Amtsgericht

Jetzt kommt die Quittung für den unbelehrbaren Pädophilen

Der Mann hatte es auf die Tochter seiner Freundin abgesehen. (Symbolbild)

Der Mann hatte es auf die Tochter seiner Freundin abgesehen. (Symbolbild)

Ein Wiederholungstäter muss nun definitiv zwei Jahre ins Gefängnis. Das hat das Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt entschieden.

Ein heute 41-jähriger Deutscher wurde in September 2015 durch das Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt wegen mehrfachen sexuellen Handlungen mit einem Kind zu einer auf Bewährung ausgesetzten Freiheitsstrafe von 16 Monaten verurteilt. Kevin R.* hatte die damals 13-jährige Tochter seiner Freundin mehrfach mit der Hand unter den Kleidern zwischen den Beinen gestreichelt.

Nur zwei Monate nach der Verurteilung schenkte er demselben Opfer, das ihn Papi nannte, ein Handy und versuchte, das in seiner kognitiven Entwicklung unreife Mädchen dazu zu bringen, ihm mit dem Handy pornografische Fotos zu schicken. Als die Mutter die SMS-Nachrichten mit sexuellem Inhalt entdeckte, rief sie wieder die Polizei.

Gestern Dienstag verurteilte das Amtsgericht Kevin R. nun auch noch wegen mehrfacher versuchter Anstiftung zu Pornografie. Das Mädchen gab in den neuen Einvernahmen erstmals an, es sei auch noch zu «Zungenspielen» gekommen. Trotzdem gab es beim Vorwurf der sexuellen Handlungen mit einem Kind keinen zusätzlichen Schuldspruch mehr. «Das Opfer machte nur sehr vage Aussagen und diese reichten nicht aus, um alle Zweifel an den neu gemachten Anschuldigungen auszuräumen», begründete der Amtsgerichtspräsident diesen Freispruch.

Unbelehrbar und ohne Reue

Trotzdem befand das Gericht, dass sich der Angeklagte nicht bewährt habe. Es widerrief das erste Urteil und verhängte neu eine unbedingte Gesamtstrafe von zwei Jahren. Zudem wurde wieder eine ambulante Therapie angeordnet. «Es ist wichtig, dass sie an ihrem Problem, der Pädophilie, arbeiten», begründete dies Amtsgerichtspräsident Ueli Kölliker in der Urteilsverkündung. «Es gibt keine andere Möglichkeit als die Strafe nun zu vollziehen und die Therapie parallel durchzuführen.»

Schon bei der ersten Verurteilung 2015 hatte das Gericht nämlich eine Therapie als den «zentralen Punkt des Urteils» bezeichnet, nicht die Strafe. Doch Kevin R. hatte lange keine Lust, zum Psychiater zu gehen. Erst Ende 2018 befolgte er die gerichtliche Anordnung, als der neue Prozess anstand. «Es ist erfreulich, dass er sich jetzt endlich auf eine Therapie eingelassen hat», meinte Lutz-Peter Hiersemenzel, der forensische Psychiater, der das Gericht beriet. Aufgrund der Qualifikation des Therapeuten bezweifelte der Experte aber die Wirksamkeit. «Wir wissen nicht, ob die jetzige Therapie geeignet ist, die Tat aufzuarbeiten sowie das Rückfallrisiko zu vermindern. Aufgrund der geringen Kooperation bestehen viele Unsicherheiten.»

Staatsanwältin Melanie Wasem bezeichnete den Pädophilen als «unbelehrbar» und die begonnene Therapie als strategische Massnahme, um das Gericht mild zu stimmen. «Er hat seine Vertrauensstellung als Vaterfigur ausgenützt und es war ihm bewusst, dass es sich um ein kognitiv beeinträchtigtes Mädchen mitten in der Pubertät handelte, dem er grossen psychischen Schaden zufügte.» Wasem forderte deshalb eine unbedingte Freiheitsstrafe von 34 Monaten. Dann sei wenigstens die Therapie gesichert.

Rechtsanwalt Patrick Hasler thematisierte vor allem «Verfahrensfehler», die die Staatsanwaltschaft seiner Ansicht nach begangen hatte: «Zum Zeitpunkt der Eröffnung des neuen Verfahrens war aufgrund der Vorstrafe klar ersichtlich, dass meinem Mandanten ein Pflichtverteidiger zur Seite gestellt werden müsste.» Das sei erst viel zu spät passiert. «Alle bis zur Einsetzung eines Verteidigers erhobenen Beweismittel sind deshalb nicht verwendbar.» Das Gericht gab ihm insofern recht, als dass die erste Einvernahme aus den Akten genommen wurde. Nicht aber die Ergebnisse der Hausdurchsuchung. «Der Polizist hat zwar auf zynische Art die Forderung nach einem Anwalt abgeschmettert, aber auf den Ausgang solcher Zwangsmassnahmen könnte ein anwesender Pflichtverteidiger keinen Einfluss nehmen», begründete Kölliker.

*Name von der Redaktion geändert

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