Der Bauer von Boningen, der die 15 toten Rinder zu verantworten hat, darf sämtliche Nutztiere, genauer gesagt Klauen- und Huftiere sowie Geflügel, nicht mehr halten. Zu diesem Fazit kommt der kantonale Veterinärdienst und verfügt im Sinne einer verwaltungsrechtlichen Massnahme gegen den Bauern ein Tierhalteverbot auf unbestimmte Zeit, teilte die Behörde per Communiqué mit.

Tierhalteverbot für Landwirt

Tierhalteverbot für Landwirt

Der Bauer aus Bonningen, der 16 Rinder verenden liess, erhält auf unbestimmte Zeit ein Tierhalteverbot. 

Wurden Hinweise übersehen?

Das Tierverbot findet Bauernsekretär Peter Brügger eine angemessene Strafe. «Beim Tierhalter sind massive Fehler passiert.» Klar habe der Bauer vermutlich persönliche Probleme gehabt, das entschuldige aber das Ausmass der Situation nicht. «Wenn man mit Tieren arbeitet, kann immer etwas passieren. Man muss aber richtig reagieren, sich Hilfe holen können. Das macht einen guten Tierhalter aus.»

Solch schlimme Fälle wie in Boningen seien aber Einzelfälle, sagt Brügger. «Es gibt überall schwarze Schafe.»

Welche Rolle spielte aber der Veterinärdienst in dieser Tiertragödie? Im Februar soll die letzte Kontrolle auf dem Hof durchgeführt worden sein. Zu diesem Zeitpunkt, so sagt die Kantonstierärztin Doris Bürgi Tschan, habe man an den Tieren keine Anzeichen von irgendwelchen Krankheiten oder von Vernachlässigung erkannt. Nur einige Monate später ist der Zustand der Tiere aber so schlimm, dass sie verenden.

Kann das so schnell gehen oder wurden Hinweise übersehen? Doris Bürgi Tschan will diesbezüglich keine Erklärungen abgeben. «Details sind Gegenstand der staatsanwaltschaftlichen Untersuchung» Der Veterinärdienst habe seinerseits alle Daten seiner Untersuchungen der Staatsanwaltschaft übergeben, die in einem Strafverfahren aktuell nur gegen den Bauern ermittelt.

Gegen den Veterinärdienst laufen derzeit hingegen intern Abklärungen. Dies bestätigt Peter Studer, Sekretär des Volkswirtschaftsdepartements Kanton Solothurn, auf Anfrage. «Wir untersuchen, ob der Veterinärdienst im Fall Boningen richtig gehandelt hat und ob beziehungsweise wie gegebenenfalls das Kontrollsystem verbessert werden kann.»

Vernachlässigte Rinder in Boningen: Nachbar übt Kritik an Behörden

Vernachlässigte Rinder in Boningen: Nachbar übt Kritik an Behörden

Ein Nachbar erhebt schwere Vorwürfe gegen das Veterinäramt. Nicht nur er habe den Behörden die Zustände auf dem Hof mehrmals gemeldet. (Tele M1, Juni 2016)

Schneller Gewichtsverlust möglich

Laut Adrian Steiner, Leiter der Nutztierklinik der Uni Bern, ist es durchaus möglich, dass Rinder bei deutlicher Fehl- und Unterernährung innerhalb nur weniger Monate so stark abmagern, dass sie schlussendlich daran sterben. Besonders wenn sie grosse Mengen an Milch geben. «Das kann dann relativ schnell gehen.»

Bekomme eine 700–Kilo-Milchkuh zum Beispiel zu wenig Nahrung, werde sie zwar weiterhin Milch geben können, gleichzeitig aber immer stärker ihre Energiereserven aufbrauchen und innert eines bis zweier Monate bis 100 Kilo Körpergewicht verlieren.