Auf diese Idee muss man erst mal kommen. Das grünlackierte Flurmöbel aus Esche ist nicht nur mit Schubladen zum Verstauen von Schuhen und Kleidungsstücken ausgestattet, integriert sind auch ein Spiegel und ein ausklappbarer Stuhl. Die Konstruktion trägt den schlichten Namen «Hallo». «Das Möbel heisst so, weil es einen begrüssen soll, wenn man nach Hause kommt», erklärt Lars Probst.

Dem Schreiner-Lernenden der Glaeser AG in Mümliswil hat sein Werk nun den ersten Preis bei «In The Box», dem neuen kantonalen Nachwuchspreis für Schreiner, eingebracht.

«Wenn wir einen Wettbewerb starten», dachte sich der Verband Solothurnischer Schreinermeister, «muss das etwas ganz Besonderes sein». Die Schreiner-Lernenden wurden aufgefordert, ein Möbelstück zu bauen. Einzige Bedingung: Das Möbelstück muss in ein grosses Postpaket passen. Dieses misst «1000 x 600 x 600 Millimeter» - präzise Massangaben sind des Schreiners Kapital. Ansonsten durften die Lernenden «ihrem Schreinerherzen freien Lauf lassen», wie es Thomas Ryffel, der Präsident der kantonalen Schreinermeister, formulierte.

15 Unikate aus Holz

Während einem halben Jahr haben die Lernenden gehobelt, gesägt und furniert. Am Donnerstag haben sie ihre Werke in der Jomos-Eventhalle in Balsthal dem Publikum präsentiert. Dass der Preis nur eine Vorgabe hatte, lohnte sich: Neben Lars Probsts Flurmöbel sind 14 weitere Unikate eingereicht oder besser gesagt: eingeschickt worden.

Entstanden sind Billardtische im Kleinformat, filigrane Vogelhäuschen aus Lerche oder ein täuschend echter Tresor, natürlich aus Holz. Thomas Ryffel schätzt, dass die Jungschreiner «zwischen 100 und 500 Stunden» an ihren Möbeln gearbeitet haben. Viele Stunden seien dabei auf Kosten der Freizeit eingesetzt worden.

Drei Jurys, blutjunge Gewinner

Ein Jungschreiner präsentiert den Grosseltern seinen Spieltisch, derweil beweist ein anderer, dass seine Holzhängematte auch tatsächlich benutzt werden kann. Thomas Ryffel lächelt, er ist sichtlich stolz auf seinen Berufsnachwuchs.

Gleich drei Preisgerichte haben sich mit den Wettbewerbsstücken befasst: die «Jury der Schreinermeiser», die «Jury der Gestalter» und die «Jury der Jungschreiner». Schliesslich sollten nebst der Idee, dem Design und der Materialwahl auch die Funktionalität und die Marktchancen der Möbel bewertet werden.

Weil der Geschmack der Fachleute nicht zwingend dem des Publikums entspricht, war dieses aufgefordert, seinen eigenen Favoriten zu wählen. Der Publikumspreis ging an Silvan Geiser von «Made by Innenausbau Augsburger» in Olten. Geiser hat dünne Holzschichten aufgeschichtet und verklebt. Das Ganze hat er zu einem eiförmigen Bogen verarbeitet und mit einem LED-Licht ausgestattet. Entstanden ist eine wahre Designer-Lampe.

Auffällig: Beide Gewinner - Lars Probst und Silvan Geiser - haben ihre Werke im ersten Lehrjahr gebaut, beide sind erst 17 Jahre alt. Schreiner-Präsident Thomas Ryffel überraschte dies nicht: «Die Jungschreiner arbeiten früh auf absolut feinstem Niveau».