Wahl-Paar
Jung und konfessionslos gegen pensioniert und bibeltreu

CVP-Frau Herolinda Rexhepi hat Eltern, die aus einem muslimischen Land in die Schweiz eingewandert sind. Eduard Winistörfer (EDU) möchte die (muslimische) Zuwanderung begrenzen. Was passiert, wenn die beiden aufeinandertreffen?

Lucien Fluri
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Lockerer Fototermin: Jung-CVP-Kandidatin Herolinda Rexhepi hatte einst Boxunterricht, EDU-Kantonalpräsident Eduard Winistörfer ist es ruhiger angegangen: Er ist früher gesegelt.

Lockerer Fototermin: Jung-CVP-Kandidatin Herolinda Rexhepi hatte einst Boxunterricht, EDU-Kantonalpräsident Eduard Winistörfer ist es ruhiger angegangen: Er ist früher gesegelt.

Hansjörg Sahli

Herolinda Rexhepi ballt ihre Hände zu Fäusten und knallt sie dem noch immer lächelnden Eduard Winistörfer vor das Gesicht. Hier steht eine Frau, die einmal Boxunterricht hatte, das sieht der EDU-Mann sofort. Fotoshooting für die Wahlserie dieser Zeitung.

Kommt es auch drinnen an der «Wahlbar» zum Schlagabtausch? Kandidatenduell Nummer 1 der Serie verspricht Hochspannung pur. Da treffen Gegensätze aufeinander. Hier Jung-CVP-Kandidatin Herolinda Rexhepi, die 22-jährige Pflegehelferin, deren Eltern einst aus dem muslimisch geprägten Kosovo in die Schweiz kamen. Verheiratet, aufgewachsen und eingebürgert in Solothurn.

Dort Eduard Winistörfer (67), pensionierter Verkaufsleiter. Kantonalpräsident der EDU. Wohnort: Winistorf. Heimatort: Winistorf. Seine Politik orientiert sich an den zehn Geboten. Seine Partei will keine Ausbreitung des Islams in der Schweiz.

Die Wahlserie Ab heute bringt diese Zeitung in der Serie «Wahlpaar» wöchentlich zwei oder drei Kandidaten aus allen Parteien zusammen: Jung und alt, Seconda und Bürgergemeindepräsident, Gewerbler und Akademiker, Altgedienter und Nachwuchshoffnung.

Die Wahlserie Ab heute bringt diese Zeitung in der Serie «Wahlpaar» wöchentlich zwei oder drei Kandidaten aus allen Parteien zusammen: Jung und alt, Seconda und Bürgergemeindepräsident, Gewerbler und Akademiker, Altgedienter und Nachwuchshoffnung.

AZ

Mann gegen Frau, Seconda gegen Bürgergemeindepräsident, konfessionslos gegen Christ. Das sind spannungsreiche Gegensätze. Doch das Duell beginnt freundlich. Von Nervosität keine Spur. Winistörfer trägt fein säuberlich vorbereitete Dossiers in der Ledermappe mit sich. Rexhepi checkt Fakten auf dem Handy.

Bei der restriktiven Ausländerpolitik schlägt Eduard Winistörfers Politprofil aus. Ist es ihm unangenehm, wenn er Herolinda Rexhepi auf einer Wahlliste der Jungen CVP sieht? «Ich bin grundsätzlich froh, wenn sich Junge engagieren, auch wenn die Werte nicht hundertprozentig übereinstimmen», sagt er. Und betont: Er hat nichts gegen Ausländer. Doch wenn er das sagt, schiebt er manchmal noch ein «aber» nach. «Sie müssen aber wissen, dass sie in ein Land kommen, das auf christlichen Werten basiert. Dass sie hier nicht nur zu Gast sind, sondern unsere Werte respektieren und auch etwas leisten müssen.» Seine Partei möchte eher verfolgte Christen aufnehmen denn Muslime. Doch hätte er denn auch Herolinda Rexhepis Familie in der Schweiz aufgenommen, als sie in den Jugoslawien-Wirren fliehen musste? «Das war eine andere Zeit, die Sachlage war während des Jugoslawien-Krieges klar», sagt Winistörfer. «Aber ich in dagegen, dass man ohne Selektion alle Leute in die Schweiz lässt. Es kommen vor allem junge Männer.» Eduard Winistörfer hat ein Dossier mitgebracht. Auf 9 Mio. Einwohner könnte die Schweiz bis 2023 anwachsen. Das beschäftigt ihn.

Nie Probleme als Seconda

Herolinda Rexhepi blickt freundlich, wenn Eduard Winistörfer solches ausspricht. Kein Widerspruch, kein Dreinreden. Sie erzählt dann, wie ihre Familie schon vor ihrer Geburt in die Schweiz kam. Sie ist überzeugt: Sie hatte als Seconda nie Probleme, weil sie so gut integriert ist. «Wenn mich jemand nicht nach dem Namen fragt, merken sie gar nichts davon», sagt sie in breitestem Dialekt. Leistung ist ihr wichtig. Mit 22 ist sie Pflegehelferin und Versicherungsberaterin. «Das Wichtigste ist für mich, ein gutes Beispiele für alle diejenigen zu sein, die zu wenig integriert sind.»
Ihr Politprofil schlägt beim Stichwort «umfassender Sozialstaat» aus. Sie fordert eine gute Integration für Ausländer und genügend günstige Krippenplätze für alleinerziehende Mütter. In diesem Punkt widerspricht ihr Eduard Winistörfer nicht. Er setzt einfach ein «aber» hintenan. «Krippenplätze ja, aber der Allgemeinheit dürfen nicht zu viele Kosten aufgebürdet werden.» – «Keinen Kita-Platz zu haben geht letztlich auch in unser Geld, wenn Mütter deswegen nicht arbeiten können», kontert sie.

