Jubiläum
Tanzperformance im Attisholz-Areal: Natur, dort wo wir uns hinträumen

Mit der Tanzperformance «Traumlandschaft» zelebriert die Compagnie El Contrabando von Anet Fröhlicher ihr 20jähriges Bestehen.

Fränzi Zwahlen
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Die Tanzcompagnie El Contrabando von Anet Fröhlicher führt ihre Tanzperformance «Traumlandschaft» auf.
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Damit wird das 20jährige Bestehen der Tanzcompagnie gefeiert.
Die Outdoor-Performance wurde extra für die ehemaligen Klärbecken des Attisholz-Areals erarbeitet.
Langsam, zaghaft sind Klänge von Gitarrensaiten zu hören.
Zu Beginn des Tanzes holen die fünf Tänzer aus den von Reto Emch aufgestellten schwarzen Waschmaschinen lange, farbige Tücher.
Die Tänzer lösen sich aus ihren Verstecken...
... und beginnen die Wege zwischen den Pflanzen zu bespielen.
Immer wieder finden die Tänzer Zuflucht in den Pflanzen.
Mit dieser «Traumlandschaft» ist Anet Fröhlicher und ihrer Compagnie eine aussergewöhnliche Performance gelungen.

Die Tanzcompagnie El Contrabando von Anet Fröhlicher führt ihre Tanzperformance «Traumlandschaft» auf.

Michel Lüth

Die verschiedenen ehemaligen Klärbecken im Attisholz-Areal werden derzeit für Reto Emchs Installationen «Arpeggio» genutzt. In einem dieser Becken, welches von üppigen Bambusstauden bewachsen ist, führt die Tanzcompagnie El Contrabando von Anet Fröhlicher ihre Tanzperformance «Traumlandschaft» auf. Damit wird das 20jährige Bestehen der Tanzcompagnie gefeiert.

Diese Outdoor-Performance wurde von der künstlerischen Leiterin geanu für diesen Ort erarbeitet. «Sie zeigt fein auf, wie die Renaturierung einer Industriebrache einen Ort wieder beseelt, wie ein Ort der kalten Funktionalität in eine Traumlandschaft zurückgeführt wird, in welcher die hellen Sinne geweckt werden», sagt Fröhlicher und ergänzt:

«Es ist wie ein Nachhausekommen, ein Traum, eine Einkehr. Ein Tanztraum in einer Industriebrache-Traumlandschaft. Tanz zwischen Rhythmus, Schwingung und Resonanz, in den Körpern, im Raum, in den Seelen; einem Duktus folgend, der sich unserem Daseinslogos entzieht.»

Bambusstauden werden zum Tanzrefugium

Zu Beginn des Tanzes holen die fünf Tänzer aus den von Reto Emch aufgestellten schwarzen Waschmaschinen lange, farbige Tücher. Es ist still, keine Musik ist zu hören. Die Tücher werden auf dem Gelände ausgebreitet, jeder Tänzer erobert sich so sein Refugium. Die Tänzer steigen zwischen die dichten Pflanzen und beginnen darin, sich zu bewegen. Sie bewegen auch die Bambusstauden abwechselnd und sorgen so für eigentümliche Töne. Langsam, zaghaft sind Klänge von Gitarrensaiten zu hören. Doch wo steckt der Musiker Benedikt Henzi, der spielt? Auch er sitzt versteckt in einem dichten Bambusstrauch. Die Tänzer lösen sich aus ihren Verstecken, beginnen die Wege zwischen den Pflanzen zu bespielen. Zuerst noch langsam, später immer schneller und fordernder.

Bruchstücke von Flamencobewegungen und -Musik

Sie bewegen sich in flamenco-artigen Gesten und Bewegungen - zunächst nur angedeutet, doch dann immer besser erkennbar. Es sind eben nur Bruchstücke von Flamencobewegungen, auch die Musik folgt diesem Vorgehen und spiegelt das Tänzerische wider. Die Tänzer klatschen hin und wieder einen Flamenco-Rhythmus, schnippen mit den Fingern. Doch nie kommt es zum eigentlichen, mitreissenden Tanz.

Es deuten sich Paarungen an, die aber nur kurz in einen Dialog treten, die sich ganz schnell wieder trennen. Jeder ist doch eigentlich alleine, muss seinen Weg alleine gehen. Immer wieder finden die Tänzer Zuflucht in den Pflanzen, in den von der Natur eroberten Bereichen. Dort scheint sich der Mensch also wohl zu fühlen, dorthin zieht er sich zurück. Dort ist er nicht angreifbar.

Die Abendstimmung, die Dämmerung beginnt das Regime zu übernehmen. Nach gut dreissig Minuten begeben sich die Tänzer wieder zu ihren ausgebreiteten Stoffbahnen, heben sie auf und stopfen sie zurück in die Waschmaschinen. Die Realität hat alle wieder eingeholt - die Tänzer und die Zuschauer gleichermassen.

Mit dieser «Traumlandschaft» ist Anet Fröhlicher und ihrer Compagnie eine aussergewöhnliche Performance gelungen, die natürlich sehr von dem Ort, den ausrangierten Klärbecken, die sich die Natur zurückholen, lebt.

Weitere Aufführungen von «Traumlandschaft»: 16.8, 17.8 und 18.8. jeweils 20 Uhr. Nur bei trockenem Wetter. Im Haus der Kunst, Solothurn ist am 14.8. und 19.8. die Produktion «No Tears» jeweils ab 20.30 Uhr sehen. Infos: www.contrabando.ch und www.hausderkunst.ch

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