Gegen 50 Mitglieder der CVP 60+ des Kantons Solothurn wollten wissen, wie sich die vierte industrielle Revolution erfolgreich gestalten lässt. Als Referent trat Josef Maushart, CEO Fraisa SA und CVP-Kantonsrat auf. Was er den zu berichten wusste, liess die Anwesenden teilweise mit dem Gefühl zurück, ganz glücklich zu sein, nicht mehr im aktiven Berufsprozess eingebunden zu sein.

Eine der wesentlichsten Folgen fasste Maushart so zusammen: «Wir machen nicht das Bisherige noch schneller oder besser, sondern wir machen etwas ganz anderes». Deshalb würden Geschäftsmodelle schlicht weggefegt und durch neue ersetzt. Die weltweit grössten Firmen besitzen nämlich eigentlich nichts. Sie vermitteln nur. «Uber ist das grösste Taxiunternehmen der Welt, besitzt aber kein einziges Taxi.» Ähnlich ist es mit Airbnb oder booking.com. Beide vermitteln weltweit Übernachtungsmöglichkeiten, besitzen aber weder Wohnungen noch Hotels. «Geschäftsmodelle der digitalen Welt sind betriebswirtschaftlich solchen der analog-physischen Welt grundsätzlich überlegen.» Die Kosten bleiben praktisch gleich, unabhängig davon, wie viele Menschen das Angebot nutzen. Für Maushart ist es nur eine Frage der Zeit, dass eines dieser Unternehmen die Marke von 1000 Milliarden Dollar Umsatz knackt.

In der Arbeitswelt überfordert die Geschwindigkeit des Wandels immer mehr Menschen. Trotzdem: «Die Firmen müssen den Wandel eher beschleunigen, wenn sie überleben wollen.» Weder unser Bildungssystem noch die Arbeitslosenversicherung sind heute auf diese rasanten Veränderungen ausgerichtet. Schlecht Ausgebildete oder nur Angelernte müssten sich zwingend weiterbilden, wenn sie nicht unter die Räder kommen wollen. Dadurch verstärke sich der Trend zur Vermögens- und Einkommensungleichheit weil das mit dem Einsatz von Arbeitszeit erzielte Einkommen zunehmend durch unternehmerisches Tun und Investitionen in Unternehmen überflügelt werde. «Im Endeffekt findet eine enorme Vermögenskonzentration bei wenigen Menschen statt», so Maushart.

Verbunden mit dieser digitalen Revolution entstünden aber auch völlig neue Bedrohungsszenarien für die Unternehmen. Maushart: «Die Sorge, dass dir einer den Laden lahmlegt, steht zuoberst auf dem Sorgenbarometer der Unternehmen.» Er sieht aber auch positive Perspektiven. Denn die Digitalisierung gebe den Unternehmen die Chance, die Personalproduktivität deutlich zu steigern und damit die Nachteile aus hohen Lohnkosten und starkem Franken zu kompensieren. Für den Staat bringe dies dank höherer Gewinne höhere Unternehmenssteuern.

In der folgenden Generalversammlung stellte Präsident Peter Henzi mit Freude fest, dass der Mitgliederbestand inzwischen auf 86 angestiegen ist.