Ab 1. August muss man bei vielen Jugendlagern und Jugendsportvereinen kürzertreten, weil dann von Jugend+Sport (J+S) weniger Beiträge ausbezahlt werden. Viele Organisationen realisieren das gar nicht recht. Denn viele trifft es dieses Jahr noch nicht. Oder ihre Planung für das Herbstlager liegt noch in weiter Ferne. So zum Beispiel bei Jungwacht/Blauring Derendingen, die im Herbst ins Lager ziehen. Julia Knuchel vom Leiterteam: «Unsere Schar und ich haben uns noch gar nicht mit dem Thema auseinandergesetzt, da wir das Lager noch nicht geplant haben.»

Bei der Pfadi Bettlach muss man beim Sommerlager noch nicht sparen. Doch Abteilungsleiter Alain Imoberdorf macht sich erste Gedanken, wie es nächstes Jahr laufen wird: «Wir werden wohl die Elternbeiträge erhöhen müssen. Eine Möglichkeit wäre, sich mit der Gemeinde zusammenzusetzen, um Lösungen zu finden. Eventuell könnten wir noch etwas beim Nahrungsmittel-Bezug aushandeln.» Auch bei Jungwacht/Blauring Bellach spürt man dieses Jahr noch nichts von den Kürzungen.

Lara Menth vom Leiterteam erklärt: «Uns betrifft dies momentan nicht, weil wir unser Lager ohne J+S durchführen.» Sie hätten derzeit keinen Leiter mit Scharleiterkurs, was Voraussetzung für den Bezug von J+S-Geldern wäre. Ein solcher Kursbesuch sei nun vorgesehen, um im nächsten Jahr ebenfalls J+S-Beiträge zu erhalten. Weiter meint sie: «Ich finde es bedauerlich, dass man im sozialen Bereich Kürzungen vornehmen muss.» 

Jungwacht/Blauring Luterbach gehen knapp nach dem Stichtag ins Lager, nämlich vom 2. bis 8. August mit gegen 25 Kindern ins schwyzerische Rickenbach. «Wir werden für das diesjährige Lager mehr Sponsoring betreiben», erklärt Co-Scharleiter Patrick Simon. «Die Eltern und Kinder sollen aus unserer Sicht deswegen nicht mehr bezahlen oder auf etwas verzichten müssen. In diesem Jahr wird der Lagerbeitrag deshalb nicht erhöht.» Wie es nächstes Jahr aussehen wird, ist noch offen: «Für uns bedeuten die Kürzungen Mehraufwand, und wir finden sie natürlich nicht toll.»

Sponsoring als Ausweg

Rebekka Matter-Linder von der Jugendarbeit Unterleberberg, die das JaUL-Lager organisiert, ist dieses Jahr nicht betroffen, da ihr Lager in Prêles vom 5. bis 11. Juli stattfindet. Matter-Linder ist allerdings besorgt: «Das ist krass. Das ist sehr viel Geld.» Sie spricht soziale Aspekte an: «Wir können ja nicht einen Lagerbeitrag erheben, der das ganze Lager abdeckt.» Es müsse eine Höhe sein, die erlaube, dass möglichst alle Kinder teilnehmen können. Wie das fehlende Geld kompensiert werden könnt, sieht Matter-Linder kaum noch Spielraum: «Man kann beim Weg sparen, indem man einen möglichst kurzen Anfahrtsweg wählt. Und bei der Unterkunft. Aber sonst gross sparen kann man nicht. Das Essen ist gegeben, da sind wir sonst schon tief drin.»

Man könne nicht wie bei einem Unternehmen die Löhne kürzen, weil es die hier – bei ehrenamtlicher Arbeit – gar nicht gebe. Eine Option sieht sie noch: «Wir müssen mehr auf Sponsorensuche gehen.» Allerdings könne es auch nicht sein, dass die Jungleiter auch noch Sponsoren suchen müssen: «Die leisten so schon viel.» Zu befürchten sei, dass die Leiter dann gar nicht mehr mitmachen würden. Matter-Linder sieht ihr Lager nicht gefährdet: «Wir führen das Lager gleichwohl durch. Aber der Aufwand wird viel grösser, das Geld irgendwo zu suchen.»

«Wir haben nicht mehr Geld»

Kurt Henauer, Sprecher des Bundesamts für Sport (Baspo), meint: «Es kann nicht sein, dass ein Verein nur auf die J+S-Gelder abstellt. Mit 7.60 Franken im Tag ist das Lager ja noch nicht bezahlt.» Henauer findet die Kürzungen relativ zu einem Familienbudget gesehen nicht so gravierend. «Ich verstehe die Problematik der Ehrenamtlichkeit und dass die ein bisschen ins Schleudern kommen.» Dem Baspo seien die Hände gebunden: «Fakt ist, dass wir nicht mehr Geld haben. Und jenes, das wir haben, müssen wir auf jene Kinder verteilen, die kommen. Wenn mehr kommen, dann geht es nicht anders.»

Es sei ja erfreulich, dass die J+S-Angebote derart grossen Anklang fänden. Aber die Zahl der Teilnehmenden sei halt nie zum Voraus absehbar. Die Beitragsanpassung sei erstmalig erfolgt. «Es war jetzt wirklich ausserordentlich.» Henauer glaubt, dass es nicht noch einmal solch plötzliche Anpassungen geben werde.

Sportvereine hart getroffen

Jugendsportvereine werden von den Kürzungen auch hart getroffen. Ronald Vetter, Chef Nachwuchs beim Fussballclub Solothurn: «J+S ist unser Hauptsponsor! Es macht etwa ein Drittel des gesamten Nachwuchsbudgets aus.» Denn der Kanton und die Stadt Solothurn verdoppelten den J+S-Beitrag, und zwar aus dem Sportfonds beziehungsweise durch Entschädigung für die hohen Gebühren der Nutzung der Sportanlagen. «Wir werden ab der kommenden Saison demnach 25 000 Franken weniger haben.» Das Bemühen um mehr Sponsoring ist die Folge. Oder noch mehr Einsparungen, wobei das kaum mehr möglich sei: «Es wird daher zusehends schwieriger, die Nachwuchsförderung aufrechtzuerhalten.»

Immerhin: Freude und Hoffnung weckten etwa bei Rebekka Matter-Linder von der Jugendarbeit Unterleberberg die Reaktionen der Jungen auf Social Media samt Unterschriftensammlungen. «Ich hoffe schon, dass diese Mobilisierung etwas bringt. Die Hoffnung stirbt zuletzt.»