Die Zahlen sind eindrücklich: In der Schweiz ist die saisonale Grippe im Durchschnitt jährlich für rund 110 000 bis 330 000 Arztkonsultationen, mehrere Tausend Hospitalisierungen sowie mehrere Hundert Todesfälle verantwortlich.

War der Kanton Solothurn in der ersten Januarwoche noch praktisch grippefrei, ist die Krankheit nun auch hier auf dem Vormarsch. Im Rahmen der laufenden Überwachung des Bundesamts für Gesundheit (BAG) wurden in der zweiten Januarwoche zunehmend Influenza-Verdachtsfälle gemeldet. Schweizweit registrierten die 144 Ärztinnen und Ärzten des Sentinella-Meldesystems 15,5 Grippeverdachtsfälle pro 1000 Konsultationen. Dies entspricht hochgerechnet einer Inzidenz von 121 Fällen pro 100 000 Einwohner. Der saisonale epidemische Schwellenwert von 68 Grippeverdachtsfällen wurde damit deutlich überschritten. In der Nordwestschweiz liegt der Wert mit 78,6 nunmehr ebenfalls über dem Schwellenwert, aber noch unter dem schweizerischen Durchschnitt.

Situation kann sich rasch ändern

Die Gründe für die anfänglich relative Gripperesistenz in den Kantonen Solothurn, Aargau und den beiden Basel sind nicht einfach zu ergründen. Kantonsarzt Lukas Fenner sagt ganz allgemein: «Der Beginn der saisonalen Grippeepidemie variiert von Jahr zu Jahr, ebenso die Intensität, Länge und die zirkulierenden Virenstämme.» Aufgrund der wöchentlichen Konsultationen grippeähnlicher Erkrankungen in der Region sei die Grippe «zur Zeit im Vergleich zu der übrigen Schweiz tatsächlich noch etwas weniger verbreitet». Aufgrund der kleinen Fallzahlen unterliege die Hochrechnung auf die Gesamtbevölkerung allerdings einer Unsicherheit. «Die Situation in der Region kann sich bereits nächste Woche wieder anders darstellen», sagt der Kantonsarzt.

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Voraussagen zur weiteren Entwicklung der Grippewelle – insbesondere zu den regionalen Trends, zum Verlauf und zur Schwere der diesjährigen saisonalen Grippe – liessen sich zum heutigen Zeitpunkt im Übrigen keine machen, betont der Kantonsarzt. Und die bis heute bekannten Daten über die zirkulierenden Influenzatypen und –subtypen erlaubten zudem auch noch keine aussagekräftigen Schlüsse zur Abdeckung durch den in dieser Saison eingesetzten Grippeimpfstoff.

Keine generelle Impfempfehlung

Und wie sieht es bei der Ärzteschaft aus? Der Breitenbacher Allgemeinmediziner Florian Leupold sagt: «In meiner Praxis werden alle chronisch-kranken Patientinnen und Patienten und alle über 65-jährigen Personen motiviert, sich gegen die Grippe zu impfen.» Immerhin rund 70 Prozent der Patienten willigen ein und lassen sich impfen, 30 Prozent verzichten allerdings darauf. Die Akzeptanz der Grippeimpfung bei den Kontaktpersonen der Risikogruppen sei dabei eher geringer, sagt der Co-Präsident der Gesellschaft Ärztinnen und Ärzte Kanton Solothurn (GAeSO). Und fügt an: «Momentan haben wir in der Tat keine aussergewöhnliche Anzahl Grippekranker in der Sprechstunde zu beklagen.» Eine Beobachtung, die der Balsthaler Apotheker Florian Sarkar teilt: «Es ist derzeit an der Grippefront nicht so viel los», bestätigt das Vorstandsmitglied des Apothekervereins des Kantons Solothurn.

Eine generelle Impfempfehlung gibt Kantonsarzt Fenner nicht mehr ab. Es müsse im Einzelfall entschieden werden, was sinnvoll ist. Denn der optimale Impfzeitpunkt lag zwischen Mitte Oktober und Mitte November. Und der Aufbau des Impfschutzes braucht immerhin ein bis zwei Wochen.