Wie reagiere ich, wenn ich Gewalt beobachte? Sage ich etwas, wenn die Frau neben mir im Bus rassistische Äusserungen von sich gibt? Und was? Im Alltag Menschlichkeit zu leben ist nicht immer einfach. Wie es doch möglich ist, das war am Samstag Thema am «Power of Humanity Tag» in Solothurn. Für den vom Schweizerischen Roten Kreuz (SRK) organisierten Anlass sind am Samstag Jugendliche aus der ganzen Schweiz nach Solothurn gereist. Ziel des Tages: Mit Unterstützung der Rapper Manillio aus Solothurn und dem Jurassier Sim’s ein Lied zum Thema zu schreiben.

«Uns geht es darum, die Jugendlichen für die 7 Rotkreuzgrundsätze und das Thema Menschlichkeit zu sensibilisieren», erklärt Myriam Fojtu, die beim Schweizerischen Roten Kreuz für das Thema Grundsätze zuständig ist. Neben der Menschlichkeit sind dies Unparteilichkeit, Freiwilligkeit, Neutralität, Universalität, Unabhängigkeit und Einheit. Die Musik sei dabei Transportmittel für die Botschaften. Ab dem 20. Mai wird das Rote Kreuz das Lied, das am Samstag geschrieben und intoniert worden ist, in Videoform auf den sozialen Medien veröffentlichen.

Hier ein Eindruck vom Anlass

Bedürfnis, gehört zu werden

Rapper Manillio, für den der Anlass auf dem Attisholz-Campus quasi ein Heimspiel ist, hat sichtlich Spass an der Arbeit mit den Jugendlichen. «Ich bin beeindruckt, wie engagiert sie sind», sagt er. «Ich glaube, es ist wirklich ein Bedürfnis da, gehört zu werden.» Während er beim Schreiben der deutschen Texte hilft, unterstützt Kollege Sim’s die Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus der Romandie, denn das Lied wird zweisprachig aufgenommen.

Eine der teilnehmenden Jugendlichen ist die 19-jährige Dilan aus Basel. Musik schreiben und Songs intonieren ist ein Hobby, dem sie neben dem Weg zur Berufsmatur viel Zeit widmet, wie sie sagt. «Ich habe viel Neues gelernt», sagt sie. Mit Rap habe sie zwar eigentlich nichts am Hut. Aber: «Manillio hat mir eine ganz andere Art gezeigt, wie man einen Song aufbauen kann, das war sehr spannend.»

Anders als für Dilan ist für den 22-jährigen Axel aus Luzern Musik mehr als ein Hobby: Er will sich eine Karriere aufbauen. Den Weg nach Solothurn hat er auf sich genommen, weil er sich musikalisch weiterentwickeln will. Beeindruckt hat ihn letztlich aber vor allem das Rollenspiel «One Step Forward», ein Teil des Rahmenprogramms. «Beim Spiel ging es bei meiner Rolle darum, welche Chancen ich als Einwanderer aus Mali hätte. Es war krass zu sehen, wie unterschiedlich die Ausgangslage ist.»

«Die Auseinandersetzung mit den Rotkreuz-Grundsätzen und vor allem dem Thema Menschlichkeit ist aus meiner Sicht gelungen», findet Rapper Manillio am Ende des Tages. Und die Botschaft des Songs? «Für mich ist sie klar», sagt der Solothurner, «nämlich, dass es für mehr Menschlichkeit alle braucht. Die Person, die etwas ändern kann, bist du». (mgt)