Theater

Jugendliche geben Einblicke ins historische Rotlichtmilieu

Hinten, v.l. Diana Weissbaum, Samira Oulouda, Silvana Grellmann, Thanuja Sithamparam, Alina Ebner. Vorne: Jana Zimmermann und Yann Schlegl.

Hinten, v.l. Diana Weissbaum, Samira Oulouda, Silvana Grellmann, Thanuja Sithamparam, Alina Ebner. Vorne: Jana Zimmermann und Yann Schlegl.

Der Jugend-Theaterkurs des Theaters Mausefalle in Zuchwil führt «Die Bettleroper» als Abschlussproduktion auf. Das Werk aus dem 18. Jahrhundert spielt im historischen Rotlichtmilieu und ist mit Gesangseinlagen versetzt. Eine sehenswerte Inszenierung.

Nico Barth, bereits seit einigen Jahren an dieser Ausbildung beteiligt, hat den aktuellen Kurs allein verantwortet. Die Auswahl des Abschlusswerkes richtet sich nach der Teilnehmerzahl des Kurses, sodass alle eine Rolle haben. So ist denn diesmal die Wahl auf das personenreiche Werk aus dem frühen 18. Jahrhundert gefallen. Bemerkenswert, dass alle Mitwirkenden über Gesangsqualitäten verfügen. Schöne Arrangements der Massenszenen erfreuen das Auge und die eingängigen Melodien der Gesänge das Ohr.

Herausforderung und Freude

Theaterarbeit mit Jugendlichen bedeutet für Nico Barth sowohl eine Herausforderung als auch Freude. Bei der Rollenverteilung versucht er auch, die Leute entgegen ihres Typs einzusetzen, damit sie lernen, sich in andere Charaktere hineinzudenken. Erstmals auf der Bühne der Mausefalle standen Benedek Kalotay (Mauser), Yann Schlegel (Auerhahn) und Maleewan Drieghe (Strassenlude), den Sprung vom Kinderkurs in den Jugendkurs schafften Gioia Clavijo (Falschmünzer) und Maleika Bussinger (Kellnerin).

Alle fügten sich gut ins Ensemble ein. Yann Schlegel hat seine grosse Rolle ziemlich kurzfristig für einen ausgefallenen Darsteller übernehmen müssen. Er hat sich bereits in seiner Schulzeit an der Rudolf Steiner Schule fürs Theater interessiert und später an der Kantonsschule den Theaterkurs bei Reto Sperisen belegt. Er freut sich, wieder zum Theaterspiel zurückgefunden zu haben.

Auerhahns Mit- und Gegenspieler

Auerhahn, ein Glücksspieler und Kleinkrimineller, dem weiblichen Geschlecht mehr als nur zugetan, hat sich mit Polly (Sofia Mészàros) und Lucy (Nina Spiegel) gleich an zwei Frauen gebunden, was ihn aber nicht davon abhält, ins Freudenhaus zu gehen und sich dort mit Frau Zanker (Alina Ebner), Frau Süssholz (Thanuja Sithamparam), Betty Bettel (Samira Oulouda), Jenny Klau (Diana Weissbaum) und Molly Schamlos (Jana Zimmermann) zu vergnügen.

Ferner machen wir auf der Bühne die Bekanntschaft mit dem Hehler und Polizeispitzel Schwärzer und seiner Frau (Freddy Vestergaard und Sophie Nifeler), den Eltern Pollys, mit der Gefängniswärterin Schlüssel (Léonie Schütz), der Mutter Lucys, den Räubern Mauser, Strassenlude, Walz-Michel und Falschmünz, der Spielhöllenbesitzerin Frau Strich (Silvana Grellmann) und dem Gefängnisaufseher (Joseph Tschudin, welcher auch den Walz-Michel spielt). Die Rahmenhandlung wird vom Bettler getragen. Lukas Rhiner verkörpert diese Figur, begleitet am Piano auch die Gesangsnummern und hat, zusammen mit Jana Zimmermann, deren Einstudierung übernommen.

Das einfache, zweckmässige und durchaus fantasievolle Bühnenbild ist eine Gemeinschaftsarbeit unter der Leitung von Léonie Schütz, ebenso die Kostüme unter der Leitung von Nina Spiegel. Die Textbearbeitung lag in den Händen von Nico Barth, Lukas Rhiner und Jana Zimmermann, welche auch dafür verantwortlich sind, dass die Handlung in Solothurn spielt. So ist denn in der Inszenierung von Nico Barth eine Aufführung entstanden, welche zeitlos wirkt und dem Original vermutlich recht nahe kommt.

Eine Oper für Bettler

John Gay (1685–1732) schrieb das Libretto zur Musik von Johann Christoph Pepusch und die Uraufführung fand 1728 im Lincoln’s Inn Theatre in London statt. «The Beggar’s Opera» wurde als Gegenstück zu den ausstattungsreichen Barockopern von Händel konzipiert und die Rollen waren teilweise satirische Anspielungen auf damalige englische Politiker. In der Produktion der Mausefalle wird die Originalmusik verwendet, die sich an populären Melodien der damaligen Zeit orientierte.

Weitere Aufführungen: Fr/Sa 16./17. Oktober, je 20 Uhr; So 18. Oktober, 17 Uhr; Fr/Sa 23./24. Oktober, je 20 Uhr im Theater Mausefalle in Zuchwil

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