Sportförderung

Junge Topathleten sind in Solothurn gut aufgehoben

Das Bike Team Solothurn liefert regelmässig Topresultate ab. Leistungen, die durch eine umfassende Förderung der jungen Sportler möglich werden.

Das Bike Team Solothurn liefert regelmässig Topresultate ab. Leistungen, die durch eine umfassende Förderung der jungen Sportler möglich werden.

60 Nachwuchssportler verschiedener Disziplinen werden im Raum Solothurn schulisch und sportlich gefördert. Ein schweizweit einzigartiges Konzept. Das Problem: die fehlende öffentliche Wahrnehmung.

Zwei Bündner, ein Solothurner, ein Berner. Vier jungen Männer, die in ihrer Disziplin, dem Mountainbike, zur Spitze der Junioren in der Schweiz gehören: Vital Albin (18, Tersnaus), Ursin Spescha (18, Sevgein), Nick Burki (18, Derendingen) und Eric Lüthi (17, Hermiswil).

Sie bilden das Bike Team Solothurn – und sind Mitglieder des Nationalteams. Den grössten Teil ihrer Zeit verbringen sie im Raum Solothurn, sportlich, schulisch und beruflich. Sie besuchen die Sonderklasse «Sport und Kultur» der Kanti oder machen eine Berufslehre in einem Leistungssport-freundlichen Lehrbetrieb.

Die auf ihre sportlichen Ambitionen zugeschnittenen Schul- und Ausbildungsprogramme lassen ihnen Freiraum für den Spitzensport. Woche für Woche bis zu 20 Stunden, dafür sorgen die beiden Profitrainer Reto Burki und Roland Richner.

Unterstützt werden sie durch die breite Angebotspalette des Leistungszentrums Solothurn (LZSO) auf dem Sportcampus in Zuchwil: vom Mentaltraining über die Leistungsdiagnostik und die Physiotherapie bis zur Ernährungs- und Laufbahnberatung. Zudem gibts hier Zimmer für auswärtige Sportlerinnen und Sportler.

Seit vier Jahren unterwegs

Der Erfolg des Bike Team macht Roland Richner stolz. Er ist nicht nur Trainer, sondern auch Technischer Direktor der Stiftung Leistungszentrum Solothurn. Ein Erfolg, der wesentlich durch die tatkräftige Unterstützung des Leistungszentrums zustande gekommen sei, ist er überzeugt. Ähnliche Spitzenleistungen können die Fussballer vorweisen. Etliche haben es in die Nachwuchsförderung der Nati-A-Clubs geschafft. Zu den jungen Topathleten auf nationaler Ebene gehören etwa auch der Triathlet Max Studer (20, Kestenholz) und Schwimmerin Sarah Zurflüh (18, Solothurn).

Beide erhalten sie Anfang Mai je einen Sportförderpreis des Kantons.
160 Schüler sind es insgesamt, die aktuell in die Rund-Um-Förderung der Stiftung Leistungszentrum Solothurn (LZSO) eingebunden sind.

Darunter etliche Nachwuchssportler aus anderen Kantonen. Das LZSO, das vor vier Jahren gegründet worden ist, koordiniert das sportliche Training sowie die Ausbildung der jungen Leute. Es ist in seiner Art schweizweit immer noch einzigartig. Die grossen – nationalen – Förderkonzepte beschränken sich auf Fussball, Tennis, Eishockey und den Skisport.

Qualifikation als «Sportpartner»

Die Förderung bei den Ausdauer- und Sommersportarten aber bleibt vielfach der privaten Initiative überlassen. Hier setzt das Förderkonzept der Stiftung Leistungszenrum Solothurn ein. Nach vier Jahren zeige sich, dass die Stiftung damit auf dem richtigen Weg ist, betont Richner. Neben den schulischen Angeboten (siehe den Text ganz unten) hebt er besonders die sportlichen Rahmenbedingungen hervor.

«Sportpartner» des LZSO können nur Vereine und Verbände werden, die über professionelle Strukturen verfügen – und den Spitzensport entsprechend fördern. Dazu gehören Profitrainer, die das zeitintensive Training sicherstellen können, aber auch etwa ein sportmedizinisches Konzept.

