Justiz
Er missbrauchte seinen Göttibuben in einer Alphütte: Solothurner im Kanton Wallis verurteilt

Ein Mann aus dem Kanton Solothurn hat in den 90er Jahren seinen Götti-Buben in einer Alphütte missbraucht. In der vergangenen Woche wurde er vom Bezirksgericht in Brig verurteilt.

Rebekka Balzarini
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Das Opfer leidet noch Jahre später unter dem erlittenen Missbrauch.

Das Opfer leidet noch Jahre später unter dem erlittenen Missbrauch.

Songsak Rohprasit / Moment RF

«Ein abscheulicher Fall, wie er im Wallis noch selten vorkam». So beschreibt die Zeitung «Walliser Bote» die Taten, die ein Mann aus dem Kanton Solothurn in den Jahren 1994 bis 1996 in einer Alphütte im Kanton Wallis begangen hat. Der Fall wurde vor einer Woche vor dem Bezirksgericht in Brig verhandelt.

Mindestens ein Duzend Mal hat sich der heute 77-Jährige an seinem damals rund zehnjährigen Götti-Buben vergriffen. Das Gericht in Brig sprach ihn wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit Kindern, der mehrfachen sexuellen Nötigung und sowie der Pornografie schuldig und verurteilte ihn zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 24 Monaten mit einer Probezeit von drei Jahren sowie zu einer Busse von 1000 Franken verurteilt. Ausserdem muss der Mann aus dem Kanton Solothurn seinem Opfer eine Genugtuung zahlen. Das Urteil fällt mild aus, weil die Taten lange zurückliegen.

Zuneigung des Jungen ausgenutzt

Die Lokalzeitung aus dem Kanton Wallis beschreibt in dem Artikel zum Urteil ausführlich, wie es zu dem Missbrauch in der «abgelegenen» Alphütte kam. Die Zeitung beruft sich dabei auf die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft. Laut dieser wurde das Opfer, ein damals zehnjähriger Junge, in einer Pflegefamilie im Oberwallis fremdplatziert. Grund für die Fremdplatzierung war die Alkoholsucht der Mutter.

Die Pflegefamilie sei streng gewesen, und es habe an Geborgenheit und Wärme gefehlt. Dagegen habe sich der Junge bei seinem Götti, einem Bruder seines Vaters, wohl gefühlt und sich auf gemeinsame Ausflüge gefreut. Der Götti aus dem Kanton Solothurn kaufte sich in dieser Zeit eine Alphütte und verbrachte mit dem Jungen regelmässig die Wochenenden in den Bergen. In der Hütte kam es schliesslich zu den sexuellen Übergriffen, zuvor bot der Mann dem Jungen jeweils Alkohol und Zigaretten an.

Wie das Opfer später zu Protokoll gab, habe er sich jeweils mehr davor gefürchtet, dass die strengen Pflegeeltern etwas vom Alkoholkonsum erfahren könnten, als vor dem Missbrauch durch den Götti. Erst Jahre später erzählte das Opfer seiner Frau und einem Freund von den Vorfällen in der Alphütte. Er hatte eine Persönlichkeitsstörung entwickelt, die sich unter anderem in einem mangelnden Selbstwertgefühl äusserte. Seine Frau und der Freund rieten ihm dazu, Anzeige zu erstatten.

Auch mit seinem Götti habe er später einmal über den Missbrauch sprechen wollen, heisst es laut der Zeitung in der Anklageschrift. Dieser habe aber lediglich gesagt, dass das Opfer über die «Familienangelegenheit» wohl schweigen könne.

Im Zusammenhang mit dem Fall wird auch die Leiterin der Beratungsstelle Opferhilfe im Kanton Solothurn, Agota Lavoyer, zitiert. Sie gilt als Expertin auf dem Gebiet der sexualisierten Gewalt und äussert sich regelmässig auf der Plattform Twitter zu dem Thema. Laut ihr bleiben Missbräuche oft unentdeckt, weil die Opfer aus Schamgefühl schweigen.

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