Gebäudeversicherung

Juni-Unwetter sorgen im Kanton für Schäden von über 3 Millionen

Zahlreiche Keller wurden von Wasser geflutet, es gab Hagelschäden und letzte Woche schlug ein Blitz in den Dachstock eines Hauses in Lommiswil ein.

Zahlreiche Keller wurden von Wasser geflutet, es gab Hagelschäden und letzte Woche schlug ein Blitz in den Dachstock eines Hauses in Lommiswil ein.

Regen und Gewitter sorgten diesen Frühling für einige Schäden. Als einzelnes Ereignis sticht dabei das Unwetter der Nacht vom 28. auf den 29. Mai mit 564 Schadenmeldungen bei der Solothurnischen Gebäudeversicherung heraus.

«Im Gegensatz zu den Kantonen Aargau und Baselland sind wir im Kanton Solothurn noch relativ glimpflich davongekommen.» So bilanziert Alain Rossier, Direktor der Solothurnischen Gebäudeversicherung, die Unwetterschäden in den vergangenen Wochen. Mit der Einschränkung, dass jeder Schaden individuell für den Betroffenen eine grosse Belastung darstellt.

Insgesamt beziffert er die Schadensumme an Gebäuden im Kanton Solothurn im Zeitraum Ende Mai bis dato auf über drei Millionen Franken. Insbesondere das heftige Gewitter von Ende Mai, vorwiegend im Wasseramt, habe grosse Schäden verursacht. «Bei uns sind kantonsweit 564 Schadenmeldungen eingegangen.» Die Schadensumme betrage rund 1,8 Millionen Franken, primär Wasserschäden.

Nach dem Unwetter am 8. Juni teilweise mit Überschwemmungen seien fast 110 Meldungen aus der Region Olten/Gösgen und Nuglar/Büren im Schwarzbubenland eingegangen. Schadensumme: Rund 750 000 Franken. In den Tagen vom 16. bis 18. Juni wurden 33 Schadenfälle registriert. Darunter waren sechs Blitzeinschläge. Diese Schadensumme von aktuell knapp 300 000 Franken werde noch steigen.

Ein Blitzschlag und mehrere Wasserschäden seien noch nicht definitiv budgetiert.

Erfahrungsgemäss treffen zahlreiche Schadenmeldungen auch noch später ein», sagt Rossier. Im Vergleich mit anderen Zeitperioden sei der Juni aber für den Kanton Solothurn nicht «ein Extremmonat». Er zieht einen Vergleich: Im Frühling 2015 habe ein Hagelzug innerhalb von 20 Minuten in der Region Breitenbach/Büsserach Schäden von 6,9 Millionen Franken verursacht.

Nicht explizit durch Hochwasser

Im Zusammenhang mit dem aussergewöhnlich feuchten Juni weist Rossier daraufhin, dass die erwähnten Schadenfälle nicht etwa explizit durch Hochwasser wie zum Beispiel die steigende Aare verursacht worden seien. Es gebe ein neueres Phänomen. In der Branche spreche man von Schäden durch «Oberflächenabflusswasser». «Das Siedlungsgebiet weitet sich stetig aus und ist stark verbaut, Teer und Beton dominieren.

Bei heftigen Regenfällen kann das Wasser nicht wie früher im Boden versickern und wird über die zubetonierten Böden sozusagen direkt in die Häuser geführt.» Man habe bei Grossereignissen mit hohen Schäden auch schon die entsprechenden Gefahrenkarten überprüft und festgestellt, dass diese mit den realen Verhältnissen übereinstimmen. Aber der geschilderte Effekt durch die Siedlungsflächen sei darauf eben nicht abgebildet.

Ohne Selbstbehalt

Die im Kanton Solothurn obligatorische Gebäudeversicherung deckt – übrigens ohne Selbstbehalt – grundsätzlich Elementarereignisse ab, das heisst Schäden in Folge von Wasser, Sturmwind, Hagel, und Erdrutsche. Auch Brandschäden, etwa durch Blitzschlag, seien versichert. Wichtig zu wissen sei, dass im Fall von Wasserschäden nur jene abgedeckt seien, in denen «das Wasser von oben oder der Bodenfläche» Unheil anrichteten.

Nicht versichert seien Schäden «von unten», das heisst, wenn das Wasser durch die Kanalisation ins Haus dringe oder bei Rohrbrüchen im Hause. Dazu sei die Wasserversicherung zuständig, die bei privaten Versicherern abgeschlossen werden könne. «Wir kommen für alle Schäden am Gebäude und an Geräten auf, die fix mit dem Haus verbunden sind», erläutert Rossier weiter.

Dazu gehören beispielsweise die Waschmaschine, Solarpanels, die Heizung oder Defekte an Treppen, Böden oder Wänden. Rossier weist zudem auf eine Spezialität «seiner» Gebäudeversicherung hin. «Im Gegensatz zu anderen Versicherern decken wir auch die erwähnten Schadensereignisse in einem Perimeter von acht Metern zum Haus ab.» Wenn also eine mit dem Haus nicht verbundene Gartenmauer in diesem Perimeter zerstört ist, werde das von der Gebäudeversicherung entschädigt. Das Gleiche gelte für Aufräumarbeiten in diesem Perimeter.

Nach Gutsprache des Schadensexperten könne der Betroffene die Reparaturarbeiten in Auftrag geben, die Rückvergütung der Rechnungen übernehme der Versicherer. Wen der Eigentümer Reparaturen oder Aufräumarbeiten selber erledigt, werde er dafür von der Gebäudeversicherung mit einem entsprechenden Stundenansatz entschädigt.

Hausratversicherung zahlt auch

Nicht gedeckt durch die Gebäudeversicherung sind Schäden an beweglichen Dingen im Haus, auf dem Balkon oder im Garten. Dafür ist die Hausratversicherung zuständig. Bei der Mobiliar, einem der grossen Sachversicherer, sind im Juni landesweit bislang rund 550 Schadenmeldungen eingegangen, heisst es auf Anfrage. Die Schadensumme wird auf rund
5 Millionen Franken geschätzt.

Vom Kanton Solothurn sei zurzeit einzig die Anzahl Schadenmeldungen an die Generalagentur Solothurn bekannt. Es seien deren 134 Anträge eingegangen. Noch offen seien die Meldungen an weitere Generalagenturen im Kanton.

Autor

Franz Schaible

Franz Schaible

Meistgesehen

Artboard 1