Der Mann, der 2006 in Starrkirch-Wil ein Mädchen vergewaltigt hat, soll freikommen. Das hat das Solothurner Obergericht im September beschlossen – obwohl der Mann als rückfallgefährdet gilt.

Grund dafür: Der Mann hat seine Strafe abgesessen. Eine Verlängerung der angeordneten stationären Therapie lässt sich nicht rechtfertigen, da diese laut Gesetz nur möglich ist, wenn Aussicht auf eine Therapierbarkeit besteht. Das ist beim mehrfach straffällig gewordenen Sexualtäter nicht gegeben.

Die Therapie hatte trotz über 230 Sitzungen zu keinem Erfolg geführt. Der Mann, der bereits 1999 wegen sexueller Handlungen mit Kindern verurteilt worden war, gilt laut einem aktuellen Gutachten als mittelgradig bis hoch rückfallgefährdet. Das Solothurner Obergericht hatte die Freilassung deshalb mit einer ambulanten Behandlung verknüpft. Es soll «ein engmaschiges Netz im Sinne eines Risikomanagements» geschaffen werden, so das Gericht bei der Urteilsverkündung.

Jetzt sorgt das Urteil für Kritik: Marc Graf, Direktor der Forensisch-Psychiatrischen Universitätsklinik, sagt gegenüber der «Sonntags-Zeitung»: «Ein solches Setting ist mit einem enormen Aufwand verbunden. Es funktioniert praktisch nie.» Die «Sonntags-Zeitung» selbst spricht von einem «Justizirrsinn», da weder die Solothurner Staatsanwaltschaft noch das Amt für Justizvollzug eine Verwahrung gefordert hatten.

SVP-Nationalrätin Natalie Rickli ihrerseits fordert, die Verwahrungspraxis so zu ändern, dass nicht therapierbare und rückfallgefährdete Täter verwahrt werden. Allerdings war eine von der Staatsanwaltschaft geforderte Verwahrung 2009 beim Amtsgericht Olten-Gösgen als «unverhältnismässig» gescheitert.

Spätestens im November sollte der Mann nach dem Gerichtsentscheid nun freikommen. Ob die Solothurner Behörden eine nachträgliche Verwahrung fordern, wollten sie wegen der «laufenden Rechtsmittelfrist» nicht sagen. (lfh)