Die vier Männer, die vor dem Amtsgericht Solothurn-Lebern standen, haben eines gemeinsam: Sie sind nicht gerade zimperlich, wenn es um die Wahl ihrer Methode geht, Geld einzutreiben. Diesen Eindruck bekommt man zumindest, wenn man die 28-seitige Anklageschrift der Solothurner Staatsanwaltschaft liest.

Den Männern wird unter anderem versuchte Erpressung, Drohung, versuchte Nötigung sowie auch Entführung vorgeworfenen. So reichte die Zeit am ersten Verhandlungstag nur für die Beweisaufnahme, sprich die Befragung der Beschuldigten. Die Plädoyers der insgesamt fünf anwesenden Verteidiger müssen zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden. Die Vielzahl der mutmasslichen Delikte sprengt auch den Rahmen dieses Zeitungsartikels und es bleibt nichts anderes übrig, als sich auf drei Vorfälle zu beschränken.

Vorfall 1: Weissenstein-Entführung

Im Januar 2015 treffen die Beschuldigten A und B in einem Lokal in Grenchen einen Mann «um über Geld zu sprechen». Danach hat sich gemäss der Anklageschrift Folgendes abgespielt: Die beiden Beschuldigten boten dem Mann an, ihn nach Hause zu fahren. Ein falsches Versprechen, wie sich zeigen sollte. Denn B fuhr den Wagen in Richtung Weissenstein und wegen der aktivierten Kindersicherung im Mercedes befand sich der Mann in der Falle und bekam es schon bald mit der Angst zu tun.

Denn A sprach laut Anklageschrift mehrere Drohungen gegen ihn aus. «Jetzt bist du am Arsch.» «Wenn es sein muss, gehe ich auch deine Eltern holen. Willst du das?» Und: «Mach nicht, dass ich dich jetzt schon umbringe.» Zudem soll A zusätzlich im Wagen eine Waffe gezogen haben, um die Ernsthaftigkeit seiner Drohung zu unterstreichen. Als B das Auto oberhalb des Bahnhofs Oberdorf anhält, gelingt es dem Mann, nach einem kurzen Handgemenge, zu fliehen.

A verweigerte vor Gericht seine Aussage. Er habe den Glauben an Gerechtigkeit verloren. B wählte eine andere Strategie. Der 31-Jährige wies sämtliche Verantwortung von sich. «Ich habe gar nicht verstanden, was die beiden miteinander besprochen haben», beteuerte der Kosovar gegenüber dem Amtsgerichtspräsidenten Rolf von Felten. Zwar habe er schon gemerkt, dass der Mann nicht freiwillig mit ihnen mitfuhr und «Angst hatte». «Aber was hätte ich denn tun sollen?», wandte er sich direkt an von Felten. Dessen Antwort: «Anhalten, umkehren und den Mann irgendwo rauslassen, von wo er nach Hause kommt.»

Vorfall 2: Drohungen im Club

Ein Clubbesitzer soll dem Beschuldigten C 12'000 Franken schulden. Als der Clubbesitzer keine Anstalten macht zu zahlen, wird C aktiv. Der 54-jährige Türke schickt seinen Bruder (Beschuldigten D) und A für einen Besuch vor Ort in den Club. Als der Besitzer nicht vor Ort ist, lassen sie ihm via seines Cousins eine Mitteilung zukommen. Wenn sie ihn am nächsten Tag wieder nicht im Club antreffen würde, würden sie zu ihm nach Hause fahren und seinen Sohn und seine Frau holen.

C und D wiesen diesen Vorwurf am Dienstag zurück. «Warum sollte ich das tun», fragte C in die Runde. Der Clubbesitzer habe nie gesagt, er zahle seine Schulden nicht zurück. Und D: «Wir haben nur eine Tasse Kaffee getrunken.»

Vorfall 3: Geplatzter Drogen-Deal

Im Februar 2018 sind A und B teil einer fünfköpfigen Gruppe, die sich auf einem Parkplatz mit zwei Männern trifft, um ihnen zwei Kilogramm Marihuana abzukaufen. Gemäss Anklageschrift eskaliert die Situation, als die beiden Männer das Gefühl bekommen, dass ihnen der Stoff ohne Bezahlung abgenommen werden soll.

Danach soll B einen der Männer mit seinem Pfefferspray bedroht und dabei gerufen haben: «Gib das Zeug her oder ich schiesse!» Er sei hereingelegt worden, sagte B vor Gericht. «Ich war total betrunken und hatte keine Ahnung, was ich mache.»

Am 21. März wird der Prozess weitergeführt. Bis zum rechtskräftigen Urteil gilt für alle Beschuldigten die Unschuldsvermutung.