Es ist ein kümmerlicher Anblick. Und er wirft kein ruhmvolles Licht auf das Kunstverständnis der Solothurner Behörden: Von Schang Hutters einst stolzer, 22 Meter hoher Figur bei der Kantonsschule Solothurn ist seit über einem Jahr nur noch ein Stummel sichtbar. «Alles andere als eine Augenweide», stört sich SVP-Kantonsrat und Kantilehrer Roberto Conti, dessen Schulzimmer in der Nähe liegt.

18 Jahre lang stand die Skulptur, bis sie Ende 2013 aus Sicherheitsgründen demontiert wurde. Seither lagert sie im Borregaard-Areal im Attisholz. – Und die Hutter-Skulptur ist nicht das einzige Beispiel, bei dem der Kanton nicht gerade durch einen vorbildlichen Umgang mit seinen Kunstobjekten glänzte: Auch Robert Müllers «objet soleure» vor dem früheren Lehrerseminar in Solothurn erhielt so lange nicht den nötigen Unterhalt, bis die einsturzgefährdete Skulptur 2007 demontiert werden musste. Erst 2013 kam sie nach einer 120 000 Franken teuren Sanierung an ihren Platz zurück.

Gibt es ein Unterhaltskonzept?

Nun hat Kantonsrat Conti eine Interpellation eingereicht, die nicht nur nach der Zukunft der Hutter-Skulptur fragt, sondern auch die Grundsatzfrage stellt, ob überhaupt ein Unterhaltskonzept für Kunstobjekte im öffentlichen Raum besteht. Conti dürfte dies nicht nur der Kunst wegen, sondern auch mit Blick auf die Kosten getan haben. Der SVP-Mann hat sich 2014 damit hervorgetan, eine Obergrenze von 50 000 Franken bei der künstlerischen Ausschmückung kantonaler Neubauten zu fordern.

Hohe Restaurationskosten

Die positive Nachricht vorneweg: Das Amt für Kultur will das Werk Schang Hutters 2016 wieder aufstellen, wie aus der am Dienstag veröffentlichten Interpellationsantwort deutlich wird. Im Budget 2015 sei dies noch nicht möglich. 75 000 Franken soll das kosten. «Sie ist Teil unserer Gegenwart», würdigt der Kanton die Plastik, die nicht nur zu den wichtigen Werken des international bekannten Solothurner Künstlers gehöre. «Auch die Schulleitung und zahlreiche Persönlichkeiten aus dem Solothurner Kulturleben setzten sich in letzter Zeit wiederholt dafür ein, dass die Eisenplastik möglichst bald saniert am alten Standort aufgestellt wird.» Die Figur sei schlicht ein «Wahrzeichen» der Kanti.

«Kann sich der Kanton in der aktuellen Finanzlage diese Kosten leisten?», fragt dagegen SVP-Mann Conti. Die Regierung umgeht diese Frage. «Sobald der Entscheid zum Erhalt eines Objektes bejaht wird, ist eine zeitnahe Instandsetzung die wirtschaftlich günstigste Lösung», heisst es lediglich.

Und das Konzept zum Unterhalt der Kunstwerke? Es bestehe eine Dokumentation über die in den letzten 40 Jahren realisierten «Kunst am Bau»-Projekte, antwortet die Regierung auf Contis Frage, ob sie «den Überblick hat, ob in den nächsten Jahren andere Kunstwerke im öffentlichen Raum ebenso restaurationsbedürftig werden.»

Pflege und Unterhaltsarbeiten würden bei Bedarf angegangen, das Hochbauamt und das Amt für Kultur sässen jährlich zusammen, um den Unterhalt zu besprechen. Seit 2010 gebe es zudem ein Leitbild, das festhält: Kunstobjekte, die mit dem Gebäude fest verbunden sind, werden vom Hochbauamt unterhalten und finanziert, mobile vom Amt für Kultur. Eine Sanierung sei aber, so hält das Amt gleichzeitig fest, abhängig von der «Verhältnismässigkeit im Rahmen der zur Verfügung stehenden Kreditmittel».

Ob es nicht besser wäre, schon bei der Anschaffung auf mögliche Kosten zu schauen, wollte Conti wissen. «Projektaufträge werden nicht in erster Linie mit Blick auf mögliche Kosten für spätere Restaurationen getätigt», schreibt das Amt. Zwar würde berücksichtigt, ob die Materialien dauerhaften Bestand hätten. «Trotzdem schliesst das nicht aus, dass Werke unter freiem Himmel nach einer gewissen Zeit restauriert werden müssen.»

Seitens der Künstler bestehe aber «kein Anspruch auf Investitionen für die Pflege und den Unterhalt von Kunstwerken. Die öffentliche Hand trägt aber durch die Lancierung und Finanzierung von Kunst am Bau massgeblich zur Erhaltung des Kunsterbes bei.» Bleibt zu hoffen, dass die Kunstwerke künftig gar nicht erst aus Sicherheitsgründen demontiert werden müssen.