Kontroverse Minarettverbot

Das Gespräch bleibt freundlich, die beiden widersprechen sich kaum. Kontroverse Worte scheuen sie nicht: Statt Eklat gibt es bei der vielleicht heikelsten Frage ein grosses Staunen. «Ein Minarettverbot in der Schweiz: Das ist ganz klar gut», sagt Herolinda Rexhepi, die muslimische Wurzeln hat. Sie weiss, dass dies nicht bei allen ihren Freunden gut ankommt. Sie findet, dies sei in muslimischen Ländern angebracht, aber nicht hier. Ihre Meinung ist klar, kontroverse Worte scheut sie nicht und bringt sie mit einem Lächeln hervor. Sie findet auch, die Zeiten seien heute vorbei, in denen Menschen aus dem Kosovo Asyl erhalten sollen. Eduard Winistörfer lächelt. Solche Aussagen gefallen ihm. Er ergänzt: «Ich habe kein Problem mit Muslimen. Aber ich bin gegen den Machtanspruch des Islams.

Das Minarett ist ein Symbol dafür.» Manchmal sind sich die zwei in der Ausländerpolitik einig, obwohl ihre Geschichten so unterschiedlich sind. Herolinda Rexhepi wurde im Elternhaus politisiert. Die Geschichte beginnt im Kosovo. Ihr Vater musste 1989 wegen politischer Aktivitäten «gegen die Unterdrückung durch die Serben» fliehen. In der Schweiz engagierte er sich weiter, er gründete einen Verein, um die Liberal-Demokratische Liga für den Kosovo zu unterstützen. «Wir haben zuhause aber auch über Schweizer Politik diskutiert», sagt sie.

Auch Eduard Winistörfer hat über die Familie den Weg zur Politik gefunden. Er begleitete seine Frau, als sie zur Freikirche ging, weil er sicherstellen wollte, dass sie nicht zu einer Sekte geht. «Ich traf ganz normale Leute, die ganz freiwillig dort sind», sagt er heute. Die EDU lag dann als politische Partei nahe, als sie 2008 im Kanton wieder gegründet wurde. Trotzdem: Eigentlich ist Winistörfer ein Spätberufener in der Politik. «Der Arbeitgeber wollte ein politisches Engagement nicht.» In der kleinen EDU geht es familiär zu: Neben Eduard Winistörfer sind auch schon seine Frau und einer seiner beiden Söhne schon als Kandidaten angetreten.

Am Ende überreicht Eduard Winistörfer der Jungpolitikerin ein Positionspapier der EDU, damit sie sich ein besseres Bild von der Partei machen kann. «Könnten Sie mich denn in der EDU vorstellen?», fragt Rexhepi mit lautem Lachen doch etwas ungläubig. Eduard Winistörfer schmunzelt. «Wir können jedenfalls mal darüber reden.» Sie werden sich wohl auf freundliche Art nicht einig werden. Wie in diesem Gespräch.

Herolinda Rexhepi: Nicht-Christin in der CVP Wie kommt eine junge konfessionslose Frau mit muslimischen Wurzeln ausgerechnet zur CVP, die das christliche Bekenntnis im Namen trägt? Die Frage musste sich Herolinda Rexhepi schon mehrmals anhören. Da ist einerseits die Erwartung, dass Secondos bei der SP sind. Und da gab es auch Stimmen aus der CVP, die die Frage stellten. Aber zu den «Leuten in der CVP, die nach rechts tendieren» will Rexhepi nicht gehören. Die Erklärung ist einfach: Ihr Vater politisierte, als Jugoslawien auseinanderzufallen begann, in der LDK, der Liberal-Demokratische Liga für den Kosovo. «Die LDK und die CVP vertreten die gleichen Werte», sagt Rexhepi, deren Politprofil (r.) den Einsatz für einen umfassenden Sozialstaat zeigt. (lfh)

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vimentis.ch
Eduard Winistörfer: Gegen das Klischee «SVP plus Bibel» SVP plus Bibel» ist das Klischee, gegen das sich die EDU wehren muss. Seit ihrer Neugründung 2008 versucht die Partei in der kantonalen Politik Fuss zu fassen, kratzt aber nach wie vor an der 1-Prozent-Marke. «Langsam werden wir wahrgenommen», sagt Präsident Eduard Winistörfer. Doch die Parteibasis ist dünn. Die Familie Winistörfer engagiert sich stark. Die EDU vertritt ähnliche Positionen wie die SVP, wie auch das Politprofil von Präsident Winistörfer (Grafik rechts) zeigt. Die EDU betont aber ihr christliches Fundament. Unterschiede zur Volkspartei gibt es etwa n der Fortpflanzungsmedizin. Dort hat die EDU restriktivere Positionen, sie ist auch gegen die Liberalisierung der Sonntagsarbeitszeiten. (lfh)

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