Die momentan milden Temperaturen lassen Amphibien aus ihren Winterbehausungen kriechen. Frösche und Kröten verlassen ihre Quartiere, um Laichgewässer aufzusuchen. Dabei begeben sie sich auf eine nicht ganz ungefährliche Wanderung, weil sie teilweise stark befahrene Strassen überqueren müssen.

Esther Schweizer, die Regionalvertreterin der Karch (Koordinationsstelle für Amphibien und Reptilienschutz in der Schweiz), kennt bewährte Systeme, die Tiere vor dem Tod auf der Strasse bewahren.

«Einerseits können permanente Leitwerke installiert werden», sagt die Expertin aus Erlinsbach auf Anfrage. Das sind Strassenunterführungen für Amphibien, durch die sie zum Laichgewässer und wieder zurück in ihr Winterquartier gelangen. «Anderseits gibt es temporäre Massnahmen wie Schutzzäune, die an den Strassenseiten aufgestellt werden.»

Entlang dieser Installationen werden Eimer im Erdboden vergraben, in welche die Amphibien hineinfallen. «Diese Kübel werden regelmässig von Helfern geleert, die die Tiere dann über die Strasse tragen», erzählt die Regionalvertreterin.

Ein Schutzzaun, daneben ein im Boden vergrabener Eimer, in den die Amphibien fallen.

Ein Schutzzaun, daneben ein im Boden vergrabener Eimer, in den die Amphibien fallen.

Internet schafft Hilfsnetzwerk

Freiwillige gibt es zur Freude der Expertin einige. «Ohne ihre Hilfe wäre die ganze Situation gar nicht zu bewerkstelligen – ich habe grossen Respekt vor diesen Gruppen.» Schon seit Jahrzehnten seien externe Kräfte selbst bei Kälte und Schnee im Einsatz. Um die Zusammenarbeit mit ihren Unterstützern zu optimieren, ist die Karch momentan dabei, eine neue Web-App aufzusetzen, auf welcher alle Zugstellen aufgelistet sind.

Durch dieses Tool wird auch ersichtlich, wo Hilfskräfte benötigt werden und wer die Kontaktperson für dieses Gebiet ist. So wird ein Überblick über die gesamte Schweiz geschaffen. «In den nächsten Jahren sollten wir dieses Ziel erreichen», meint die Expertin.

Dies sei eine «imposante» Möglichkeit unserer Zeit, in welcher die Amphibien-Bestände schwinden. «Es gibt heute ein sehr dichtes Strassennetz», so Schweizer, «viele Tiere werden überfahren.» Ausserdem würden Amphibien vermehrt isoliert leben, was zu einem verringerten genetischen Austausch führe. «Auch die Dichte der Weihergewässer nimmt stetig ab», erklärt Schweizer. Das sei ein wesentlicher Faktor, der die Fortpflanzungsmöglichkeiten der Tiere einschränke.

Helfer sind also ein wichtiges Standbein für die Karch. Wie läuft die Zusammenarbeit mit den Gemeinden? Diese werden von den Expertinnen im Auftrag des Kantons beraten. «Das ist ein beidseitiger Austausch», berichtet Schweizer. «Wir müssen auf die Gemeinden zugehen, und sie wissen lassen, dass sie bei uns Rat holen können.»

Ob und wie Sicherheitsmassnahmen angewendet werden, sei nämlich oftmals eine Frage des Fachwissens. Im Gegenzug werde die Koordinationsstelle beispielsweise über aufgebaute Signalschilder in der Region in Kenntnis gesetzt. «Das ist ein weiteres effizientes Schutzmittel, das von den Gemeinden häufig angewendet wird.» Die Expertin ist seit rund einem Jahr bei der Karch dabei, und hat seither «nur gute Erfahrungen» in der Absprache mit Gemeinden gemacht. 

Ein Austausch ist auch deshalb wichtig, weil sich die Thematik mit der Zeit verändert. «Bestehende Gewässer können austrocknen, dafür entstehen neue Teiche – auch auf privatem Grund», erörtert die Fachperson. Dass sich auch Naturschutzvereine stark für den Amphibien-Schutz einsetzen, sei eine positive Entwicklung.

Ebenso wie der Einsatz von Firmen, die Amphibien-Schutzzäune herstellen. Alles in allem sei man auf gutem Weg. Auch weil es zwei Regionalvertreterinnen gäbe, die sich die Arbeit teilen. «Das Amt für Raumplanung ist Dreh- und Angelpunkt in dieser Angelegenheit», fügt Schweizer hinzu. Dort soll es ebenfalls Erneuerungen im Amphibien-Schutz geben.

Kanton arbeitet auf

Im Frühling wird der Kanton Zugstellen an Kantonsstrassen erfassen, welche er im Sommer in Form einer eigenen Karte aufschaltet. «Die neue Anwendung ist vor allem für die Kreisbauämter gedacht», weiss Jonas Lüthy von der Abteilung Natur und Landschaft.

So könne vor einer Strassensanierung geklärt werden, ob eine Zugstelle vorhanden ist, und ob der Einbau eines Leitwerks sinnvoll wäre. Das neue System ist nicht die einzige anstehende Veränderung. Auch die Liste der «Amphibienlaichgebiete von nationaler Bedeutung» wird angepasst. In dieser sind derzeit noch sechs Gewässer enthalten, die verschiedene Kriterien wie eine kontinuierlich bestehende, grosse Amphibien-Population oder gefährdete Arten, erfüllen.

Hinzu kommen drei Wanderobjekte, dabei handelt es sich beispielsweise um Kiesgruben. «Die Bundesinventare, darunter auch das Inventar der Amphibienlaichgebiete von nationaler Bedeutung, befinden sich derzeit in Revision», so der Mitarbeiter der Abteilung Natur und Landschaft. «Der Kanton hat eine Überprüfung vorgenommen und aufgrund der Ergebnisse etliche neue Objekte vorgeschlagen.»