Kanton Solothurn
«Jetzt geht es ans Eingemachte»: Wenn es nicht bald regnet, müssen die Bauern auch hier Tiere schlachten

Solothurner Bauern leiden: Aufgrund der Trockenheit drohen ihnen Ertragsausfälle. Wenn es nicht bald regnet, müssen auch im Kanton Solothurn bald Tiere geschlachtet werden.

Lara Enggist
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Die Felder brauchen Regen – sonst drohen den Bauern Ertragsaufälle. (Archiv)

Die Felder brauchen Regen – sonst drohen den Bauern Ertragsaufälle. (Archiv)

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Bis Ende Juli habe es ziemlich gut ausgesehen, sagt Edgar Kupper vom Solothurner Bauernverband (SOBV). Schliesslich habe es immer mal wieder geregnet, nicht so wie beispielsweise in den Kantonen Aargau oder Thurgau. Nun spitze sich die Lage aber zu, «in diesen Tagen gehen aufgrund der Hitze und des fehlenden Regens viele Pflanzen kaputt». Das Gras auf den Weiden wird immer knapper. Viele Bauern sind gezwungen, auf die Heuvorräte für den Winter zurückzugreifen, einige Sömmerungsbetriebe müssen gar ihre Tiere früher ins Tal zurückbringen, weil die Rinder nichts mehr zu grasen haben. Normalerweise kehren Alptiere erst zwischen September und Oktober ins Tal, doch dies wird bei einigen Betrieben nun früher geschehen. «Jetzt gehts ans Eingemachte», so Kupper.

Besonders betroffen seien Bauern mit flachgründigem Land, Gemüse- und Kartoffelbauern und Landwirte ohne Bewässerungsmöglichkeiten. Einerseits sei der Boden zu trocken und anderseits entstehen bei diesen Temperaturen Hitzeschäden an Gemüse und Früchten. Im Moment sind alle Landwirtschaftsbetriebe von den extremen Wetterbedingungen betroffen, so Edgar Kupper.

Kanton schränkt Wasserentnahme ein

Zurzeit greifen einige Bauern auf das Wasser aus Bächen und Flüssen zu, um ihre Felder zu bewässern. Doch der Kanton Solothurn muss die Entnahme nun regulieren. «Beim Limpach müssen wir die Entnahme diese Woche einschränken: Zur selben Zeit darf nur noch ein Landwirt Wasser entnehmen», sagt Gabriel Zenklusen vom Amt für Umwelt. Diese Regulierung sei notwendig, da der Limpach ohnehin schon sehr wenig Wasser führe. Bleibt es weiter heiss und trocken, müssen sich Landwirte gar auf ein Entnahmeverbot gefasst machen. Bei der Dünnern wird die Entnahme zwar noch nicht reguliert, «wir müssen die Situation aber weiter beobachten und sie Ende Woche neu einschätzen». Es sei möglich, dass bald auch aus der Dünnern nur noch eingeschränkt Wasser entnommen werden darf. «Wir haben die Bauern bereits vorgewarnt», so Zenklusen. Beim Biberenbach müsse lediglich ein vorgegebener Wasserpegel eingehalten werden. «Eine Temperatursenkung könnte die Situation ein wenig entschärfen.» Solange aber weiterhin kein Regen fällt, müssen sich die Bauern an die Regulierung halten – auch wenn die Gemüse- und Maisfelder unter der Trockenheit
leiden. (len)

Bauern drohen Ertragsaufälle

Den Bauern drohen Ertragsausfälle. Auch Edgar Kupper selbst ist Landwirt; dieses Jahr rechnet er auf seinem Betrieb mit über 20 Prozent Futterausfällen. «Ich weiss von anderen Bauern im Kanton, welche mit höheren Ausfällen rechnen müssen.»

Landwirte müssen Futter ankaufen. Da die Trockenheit aber die ganze Schweiz betrifft, werde die Verfügbarkeit von Raufutter knapp. Als Notlösung werden wohl viele Körnermaisfelder als Futtermais verwendet. Edgar Kupper sagt, dass einige der Bauern ihren Viehbestand reduzieren müssen. «In diesen Tagen fangen deshalb wohl die ersten Bauern im Kanton damit an, Tiere zu schlachten.» Die magere Heu- und Futterernte habe zur Folge, dass Masttiere früher geschlachtet werden. «Wir müssen damit rechnen, dass dadurch der Fleischpreis fällt», so Edgar Kupper. Bell-Mediensprecher Fabian Vetsch bestätigt diese Vermutung. «Für die laufende Woche müssen wir mit einem etwa doppelt so hohen Angebot rechnen wie üblicherweise zu dieser Jahreszeit», sagt er. Die Schlachtkapazität im Schlachthof Oensingen werde Vetsch zufolge dadurch deutlich überschritten.

Um die Situation zu entschärfen, müsste es Kupper zufolge regelmässig und ergiebig regnen. «Nur ein Regenschauer reicht nicht aus.» Ihm zufolge müssten auch die Temperaturen sinken, damit man die Ernteausfälle reduzieren könne. Ganz seien die Ausfälle aber sowieso nicht mehr zu verhindern.

Zu wenig Gras für Sömmerung

Auf dem Sömmerungsbetrieb Steinegg in Himmelried müssen Petra Voss und Stefan Oser den Sömmerungstieren Siloballen als Zusatz auf die Weide stellen. Es habe zwar in den letzen Wochen den einen oder anderen Regenschauer gegeben, sodass die Wiesen noch grün aussehen, «aber für die Vegetation und das Wachstum reicht das längst nicht». An den Waldrändern sehe man bereits, dass einige Bäume braunes Laub bekommen. «Wir haben, Gott sei Dank, grosse Flächen und genug Heureserven, aber dieses Futter wäre eigentlich für den Winter gedacht», so Oser. Die anhaltende Trockenheit sei für jeden Landwirt eine zusätzliche finanzielle Belastung.

Auch Oliver Rutz und Franziska Kägi vom Sömmerungsbetrieb «Balsthaler Oberberg» leiden unter der Trockenheit. «Seit einigen Wochen wächst praktisch nichts mehr und auch das Futter wird knapp», so Rutz. In wenigen Tagen müssen sie die Rinder zusätzlich mit Heu füttern. Wie lange das reicht und ob noch etwas nachwächst auf den Weiden, werde man sehen; Schlachtungen oder Tiere weggeben waren bis jetzt noch nicht nötig. Es könne aber sein, dass die Rinder die Sömmerungsweide vorzeitig verlassen müssen.

Für die Weidbrunnen und den Haushalt sei bis jetzt noch genügend Wasser vorhanden. Die Quelle liefere aber sehr wenig Wasser. «Im Notfall müssten wir mit Tankwagen Wasser aus dem Tal holen», so Oliver Rutz. Auf dem Oberberg leidet auch der Garten: Bis jetzt war noch genügend gesammeltes Regenwasser vorhanden – dies sei nun aber aufgebraucht. «Auch die Obstbäume sehen teilweise ziemlich traurig aus.» Das Paar kontrolliert jeden Tag, ob überhaupt noch Wasser ins Reservoir fliesst.

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