Jährlich verleiht der Solothurner Regierungsrat auf Antrag des Kantonalen Kuratoriums für Kulturförderung Förderpreise für junge Kunstschaffende in verschiedenen Sparten. Dicht gedrängt verfolgte das Publikum in der Schützi Olten die Preisverleihung, die für so manchen jungen Künstler der erste Auftritt auf einer grösseren Bühne darstellt und mit je 15'000 Franken einen schönen Zustupf zum künstlerischen Weiterkommen garantiert.

Der Förderpreis Fotografie 2017 geht an Roshan Adhihetty (*1990), aufgewachsen im Kanton Solothurn, jetzt in Zürich wohnhaft. Seit 2016 arbeitet er als selbstständiger Fotograf. Aufgefallen ist Adhihetty durch seine Arbeit über Nacktwanderer. Adhihetty ist kein Fotograf der leisen Töne. Seine Fotos sind teils sehr grell, zeigen oft gesellschaftsrelevante Themen. Beispielsweise klassische Familienbilder mit homosexuellen Paaren und ihren Kindern oder handicapierte Menschen in ihrem Traumberuf. Die Fachkommission Foto und Film ist von der Beharrlichkeit und künstlerischen Tatkraft des Fotografen überzeugt.

Der Förderpreis Literatur 2017 geht an die Holderbanker Comic-Zeichnerin Nadia Bader (1980*). Zusammen mit Gabriel Andres (Texte) publizieren sie seit 2008 kleine Hefte im Selbstverlag. Seit 2014 entstehen die monatlichen Kurzgeschichten «Comic Collabs». Das Duo konnte seine Arbeit bereits an verschiedenen Festivals und Ausstellungen im In- und Ausland präsentierten. Die Fachkommission Literatur ist der Ansicht, Nadia Bader und Gabriel Andres sollten ihre Arbeit als Comic-Schaffende professionalisieren, die «Comic Collabs» weiterführen und weitere Projekte wie den Webcomic «Spark & Twig» realisieren. Deshalb erhalten die beiden den Förderpreis Literatur 2017.

Aus einem Zeichenheft von Nadia Bader.

Aus einem Zeichenheft von Nadia Bader.

Dreimal an Bildende Künstler

Ein Förderpreis für Bildende Kunst geht an Petra Bürgisser (*1988 in Muri), die in Olten lebt. Nach den Schulen absolvierte sie den gestalterischen Vorkurs in Langenthal und von 2010 bis 2013 den Bachelor of Arts in Visueller Kommunikation mit Vertiefung Fiction an der Hochschule für Design und Kunst in Luzern. Seit 2013 ist sie als selbstständige Illustratorin tätig. Petra Bürgisser ist erfolgreiche Illustratorin mit Aufträgen in der ganzen Schweiz und dem Ausland. In ihrer Absicht, mit eigenständigen Malereien ihre gestalterischen Fähigkeiten weiterzuentwickeln, sieht die Fachkommission Bildende Kunst und Architektur grosses Potential.

Petra Bürgisser illustrierte ein Musikvideo für den Song «Stardance» vom Simon Spiess Trio

Einen weiteren Förderpreis Bildende Kunst erhält Claudia Eggimann (*1985). Auch sie ist im Kanton Solothurn aufgewachsen und arbeitet heute als Designerin und Grafikerin in Zürich. Claudia Eggimann ist mutig. Denn wer ihre Kunst anschaut, erkennt die Unmittelbarkeit ihrer Aussagen und den Drang «alles raus zu lassen». Ihre Arbeiten sind in der Schnittstelle von Typografie, Digitalisierung, Design und der sensiblen Darstellung ihres Innenlebens zu verorten. Diese Arbeit möchte die Fachkommission Bildende Kunst und Architektur fördern.

