Forderung
Junge CVP kämpft für die Homo-Ehe

Die Junge CVP Solothurn fordert ihre Mutterpartei heraus: Sie will das Ehe- und Adoptionsrecht für Lesben und Schwule

Gizem Meric
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Lesben und Schwule sollen das Ehe- und Adoptionsrecht erhalten, fordert die Junge CVP.

Lesben und Schwule sollen das Ehe- und Adoptionsrecht erhalten, fordert die Junge CVP.

Keystone

Eine vollständige Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare. Dies fordert die Junge CVP Kanton Solothurn in ihrem neusten Positionspapier. «Die Ehe soll in den Augen der Jungen CVP Kanton Solothurn nicht ausschliesslich heterosexuellen Paaren zugänglich sein», schreibt sie darin.

«Wir sehen es als unsere Pflicht an, die bestehende Diskrimination zu beseitigen und allen sich liebenden Paaren den Bund der Ehe zu ermöglichen», sagt Vorstandsmitglied Boris Lisser. Jeder sollte, unabhängig von seiner sexuellen Orientierung, eine Familie gründen können. Folgerichtig wäre dies auch die Erlaubnis der allgemeinen Adoption und der Stiefkindadoption durch gleichgeschlechtliche Ehepaare.

«Klar ist für die Junge CVP Kanton Solothurn, dass das Wohl des Kindes im Zentrum stehen muss», heisst es bei der Jungpartei. «Gerade für Kinder in Notlagen ist eine Adoption der Weg in ein besseres Leben und die Möglichkeit, Zugang zu finden zu einer liebenden Familie.» Das Geschlecht der Adoptiveltern spiele dabei eine untergeordnete Rolle.

Simon Grünig, Co-Präsident der Jungen CVP Kanton Solothurn, hofft, dass mit dieser Vorlage die Diskussion ebenso von den Mutterparteien auf kantonaler und nationaler Ebene aufgenommen wird.

Wie eine Familie

Tatsächlich dürfte diese Haltung der Jungen CVP Solothurn nicht ohne Brisanz sein, denn die Schweizer CVP hat bei ihrer Initiative zur Abschaffung der Heiratsstrafe eben erst gezeigt, wie wichtig Teilen der Partei die Definition der Ehe als Verbindung von Mann und Frau ist.

«Die Forderung der Jungen CVP geht manchen sicher zu weit. Deshalb sind Meinungsverschiedenheiten nicht immer zu umgehen», sagt denn auch CVP-Kantonalpräsidentin Sandra Kolly. «Somit wird das Thema in der Zukunft sicherlich auch eine Diskussion auf nationaler Ebene auslösen.» Die Kantonsrätin zieht, geht es um das Verhältnis zwischen CVP und Junge CVP, die Familie als Beispiel heran: In einer Familie würde es auch oftmals zu Diskussionen kommen, wobei die Eltern und ihre Kinder nicht immer gleicher Meinung sind. «Die Junge CVP ist aber eigenständig und sehr aktiv. Deshalb erfreuen wir uns sehr an ihr», sagt Kolly.

Forderung wird beachtet

Zu der Frage, wie die Mutterpartei zu dieser neuen Forderung steht, kann noch keine konkrete Antwort gegeben werden. «Die Forderung wird auf jeden Fall zur Kenntnis genommen und an der nächsten Vorstandssitzung thematisiert», sagt Sandra Kolly.

Warum prescht die Junge CVP gerade jetzt, so kurz nach der Anti-Heiratsstrafe-Initiative, mit dieser Forderung vor? Will sie einen Kontrapunkt zum eher konservativeren nationalen Parteipräsidenten Gerhard Pfister setzen? Co-Präsident Luca Strebel betont, dass die Junge CVP eine eigenständige Partei mit eigenen Wertvorstellungen sei. «Wir unterstützen die Abschaffung der Heiratsstrafe und damit die Volksinitiative der CVP. Jedoch gaben wir auch bereits damals bekannt, dass wir dies explizit nicht als Zustimmung zu der beinhalteten Ehedefinition, welche die Ehe als Gemeinschaft zwischen Mann und Frau festsetzte, verstanden. Diese Definition hielten wir somit für das Anliegen nicht für förderlich», sagt Strebel.

Wie die Mutterpartei auf die Forderung reagieren wird, ist ihm noch nicht bewusst. «Wir sind aber auf die Reaktionen gespannt.»

Auch auf die Frage, wie die Rückmeldung von CVP-Präsident Gerhard Pfister ausfallen könnte, gibt es noch keine konkrete Antwort. «Gerhard Pfister weiss, dass die Junge CVP Solothurn nicht immer gezwungenermassen die gleiche Meinung wie die Mutterpartei vertreten muss», sagt Strebel. Pfister werde die Forderung aber sicherlich zur Kenntnis nehmen und die Jungen weiterhin ihre Arbeit machen lassen.

Noch eine Abweichung

Bezüglich der eidgenössischen Abstimmungen vom 5. Juni befolgt die Junge CVP Solothurn die Empfehlungen der nationalen Jungen CVP und lehnt sowohl das bedingungslose Grundeinkommen als auch die Service-Public-Initiative und die Milchkuh-Initiative ab.
Unterstützt wird jedoch die Asylgesetzrevision. Und im Gegensatz zur kantonalen CVP sagt die Junge CVP Ja zum Fortpflanzungsmedizingesetz.