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«Jetzt ist der spannende Moment»: Drei Jahre nach dem Einläuten der Energiewende

Energiedialog

Die Energiestrategie 2050 wurde vor drei Jahren angenommen. (Symbolbild)

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Die Energiestrategie 2050 sorgt weiterhin für spannende Diskussionen zwischen Skeptikern und Enthusiasten.

Im Jahr 2017 hat das Schweizer Volk an der Urne die Energiestrategie 2050 angenommen. Unter dem Titel «Energiedialog 19 – wo stehen wir drei Jahre nach dem Einläuten der Energiewende?», führte die Unternehmerinitiative «Neue Energie Solothurn» zusammen mit «aves», einem Solothurner Verein, der sich für eine wirtschaftliche und umweltfreundliche Energieversorgung einsetzt, am Donnerstagabend im Oltner Restaurant Magazin einen Diskussionsabend durch, der von rund 100 Personen besucht wurde.

Der Abend begann mit zwei Referaten, die in Sachen Energiewende eine rosige Situation beschrieben. «Wir sind auf gutem Weg», fasste die Bucheggbergerin Marianne Zünd, Leiterin Medien und Politik beim Bundesamt für Energie, ihre Sicht der Dinge zusammen. «Drei Jahre nach der Abstimmung über die Energiewende 2050 ist die Umsetzung auf Kurs, sowohl bei der Steigerung der Effizienz als auch bei der Erhöhung der Produktion erneuerbarer Energie.»

Mehr Mittel für die «Erneuerbaren» sind nötig

Rochus Burtscher von der «EnAW», der Energie-Agentur der Wirtschaft, hob die positiven Zahlen hervor: «Durch die Energieeinsparung von 3274 Gigawattstunden haben EnAW-Teilnehmer zusammen mit der Rückerstattung der CO2-Abgabe bereits 647 Mio. Franken eingespart. Die Schweizer Unternehmen sind auf effizienten Einsatz von Ressourcen sensibilisiert.» Er beschrieb die Rückerstattung der Lenkungsabgaben, wenn Zielvereinbarungen abgeschlossen und eingehalten werden, als ein Erfolgsmodell. «Unsere rund 100 Ingenieure inspizieren die Firmen, und die Unternehmer erhalten eine Liste der möglichen Massnahmen, die wirtschaftlich realisierbar sind. Jeder Unternehmer entscheidet, welche Massnahmen er umsetzen will.» Burtscher betonte: «Die Unternehmer machen ihre Hausaufgaben bei der Energiewende.»

Im anschliessenden Podiumsgespräch setzte Noah Heinen, Gründer von Helion Solar, dem Solothurner Wegbereiter bei der Nutzung der Sonnenenergie, einen erfrischenden Kontrapunkt: «Ich sehe das ganz anders. Wir sind beim Zubau an erneuerbarer Energie auf den Stand von 2008 zurückgefallen, weil die heutigen Massnahmen nicht wirken.» Heinen bedauerte, dass die garantierte Einspeisevergütung, die zu Beginn einen Bauboom bei den Solaranlagen ausgelöst hatte, nun nicht mehr gewährt wird. «Die heutigen Fördermassnahmen sind für die Photovoltaik falsch.»

Jürg Liechti, CEO der im Bereich ökologische Nachhaltigkeit tätigen Beraterfirma Neosys, teilte diese Meinung. Windkraft und Geothermie seien politisch total blockiert. «Es wäre schön, wenn der Bundesrat nicht noch Rückschritte machen würde. In einer Zeit, da die grossen Energieversorger in die Zukunft investieren sollten, müssen sie nun hundert Mio. in einen Fonds für die Stilllegung der Atomkraftwerke einzahlen. Dieses Geld müsste man in die erneuerbaren Energien investieren.»

Elan wird auch von manchen Banken gebremst

«Jetzt ist der spannende Moment», forderte Marianne Zünd mehr Enthusiasmus und weniger Blick auf Subventionen, man solle nicht immer alles zu Tode rechnen, sondern sofort in die Zukunft investieren. Damit löste sie totales Unverständnis im Publikum aus, das hauptsächlich aus Unternehmern bestand, die knallhart rechnen müssen, weil sie sonst ihre Firmen in den finanziellen Ruin führen. Raunen auch bei ihrer Kritik der Bundesangestellten an den Hausbesitzern, die ihre Gebäude nicht energetisch sanieren. «Einem 55-jährigen Hausbesitzer gewährt keine Bank mehr eine Erhöhung der Hypothek. Er möchte sanieren, aber niemand hilft ihm bei der Finanzierung», lautete ein Votum aus dem Plenum.

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