Kommentar

Jetzt geht die Post ab

Die Päckli werden zwischen Sauerkrautbeuteln und Filzstiften aufgegeben (Symbolbild)

Die Päckli werden zwischen Sauerkrautbeuteln und Filzstiften aufgegeben (Symbolbild)

Das kantonale Poststellennetz soll halbiert werden – Ein Aufschrei geht durch den Kanton.

Es häscheret in der Solothurner Postlandschaft. Im Kanton stehen 21 Postfilialen vor der Schliessung. Pardon, vor der Überprüfung, wie die Strategie des gelben Riesen beschwichtigend umschrieben wird. Weitere 23 bekommen eine Gnadenfrist: Bis mindestens ins Jahr 2020 sollen sie nicht dichtgemacht werden.

Der Aufschrei ist nicht zu überhören. Die Gewerkschaft Syndicom spricht von einem Kahlschlag. In den betroffenen Gemeinden fühlt man sich herabgesetzt.

Poststellen verkörpern ein Stück Heimat. Nicht zuletzt in ländlichen Gebieten gehören sie ganz einfach zum Bild der Ballenberg-Schweiz, besonders nachdem Molkereien, Metzgereien und die heimeligen Allerweltslädeli scheibchenweise vom veränderten Einkaufsverhalten pulverisiert wurden.

Schnitt: Bei aller Sentimentalität ist Durchatmen angesagt. Dass sich selbst eine helvetische Institution wie die Post auf Dauer dem (Digital getriebenen) Zeitgeist nicht widersetzen kann und will, ist nachvollziehbar. Postchefin Susanne Ruoff gilt als Macherin. Folgerichtig erhielt sie ihren Job 2012 nicht, um Liebgewonnenes zu verwalten. Die längerfristig angelegte Fitnesskur hat zum Ziel, den Konzern auf finanziell gesunde Beine zu stellen. Querfinanzierungen des defizitären herkömmlichen Poststellennetzes stehen nicht im Pflichtenheft von Ruoff.

Wir schreiben kaum noch Briefe, bezahlen Rechnungen elektronisch, derweil werden die Päckli zwischen Sauerkrautbeuteln und Filzstiften aufgegeben. Einigen Kunden entgleitet die vertraute Post. Man mag sich hell- bis dunkelgelb ärgern, doch auch dieses Rad lässt sich nicht zurückdrehen.

theodor.eckert@azmedien.ch

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Autor

Theodor Eckert

Theodor  Eckert

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