Kanton Solothurn

Jetzt bloss nicht die Disziplin verlieren: Kampagne soll Bevölkerung ans Abstand halten erinnern

«Zäme uf Distanz»: Regierungsrätin Susanne Schaffner erklärt, warum es eine neue Corona-Kampagne braucht

«Zäme uf Distanz»: Regierungsrätin Susanne Schaffner erklärt, warum es eine neue Corona-Kampagne braucht

Die Entwicklung der Fallzahlen lässt auch im Kanton Solothurn Optimismus zu. Der Kanton doppelt nun mit eigener Corona-Kampagne nach. Die Bevölkerung soll im Kampf gegen das Virus nicht nachlassen und weiterhin achtsam sein.

Am Montag gehen wir endlich den ersten kleinen Schritt zurück in so etwas wie ein normales Leben. Man kann wieder zum Coiffeur, der Baumarkt ist offen, die Spitäler nehmen wieder auch nicht akut lebensnotwendige Operationen vor.

Wichtig und vielleicht gerade jetzt noch zentraler als zuvor ist dabei, dass die Schutzkonzepte strikt eingehalten und die Sicherheitsvorschriften weiterhin befolgt werden. Der Kanton lanciert deshalb ergänzend zu jener des Bundesamts für Gesundheit eine eigene Sensibilisierungskampagne.

Unter dem Motto «Zäme uf Distanz» erinnern ab nächster Woche Plakate in sämtlichen Gemeinden daran, dass Menschenansammlungen weiterhin verboten sind und das «Social Distancing» einzuhalten ist. Das heisst zum Beispiel auch, dass die «Stäcklibuebe» nächste Woche ihr Unwesen nicht treiben dürfen. Die Polizei werde darauf ein spezielles Augenmerk richten, so Urs Schmid vom Corona-Sonderstab. Ebenso auf die Einhaltung der Schutzkonzepte in den Geschäften, die wieder aufmachen dürfen. Begleitet wird die Sensibilisierungskampagne von Videobotschaften in den sozialen Medien, in denen Kulturschaffende und Sportler erzählen, wie sie mit dem Lockdown umgehen.

Prominente im Lockdown: Die erste Videobotschaft von Kunstschaffenden zur Sensibilisierungskampagne «Zäme uf Distanz» stammt von Pedro Lenz.

Spitäler bleiben in Alarmbereitschaft

Mit der Lancierung der Kampagne gaben am Freitag die Regierungsrätinnen Brigit Wyss und Susanne Schaffner mit Regierungsrat Remo Ankli und Kantonsarzt Lukas Fenner einen Überblick über die aktuelle Lage im Kanton. Bis jetzt sind 14 Todesfälle zu beklagen. Elf der Verstorbenen waren über 80, der jüngste 57, alle litten unter Vor- beziehungsweise Begleiterkrankungen. Es gibt im Kanton 376 bestätigte Covid-19-Fälle.

Ab Mitte nächster Woche werden die Testkriterien ausgeweitet. Alle Personen mit Symptomen werden getestet, unabhängig von der Schwere dieser Symptome und davon, ob sie einer Risikogruppe angehören. Weil von einer hohen Dunkelziffer bei den Ansteckungen auszugehen ist, könnte das zu einem neuen Anstieg der bestätigten Fälle führen, so Lukas Fenner.

Die Spitäler, die nun wieder in den Regelbetrieb übergehen, müssen in der Lage sein, innert fünf Tagen die Intensivpflege-Kapazitäten für Covid-19-Patienten hochzufahren, falls nach den Lockerungen die Erkrankungen wieder stark zunehmen sollten. Auch die Privatkliniken Obach in Solothurn und Pallas in Olten haben sich verpflichtet, den öffentlichen Spitälern bei Bedarf innert fünf Tagen wieder zusätzliche Personalkapazitäten zur Verfügung zu stellen.

Im Bildungswesen heisst es Warten auf den Bundesrat

Noch einige Herausforderungen hält die Rückkehr in den Alltag für die Schulen bereit. Wohl steht fest, dass in der Volksschule der Präsenzunterricht am 11. Mai wieder aufgenommen wird, aber ob und unter welchen Auflagen steht noch nicht fest. Ob zum Beispiel nur eine maximale Zahl Schüler gleichzeitig in einem Schulzimmer anwesend sein darf, die unter den üblichen Klassengrössen liegen könnte. Hier warte man noch auf Vorgaben des Bundes zum Schutzkonzept, so Bildungsdirektor Remo Ankli.

Regierungsrat Remo Ankli zur Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts: «Wir warten auf die Bestätigung des Bundes und das Schutzkonzept»

Regierungsrat Remo Ankli zur Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts: «Wir warten auf die Bestätigung des Bundes und das Schutzkonzept»

Am kommenden Donnerstag soll die Öffentlichkeit über die Details informiert werden. Fest stehen die Regeln für die Beurteilung zum Schuljahresende. Das Jahreszeugnis am Ende der Primarstufe stützt sich auf die beurteilten Leistungen vor Einstellung des Präsenzunterrichts. Die Schüler der Sekundarstufe erhalten ein Semesterzeugnis ohne Beurteilung der Fachleistungen durch Noten.

Warten auf den Bund heisst es auch weiterhin in Sachen Maturitätsprüfungen. Fest steht, dass es keine mündlichen Prüfungen geben wird. Zum Verzicht auf schriftliche Prüfungen muss aber der Bundesrat die Kantone ermächtigen, was ihm die Erziehungsdirektorenkonferenz auch beantragt hat. Stimmt der Bundesrat zu und lässt den Kantonen die Wahlfreiheit, wird man im Kanton Solothurn auch auf schriftliche Prüfungen verzichten. Er sei überzeugt, dass Qualität und Gleichwertigkeit der Beurteilung auch so zu gewährleisten seien, so Remo Ankli. Erfahrungsgemäss würde die Prüfungsergebnisse nur sehr selten dazu führen, dass jemand die Maturität nicht erreicht. Einstweilen hat der Bildungsdirektor nun die Prüfungstermine für die Abschlussklassen der Gymnasien und Fachmittelschulen, die im Kanton Solothurn bereits am 2. Mai beginnen würden, bis auf Weiteres sistiert.

Autor

Urs Moser

Urs Moser

Meistgesehen

Artboard 1