Ein Anspruch, der für viele Sportarten eine Herausforderung bedeutet. Die Vereine sind regional organisiert und verfügen über begrenzte personelle und finanzielle Ressourcen. Im Fokus, so Richner, stehe häufig die Förderung des Breitensports und nicht der Spitzensport. Trotz dieser Voraussetzungen sei es gelungen, etliche Vereine als «Sportpartner» zu gewinnen.

Von Anfang an mit dabei war der Fussballclub Solothurn, diverse Radsportteams, die Solothurner Tennis Akademie und die Kunstturnvereinigung Solothurn. Dazu gekommen sind in den letzten Jahren die Swim Regio Solothurn, in der sich mehrere Clubs zusammengeschlossen haben. Weiter die Talentförderung Triathlon und, brandneu, der Sportverein Wiler-Ersigen (Unihockey).

Richner betont, dass es einzelne «Köpfe» sind, welche die Förderung des Spitzensports in ihren Vereinen vorantreiben. Das Leistungszentrum könne die Vereine dabei lediglich coachen. Das Budget des LZSO, das sich aus Sponsorengeldern alimentiert, erlaube es (noch) nicht, die professionelle Nachwuchsförderung finanziell zu unterstützen.

«Mit der Qualifikation als Sportpartner zeigt ein Verein, dass er sich zum Leistungssport bekennt», unterstreicht Richner. Die Sportpartner haben freien Zugang zu den ergänzenden Dienstleistungen des LZSO auf dem Zuchwiler Sportcampus. Ein Angebot freilich, das den Nachwuchstalenten aller Disziplinen offen steht.

Hohe Leistungsbereitschaft

Die aktuellen Erfolge der Mountainbiker oder auch der Fussballer seien wesentlich mit den professionellen Trainingsstrukturen zu erklären, so Roland Richner. Unter den Nachwuchstalenten der Sportpartner komme es zudem seltener vor, dass ein Jugendlicher während der Ausbildungszeit aus dem Spitzensport aussteigt. Ein Risiko bestehe vor allem beim Übergang von der Sek I zur Sek II und dann während oder nach der Kanti respektive der Berufslehre.

Es sei aber nicht zu verhindern, dass sich etliche junge Leute irgendwann vom Spitzensport verabschieden. «160 Sportschülerinnen und Sportschüler können nicht alle Weltmeister werden,» hält Richner schmunzelnd fest.

Aber selbst wenn so mancher Sportschüler dem Leistungssport irgendwann Adieu sagt, vergeblich seien die Investitionen nicht. «Wer neben Schule und Ausbildung Spitzensport betreibt, zeigt eine aussergewöhnlich hohe Leistungsbereitschaft». Diese komme der Wirtschaft und der Gesellschaft zugute. Sowohl in der Sek I als auch in der Sek II brillieren Sportschüler immer wieder mit «sensationellen Abschlüssen», unterstreicht Richner deren Leistungswillen.

Besseres Marketing

Eine durchaus positive Bilanz – und dennoch: Das Leistungszentrum Solothurn ist auch nach vier Jahren kaum über Sportkreise hinaus bekannt. «In den letzten vier Jahren ist es nicht gelungen, die Leistungen der Stiftung und der Sportklassen für die breite Öffentlichkeit wahrnehmbar zu machen», gesteht der Technische Direktor.

Derzeit wälze man daher verschiedene Marketing-Projekte. So gehe es etwa darum, die Leistungen der Sportschülerinnen und Sportschüler über geeignete Plattformen zu publizieren. Zudem plane man eine mehrmals im Jahr stattfindende öffentliche Veranstaltung. «Unter der Leitung eines professionellen Moderators unterhält sich ein Nachwuchstalent mit einem Topathleten», skizziert Richner die Idee.

Mit solchen Massnahmen wolle man unter anderem Sponsoren auf das Leistungszentrum aufmerksam machen. «Mit diesem Geld könnten wir die Nachwuchsförderung in einer Reihe von Sportarten professionalisieren.»

Ein wichtiges Ziel der Stiftung besteht zudem darin, das Solothurner Förderangebot für weitere ausserkantonale Nachwuchssportler interessant zu machen. «Damit würde eine Dynamik entstehen, die für den Spitzensport wegweisend wäre, weit über die Region hinaus.»

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