Wahlbeteiligung

Junge sind interessiert – aber überfordert

Das Wahl- und Abstimmungsmaterial: Gerade auch für junge Stimmberechtigte oft ein Buch mit sieben Siegeln.

Das Wahl- und Abstimmungsmaterial: Gerade auch für junge Stimmberechtigte oft ein Buch mit sieben Siegeln.

Nur ein Drittel der Jugendlichen geht an die Urne – auch die Solothurner Jungparteien sind für die Mobilisierung gefordert. Sie forden fast einheitlich die Einführung von Staatskunde an den Schulen.

Nur gerade 30 Prozent aller jungen Erwachsenen beteiligen sich an Wahlen – dies wegen zu komplizierter Sprache und weil die Kandidaten der Parlamentswahlen zu wenig bekannt gemacht würden. Zu diesem Schluss kommt die Studie der Abstimmungshilfeplattform Easyvote.

Für die Sprecher der Jungparteien im Kanton Solothurn ist die niedrige Wahlbeteiligung der Jugendlichen daran festzumachen, dass man diese zu wenig unterstütze. Dass das Interesse vorhanden sei, habe man durch Gespräche mit den Jungen festgestellt: Sie würden oft längere Diskussionen führen als ältere Personen und viele Fragen stellen. «Man muss Wählen erlernen. Die Jungen werden zu wenig unterstützt und mit einer Flut von Informationen überfordert», beschreibt Niels Kruse, Co-Präsident der Jungen Grünen. Der Co-Präsident der Jungen CVP, Jonas Hufschmid, fügt an: «Viele lassen sich vom Begriff der Politik abschrecken und sind sich nicht bewusst, dass die Themen, die sie interessieren, genauso zur Politik gehören.» Die komplizierte Sprache ist ebenfalls ein Knackpunkt. Juso-Präsident Matthias Enggist: «Die Sprache im Abstimmungsheft sollte für alle verständlich sein und die wichtigen Fragen übersichtlich darlegen.»

Staatskunde als Unterstützung

Zur Unterstützung der jungen Wähler fordern die meisten Jungparteien-Exponenten die Einführung der Staatskunde als Pflichtfach an Schulen. So könne der Nachwuchs die Komplexität des Abstimmens und den richtigen Umgang damit erlernen. Kruse könnte sich dieses Lernprogramm auch in Form einer Spezialwoche vorstellen. Lediglich der Jungfreisinn distanziert sich von dieser Idee. Präsident Mike Bader: «Die Jugendlichen müssen selber merken, dass sie mitmachen sollen, ich hatte Staatskunde in meiner Schulzeit und konnte davon nicht profitieren.»

Viele verschiedene Strategien

Alle Jungparteien setzen auf soziale Netzwerke wie Facebook. «Das Leben der Jungen, aber auch der Gesellschaft spielt sich heutzutage online ab», beschreibt Enggist die Strategie. Die Juso gehen auch auf die Strasse und sprechen die Jugendlichen direkt an. Enggist: «Wenn sie einen kennen lernen und man mit ihnen diskutiert, verlieren sie die Angst vor dem Unbekannten.» Die Juso wird für die Parlamentswahlen eine eigene Liste stellen. Weil so etliche junge Wähler einzelne Kandidaten von der Schulzeit kennen, könne sich dies gemäss Enggist positiv auf die Wahlbeteiligung auswirken. Dabei betonen er und Bader, dass es wichtig für die Mobilisierung sei, beim Politisieren Themen einzubringen, mit denen sich die Jungen identifizieren.

Zu diesem Zweck beteiligen sich die Jungparteien an Podiumsgesprächen in den Schulen. Die Junge CVP hat in Olten eine Vote-Party organisiert und der Jungfreisinn strebt eine neue Form der Partizipation an: «Viele können sich heute nicht mehr mit einer Partei identifizieren, deshalb werden wir bald eine liberale Bewegung gründen, ohne gross parteipolitisch aktiv zu sein. Stattdessen klären wir die Leute auf», erklärt Bader.

Digitale Abstimmung

E-Voting, das digitale Wählen, soll gemäss fast allen Jungparteien sobald als möglich eingeführt werden. Dieses spräche die Jugendlichen an, meint Kruse. Hufschmid findet jedoch die Zeit noch nicht reif für diese Wahlart: «So würden viele unüberlegt abstimmen.» Bader fände die digitale Abstimmung sinnvoll, jedoch sei die Sicherheit noch nicht gewährleistet. Anderer Meinung ist Enggist: «Die Jungen sind sich das Onlinesein gewohnt, es wird deshalb nicht zu ungenaueren Abstimmungen kommen.» Was die Sicherheit anbelange, mache er sich keine Sorgen, da auch das E-Banking funktioniere. Pascal Käser, Präsident der Jungen SVP, begrüsst die neue Abstimmungsform als Ergänzung, aber nicht als Ersatz zur bisherigen Urnenwahl.

Die Jungparteien sehen sich in der Verantwortung, die Jungen zu mobilisieren. So beschreibt auch Käser für seine Partei: «Es ist unsere Aufgabe als Jungpartei, die Jungen zum Wählen zu bewegen – nicht primär die Aufgabe der Mutterpartei. Deshalb muss die SVP auch ihre Strategie nicht ändern.»

Steigende Mitgliederzahlen

Dass ihre Mitgliederzahlen zunehmen, erklären sich die Vertreter der Jungparteien im Kanton damit, dass sie (wieder) aktiver geworden und im Vergleich zu früheren Jahren wieder besser strukturiert seien. So habe sich beim Jungfreisinn die Zahl innert eines Jahres auf 40 verdoppelt. Die Junge SVP zählt aktuell 25; die Junge CVP 30; die Juso 95 und die Jungen Grünen 53 offizielle Mitglieder.

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