Zuerst, sagt Jürgen Hofer, zuerst müsse er da etwas klarstellen. «Wir wollen kein Disneyland auf demWeissenstein . Damit das ein für alle Mal gesagt ist.» Kein Zirkus, kein Europa-Park. Er wirft seine Hände in die Luft und schüttelt den Kopf. Kein Bumm-Bumm.

In diesen Tagen ist Hofer mal wieder ein gefragter Gesprächspartner. Es gibt Leute in Solothurn, die setzen grosse Hoffnungen in den Solothurner Tourismusdirektor. Kritiker hingegen wollen bei seiner Organisation keine Strategie erkennen. Klar ist: Der Berg ist in der Stadt irgendwie immer im Gerede. Das weiss Hofer natürlich. Der Mann ist so etwas wie der Dirigent auf dem Weissenstein . «Wir bringen alle Player unter ein Dach», erklärt er. Und der wichtigste Player war in den vergangenen Jahren eben mit anderen Dingen beschäftigt. Es käme für Hofer nie infrage, das so direkt auszusprechen. Aber klar, das Sässeli-Gondeli-Hickhack zog weite Kreise. Folgt nach dem Streit um die richtige Bahn nun der Streit um das richtige Konzept? In einer Woche soll es schliesslich losgehen.

Ein Sawiris für Solothurn?

Also, Herr Tourismusdirektor: Wie können Ausflügler auf den Berg gelockt werden? «Nach dem langen Seilziehen geht eines vergessen: Vieles ist schon da. Man muss es nur richtig inszenieren.» – Und so, wie er das erzählt, liegt bei Hofer längst etwas in der Schublade. Tatsächlich sitzt er an diesem trüben Wintertag am Konferenztisch, um über seinen Masterplan zu sprechen. Hofer hat sein Büro im Von-Roll-Haus an der Hauptgasse, ein prächtiger Raum mit Kamin und Blick auf die Sankt-Ursen-Kathedrale. Das andere Wahrzeichen.

Man muss wohl zuerst das Spannungsfeld verstehen, in dem sich der Touristiker bewegt: Er kann dem Berg nicht einfach ein Konzept überziehen. Die Gondelbahn, das Kurhaus, die anderen Restaurants. Unterschiedliche Besitzer mit unterschiedlichen Ideen. Und Einzelinteressen bergen bisweilen Zündstoff. Könnte der Weissenstein daran scheitern? «Wollen wir lieber einen Alleinherrscher?», fragt Hofer zurück. Mit dem Status quo habe man viel mehr Möglichkeiten. Zudem sei mit dem Verein «Pro Weissenstein » ein Partner da, der sich «mit Hingabe für den Hausberg einsetzt».

Kein Sawiris für Solothurn, so kann man das auch formulieren. Hofer hat sich mit seiner Begeisterung in Fahrt geredet und kommt auf seine Mission zu sprechen. Er will den Weissenstein wieder zu einem beschaulichen, aber attraktiven Winterberg machen.

Hoffnungsträger aus der Lenk

Sobald Schnee liegt, soll zwischen dem Sennhaus und dem Hinter Weissenstein eine Langlaufloipe präpariert werden. Das Gelände sei dafür ideal coupiert, schon einmal gab es auf dem Berg eine sechs Kilometer lange Loipe. Bis im nächsten Winter müsse man sich aber noch gedulden. Hofer weiss: «Da darf man nicht wursteln, das Langlauf-Publikum ist anspruchsvoll.» Kein simples Zuschussgeschäft, trotz Nische.

Hofer lächelt. Gleich will er einen ersten Coup verkünden. Die Oberländer Unternehmerfamilie Werren, die in Lenk-Simmental ein Langlaufzentrum betreibt, will sich des Weissensteins annehmen. Mit Vermietung, Kursen und allem Drumherum. «Da kommen erfahrene Profis», schwärmt Hofer. Details wolle man zu gegebener Zeit bekannt geben, erklärt Chefin Esther Werren auf Anfrage. Klar ist: Es ist Kurhaus-Pächter Samuel Kappeler, der diese Partnerschaft eingefädelt hat.

Zwar setzen Alpendestinationen seit längerem wieder auf Langlauf. Aber nie zuvor sind so viele Schweizer auf die schmalen Bretter umgestiegen wie in den vergangenen Jahren. Das zeigt eine Statistik des Bundes, und das beeinflusst die touristische Nachfrage. Der «Langlauftyp» wolle die Natur geniessen, anstatt Schlange zu stehen am Skilift. Am Weissenstein zeigt man sich deshalb vorsichtig optimistisch.

Alles aus einer Hand

«Natur pur genügt aber noch nicht», sagt Hofer. Auch der «sanftere Tourist» habe es gern bequem. «Der Gast mag nicht im Tal ein Bahnbillett kaufen und oben dann einen Langlauf-Pass. Hier kommen wir ins Spiel.» Der Tourismusdirektor will Angebote bündeln, Pauschalen und All-inclusive-Karten verkaufen. Eine «Schnitzeljagd mit Schokofondue» ist schon buchbar, neue Schlittel-Arrangements werden bald lanciert. Ein Win-win-Geschäft, heisst es. Touristiker erhalten ein Marketing-Instrument, Gäste kennen in etwa den Preis ihres Ausflugs. Oder überspitzt gesagt: Wer annimmt, er fahre praktisch gratis auf den Berg, konsumiert oben vielleicht mehr. Ist sie das also, die «richtige Inszenierung»? Fast hätte man es vergessen: «Der Schnee bleibt zentral», wie Hofer lapidar anmerkt.

Vielleicht schweben Gäste dank den Gondeln nun öfters bei miesem Wetter in die Höhe. Eine Chance? Neue Schlechtwetter-Angebote machten auf dem Jura kaum Sinn, entgegnet Hofer. «Die Angebote im Tal unten sind breit und vor allem verlockend genug.»

Was ist Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit.