Lohn

Jetzt werden auch Folien von Siloballen recycelt

Die Futtervorräte für das Vieh verpacken die Landwirte grossteils in Siloballen. Die Polyethylenfolien eignen sich gut zum Recycling.

Die Futtervorräte für das Vieh verpacken die Landwirte grossteils in Siloballen. Die Polyethylenfolien eignen sich gut zum Recycling.

Schweizweit gelangen nur zirka 10 Prozent der 15'000 Tonnen Silo-Folien, die Abfall sind, im Recycling. Das soll sich ändern. Im Kanton wird der Entsorger Neuenschwander AG in Lohn zur Anlaufstelle für gebrauchte Folien.

Inzwischen prägen sie unsere Landschaft: Landauf, landab verpacken die Landwirte ihr Grünfutter in Siloballen, um ihre Tiernahrung für den Einsatz im Winter konservieren zu können. Doch was passiert nach dem Verbrauch mit den Folien? Die anfallenden Mengen sind eindrücklich. Die Innoplastics AG in Eschlikon TG, die einzige Schweizer Firma, die Silofolien und andere Polyethylenfolien professionell rezykliert, schätzt den Folienabfall eines mittelgrossen Hofs auf rund 300 Kilogramm pro Jahr.

Hochgerechnet auf die Schweiz entspricht dies rund 15'000 Tonnen Abfall. Nur rund 10 Prozent gelangen ins Recycling, der grosse Rest wandert derzeit in die Kehrichtverbrennungsanlagen. Dadurch gehe wertvoller Polyethylen-Kunststoff verloren, welcher gut wiederverwertbar sei. Die gebrauchten Folien werden zu Granulaten verarbeitet, aus diesen werden dann neue Kunststoffprodukte produziert.

Nationales Recycling-Projekt

Um dieser Wiederverwertung auf die Sprünge zu helfen, wurde vor rund zwei Jahren das nationale Projekt Resi (Recycling von Silofolien) ins Leben gerufen.

Partner sind unter anderem die Entsorgungswirtschaft Schweiz, der Schweizerische Bauernverband und das Bundesamt für Umwelt. Ziel ist es, die Recyclingquote auf mindestens 70 Prozent hochzuschrauben.

Neue Annahmestelle in Lohn

Im Kanton Solothurn will die Neuenschwander AG in Lohn-Ammannsegg dazu beitragen. Das Entsorgungscenter dient dabei als Annahmestelle für die Silofolien. «Bereits vor längerer Zeit hätten Landwirte im Grossraum Solothurn Interesse gezeigt, ihre gebrauchten Folien wieder in den Kreislauf zurückzugeben», erklärt Christof Neuenschwander, Mitglied der Geschäftsleitung.

Der Solothurnische Bauernverband hat dafür in einem Newsletter geworben. «Wir unterstützen die Dienstleistung. Es ist eine gute Sache», sagt Bauernsekretär Peter Brügger. Man wolle die Landwirte für das Thema sensibiliseren, dass das Recyceln der Folien sinnvoller sei als das Verbrennen in einer Kehrichtverbrennungsanlage.

Der Schritt zur Annahmestelle für Silofolien ist naheliegend, startete doch das Lohner Unternehmen vor bald zwei Jahren mit dem Sammeln von Kunststoff aus den privaten Haushalten. Dazu verkauft die Neuenschwander AG Sammelsäcke, die inzwischen in über 40 Solothurner und Berner Gemeinden bezogen werden können. «Die Nachfrage ist gross», sagt Neuenschwander.

Er erwartet, dass mit dem Angebot die Recyclingquote der Siloballenfolien deutlich gesteigert werden könne. Die Landwirte seien durchaus umweltbewusst. Und aus ökologischer Sicht lohne sich das Sammeln und Wiederverwerten. Das Verbrennen der Folien in den Kehrichtverbrennungsanlagen (KVA) produziert, so steht es auf der Resi-Homepage, enorme Mengen an CO2, und die Produktion von Kunststoff aus rezykliertem Material benötige 50 Prozent weniger Energie als jene aus neuem Rohstoff.

Recyceln ist günstiger

Und dabei seien für den Landwirt die Kosten für das Recycling tiefer als jene für den Gang in die KVA. Bei Anlieferung an eine KVA müsse der Bauer rund 150 Franken bezahlen. Die Neuenschwander AG verlangt vom «Lieferanten» 90 Franken je Tonne. Hinzu erhält der Entsorger vom Recyclingwerk rund 20 Franken je auf Platz gelieferte Tonne. Mit den rund 110 Franken je Tonne muss der Entsorger den Betrieb der Sammelstelle, das Pressen der Folien und den Transport in das Recyclingwerk im Thurgau finanzieren. Neuenschwander: «Eine goldene Nase kann man damit nicht verdienen.»

«Interesse ist vorhanden»

Im kommenden Jahr können die Landwirte in der Region Solothurn ihre gebrauchten Folien an vier vordefinierten Tagen nach Lohn bringen. Die Beschränkung deshalb, weil das feuchte und mit teilweise gärenden Resten versetzte Material aus geruchlichen Gründen möglichst rasch gepresst und weiterspediert werden muss. Dazu brauche es aber grosse Mengen, begründet er die Konzentration auf vier Annahmetage. Je nach Entwicklung der Anlieferungen sei es denkbar, die Zahl der Anliefertage zu erhöhen. Da die Bauern von sich aus auf die Lohner Firma zugekommen seien, erwartet Neuenschwander, dass die Dienstleistung gefragt sein werde. Das sieht auch Brügger vom Bauernverband so. «Ich beobachte aus Gesprächen, dass das Interesse durchaus vorhanden ist.»

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