Nina Heinzel (*1976), wurde in Kiel geboren und kam 2006 in die Schweiz. Die bildende Künstlerin wohnt momentan in Solothurn. Sie betätigt sich ständig an freien künstlerischen Projekten, Kunst-am-Bau-Projekten oder stellt aus. Nina Heinzel lügt gerne. Ob ihre Kunst die Wahrheit darstellt? Der Betrachter weiss es nicht. Spass macht Nina Heinzels Kunst dennoch – und ist dabei oft überraschend tiefgründig. Dabei bewegt sie sich zwischen Film, Fotografie und Storytelling. Für ihre Arbeit erhält Nina Heinzel einen Förderpreis Bildende Kunst 2017.

Prominentes Schauspiel-Talent

Die Schauspielerin Annina Euling (*1991) kam mit 11 Jahren mit ihrer Mutter, der Schauspielerin Barbara Grimm, nach Solothurn. Wohl deshalb steht Annina Euling seit ihrem fünften Lebensjahr auf der Bühne. 2016 den Bachelor of Arts in Theater mit Vertiefung Schauspiel der Zürcher Hochschule der Künste. Annina Euling ist ein junges, sehr hoffnungsvolles Talent, das eine grosse Zukunft vor sich hat. Nach ihrem Hauptabschluss möchte sie weiterhin Filme drehen, würde sich aber auch gerne im Ensemble eines Theaters in der Schweiz oder in Deutschland anstellen lassen. Ausserdem interessiert sie sich für die Arbeit einer Synchronsprecherin. Wenn sie von der Schauspielerei spricht, spürt man das «feu sacré» in ihr. Die Fachkommission Theater und Tanz möchte dieses Feuer weiter schüren.

Ein Förderpreis für Musik 2017 geht an Jonathan Faulhaber, Cellist (*1991), der in Hochwald lebt. Faulhaber hat den «Bachelor of Arts in Music» an der Hochschule Luzern erworben und wird diesen Sommer den Master an der Hochschule der Künste Bern erhalten. Jonathan Faulhaber hat in den Jahren zwischen 2013 und 2016 an sieben Meisterkursen teilgenommen. Zudem spielt er in vier verschiedenen Formationen, ist mehrmals solistisch aufgetreten und hat als Stellvertreter schon mehrmals in Musikschulen unterrichtet. «Eine meiner Stärken ist mein Durchhaltevermögen», sagt Jonathan Faulhaber von sich selbst. Die Fachkommission Musik ist überzeugt, dass ihm eine grossartige Karriere bevorsteht.

Jonathan Faulhaber (Cello) spielt Song of the Birds (El Cant dels Ocells) von Pau Casals sowie fünf weitere Stücke.

Die Saxophonistin Vera Wahl (*1989) aus Olten erhält ebenfalls einen Preis für Musik. Zurzeit absolviert sie den Master of Arts in Music Performance an der Zürcher Hochschule der Künste in der Saxophonklasse von Lars Mlekusch. Sie widmet sich mit ihrem Saxophon mehrheitlich zeitgenössischer Musik und deren Interpretation. Immer schon war es eines ihrer Ziele, mit eigenen Projekten einen Teil ihres Lebensunterhaltes verdienen und ihre Kreativität beruflich ausleben zu können. So spielt sie begeistert in den Ensembles «cokléa» und «Lunaire» sowie im «eventuell.»-Saxophonduo, die sie alle mitgegründet hat, und in erst- und höchstklassigen Blasmusikformationen mit.

Vera Wahl spielt d'accord(s) von Dieter Ammann zusammen mit Manuela Villiger

Der Förderpreis Tanz geht an Annette Kaufmann (*1983), die in Recherswil lebt. 2013 zog sie in die Schweiz und übt ihre Lehrtätigkeit am eigenen TamTam Zentrum für Bewegung, Tanz und Performance aus, wo sie auch als künstlerische Leiterin arbeitet. Sie war zuletzt in der Performance «Familie K will alles besser machen», einer Tanz-Theater-Performance-Doku-Soap, zu sehen und war im Frühling dieses Jahres Teil der ortsspezifischen Performance «Reise zum Ursprung» im Parkhaus Berntor Solothurn. Die Fachkommission Theater und Tanz möchte die junge Tanzschaffende für die Weiterführung ihrer künstlerischen Arbeit motivieren und sie anspornen, ihren eingeschlagenen Weg weiter zu verfolgen.

