisi strahlend. «Ich habe zwar Fragen vorbereitet, aber nur für den Fall, dass ich mehr Inputs geben muss.»

Wohl auch die Politiker wurden durch die kooperative Stimmung angesteckt, so dass keiner kämpferisch war, sondern immer konstruktiv. Glatz-Böni empfand die Gespräche als «schön»: «Die Jugendlichen waren engagiert. Es stimmt mich hoffnungsfroh, das so zu erleben.» Zu den Jugendlichen sagte er: «Ihr seid eine neue Generation. Bleibt dran, kümmert euch weiter! Dann kommt es gut.» Grossmann spornte ebenfalls an: «Wenn ihr Politik betreibt, seid vor allem differenziert.»