Datenschutz ist in aller Munde, jedem Computerbenutzer wird geraten, seine Daten vor unbefugtem Zugriff unter Verschluss zu halten. Das gilt besonders für heikles Material. In einer Chemiefirma im Raum Solothurn steckten und stecken immer noch solch heikle, sehr kostbare Daten. Dem Schweizer Ben F.* ist es gelungen, von diesem Unternehmen Daten im Wert von 10 Millionen Franken zu klauen und sie für sich selber in einer selbst mitgegründeten Konkurrenzfirma gewinnbringend weiterzuverwenden.

Dafür hätte er vielleicht nicht mal seinen Komplizen Amin K.* – einen anderen damaligen Mitarbeiter dieser Firma – gebraucht, mit dessen Hilfe er die Daten gemäss Anklageschrift schliesslich erlangt hatte. Denn die Passwörter seien in der Nähe mancher Computer gar auf einem Zettel angebracht gewesen. Der 38-jährige Techniker, der auch für dieses Unternehmen tätig war, hätte sich somit vielleicht sogar selber einloggen können, was die Verteidigerin des Komplizen, Clivia Wullimann, denn auch ins Feld führte.

Schon zweimal verurteilt

Dreist ist, dass Ben die Daten aktuell sogar weiterhin verwendet, nachdem die Firma ihn schon in zwei Zivilprozessen deswegen belangt und Recht bekommen hatte. Nun kam es vor dem Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt zum Strafprozess sowie zu einer erneuten Zivilklage der Firma gegen ihn. Darin wurde auf Wunsch der Betrogenen besondere Vorsicht an den Tag gelegt, indem während der Verhandlung die Namen der gestohlenen Güter nicht genannt werden durften.

Ben F. war teilgeständig, gab zu, dass er die Daten von Amin erlangt hatte. Doch er versuchte glaubhaft zu machen, dass Amin sie entwendet und sie ihm danach für Geld angeboten habe, damit er Arztkosten für seine Mutter von 5'000 Franken habe bezahlen können. Doch besonders der Anwalt der Firma, Jean-Claude Cattin, legte immer wieder neue Beweise vor, stellenweise war es wie im Kreuzverhör.

Da wurde deutlich, dass der Angeklagte schon zum Voraus die Absicht hegte, die Daten in einem eigenen Geschäft zu verwenden. Beispielsweise hatte er bei potenziellen Kunden schon Power-Point-Vorträge dazu gehalten, noch während er bei der betrogenen Firma angestellt und als er eben erst ins Kader befördert worden war. Ben hatte selber keinen Datenzugriff, weil er im Verkauf tätig war, Amin hingegen schon, denn für die Mitarbeiter in der Produktion und im Labor gab es Logins. Amin sagte im Prozess, dass er auf Bens Anweisung und in dessen Beisein den Datenklau im gemeinsamen Büro begangen habe.

So wurden an einem Februar-Tag 2009 17 Rezepturen und anderes Material auf einen Memorystick kopiert. Der zwei Jahre ältere Amin, Inhaber einer italienischen Staatsbürgerschaft und mit C-Ausweis, bestritt, dafür Geld erhalten zu haben, und bereute, mitgemacht zu haben. «Ich war naiv, blöd und privat instabil. Ich war emotional abhängig von ihm. Und ihm gegenüber absolut loyal», erklärte er.

«Plump und unglaubhaft»

Ben hatte auch andere Arbeitskollegen für sein eigenes Geschäft abzuwerben versucht. Dass Ben Amin die Initiative und Schuld zuschob, bezeichnete Cattin als «plump und unglaubhaft». Ben habe egoistisch gehandelt und gezielt nur die «Kronjuwelen» ausgesucht. Die Rezepturen seien derart geheim, dass sie nicht einmal beim Patentamt angemeldet worden seien, denn dort hätte man sie preisgeben müssen. Er betonte: «Das Schicksal der Firma hängt davon ab, ob die Rezepturen geheim bleiben oder nicht.»

Das steht im krassen Widerspruch zum Sicherheitsdispositiv. Amin gab Einblick hierzu: «Die Türen der Büros und Labors waren geöffnet. Es war so familiär, es kam niemandem in den Sinn, sie zu verschliessen.»

Über den Mittag seien die Computer nicht mal ausgeschaltet gewesen. Wullimann hob hervor, dass es Standardzugänge gewesen seien, um Zugriff auf die Daten zu erlangen wie die Namen der Mitarbeiter und jener der Produkte. Andere Firmen in der Branche hätten schon dazumal sicherere Systeme gehabt. Gar der Firmeninhaber gab die Standardlogins im Büro zu.

Den Betrug entdeckte man erst Jahre später, als ein Lieferant der Ausgangsmaterialien stutzig geworden war, weil auch eine andere – Bens – Firma ebensolche bestellt hatte für die gleichen Produkte.

Staatsanwalt Mike Kindler fordert 14 Monate bedingt. Das Urteil wird am Freitag eröffnet.

* Namen geändert