Annette und Oleg Kaufmann tanzen mit den Zwillingen.

Annette und Oleg Kaufmann tanzen mit den Zwillingen.

Dennis Stauffer (*1990), Dokumentarfilmer aus Solothurn wird der Förderpreis Film 2017 zugesprochen. Nach Berufsmatur und erstem Praktikum bei einer Filmproduktionsfirma begann er an der Zürcher Hochschule der Künste sein Studium, welches er letztes Jahr erfolgreich abschloss. Sein Abschlussfilm «Digital Immigrants», gewann den Publikumspreis am Kurzfilmfestival von Winterthur. Dennis Stauffer zeigt in seinen bisherigen Filmen solides Handwerk und packende Themen als spannende Dokumentarfilme. Er will diesem Genre treu bleiben und gleichzeitig weiter nach Antworten auf Fragen suchen, welche sich ihm in den bisherigen Arbeiten gestellt haben. Dennis Stauffer will sowohl die Form als auch den Inhalt seiner Dokumentarfilme ausbauen und dazu braucht er Geld und Zeit. Diesen forschenden Geist will die Fachkommission Foto und Film auszeichnen, damit er weiterhin nach Fragen und verborgenen Welten sucht und uns diese dann in packenden Filmen zeigen wird.

Der Trailer zu «Digital Immigrants», einem Kurzfilm von Dennis Stauffer

Regina Graber (*1971) aus Olten wird der Förderpreis Kulturvermittlung 2017 verliehen. Ihr langjähriges Arbeiten im Bereich Tanz, Theater und Kunst im Kanton Solothurn ist bemerkenswert. Seit einigen Jahren engagiert sie sich zudem in Kulturaustausch und Kulturvermittlung. Etwa als Mitkuratorin im «Tattarletti-inzwischen Kulturplatz» oder im Kunstverein Olten, wo sie für diverse Führungen und für die Organisation von Ausstellungen tätig ist. In ihrem neuesten Vermittlungsprojekt, «Nachlass - Saat», das mit digitalen Medien arbeitet, steht die Idee im Zentrum, vergangenes künstlerisches Schaffen in der Region sichtbar zu machen. Regina Graber steht in diesem Projekt am Anfang ihres Weges als Kulturvermittlerin.

Das Atelierstipendium nach Paris geht von Januar bis Juni 2018 an Sabrina Christ. Sie ist eine Grenchner Fotografin, die mit unkonventionellen Fotografien auf sich aufmerksam macht. Sabrina Christ ist eine Suchende, eine Erforschende, eine künstlerische Fotografin, welche auch immer wieder mit neuen Materialen arbeitet. Dabei verknüpft sie analog mit digital, baut ihre Bilder auch in die dritte Dimension, um so etwas wie Kuriositäten zu gestalten. So entstehen leicht anarchische Bilderwelten, welche uns auch ins Magische ziehen. Ob das nun Siebdrucke mit deformiertem Gemüse sind, Fotos vom Zirkus oder Bilder von einem Rockkonzert in Zürich. Der Atelieraufenthalt in Paris soll ihr die Möglichkeit geben, aus dem Alltag in Solothrun auszubrechen und in Paris einer neuen Welt zu begegnen.

Von Juli bis Dezember 2018 wird das Atelierstipendium an Patrick Bütschi, Reggaemusiker, gehen. Patrick Bütschi alias Collie Herb wurde 1986 in Bern geboren und lebt seit 17 Jahren im Kanton Solothurn. Er arbeitet unter dem Künstlernamen Collie Herb als Musiker und Textautor. Für seine Art zu arbeiten und für sein breit gefächertes Interesse ist der Atelieraufenthalt in Paris eine ideale Plattform, seine Fähigkeiten weiter zu entwickeln und durch den Austausch mit Künstlern aus anderen Sparten neue Impulse zu erhalten. Seinen Fokus würde er auf die Konzipierung und Visualisierung eines neuen Albums und eines Kurzfilms legen.

Collie Herbs Musikvideo zu «I Weiss»